Von der Hidden Kist in die Matjeshalle


Mörder mögen keine Matjes von Krischan Koch

Tadje und Lasse genießen ein paar freie Stunden am Strand von Fredenbüll. In der untergehenden Sonne bemerken sie einen Container, der offensichtlich über Board gegangen ist. Als sie nachschauen, was denn wohl darin ist, machen sie eine grauenvolle Entdeckung, die sogleich ihren Vater, Polizeiobermeister Thies Detlefsen, auf den Plan ruft. Zwischen kaputtem Elektroschrott turnt nämlich ein Javaneraffe herum und bewacht eine Leiche. Schnell stellt sich heraus, dass das Verbrechen in Hamburg verübt wurde. Das ist eigentlich nichts Thies Revier, aber da Nicole Stappenbek inzwischen dort bei der Mordkommission arbeitet, ist eine Fahrt an die Elbe zu verlockend.

In diesem siebten Fall scheint sich ganz Fredenbüll in der Hansestadt aufzuhalten. Tadjes Zwillingsschwester Telje macht im selben Krankenhaus ein Berufspraktikum, wo auch Piet Paulsen am Knie operiert wird. Es ist ja klar, dass sich Antje, die Inhaberin der Hidden Kist, samt der Stammbesetzung von Stehtisch I und II einen Besuch nicht nehmen lässt. Auf dem mehrtägigen Ausflug erkunden sie mit friesischem Pragmatismus das Vergnügungsviertel und sammeln Ideen für außergewöhnliche Köstlichkeiten auf der Speisekarte des Schnellimbisses. In Mannis Matjeshalle wird weiter über die großen und kleinen Probleme der Welt geschnackt. Kenner der Vorgängerbände müssen also nicht auf die humorigen Dialoge zwischen Althippie Bounty, dem Schimmelreiter und der übrigen Runde verzichten. Thies und Nicole ermitteln nebenbei und die Fredenbüller bekommen einen Eindruck, mit welch schweren Jungs sie es hier zu tun haben.

Der Schreibstil von Krischan Koch ist gewohnt temporeich und die Handlung ist mit witzigen Dialogen und Situationskomik angefüllt. Trotz aller Skurrilität erscheint der Kriminalfall realistisch, wenn man sich mal über Zuständigkeiten hinwegsetzt. Eine Polizeiuniform aus Schleswig-Holstein fällt eben in der Stadt Hamburg auch sofort auf. Neben der Suche nach dem Mörder, entwickeln sich auch die Figuren weiter. Es ist dennoch nicht notwendig, die Reihenfolge bei der Serie einzuhalten; die notwendigen Informationen werden immer erwähnt, sodass der Lesefluss nicht gestört wird. Bemerkenswert sind hierbei die regionalen Eigenheiten, die einem Klischeefriesen unterstellt werden. Die Fredenbüller lassen keine davon aus, was sie aber umso liebenswerter macht.

Fredenbüll ist keineswegs das verschlafene Küstendorf, wie es immer scheint. Im sechsten Band fand schon ein Pate der Mafia den Weg dorthin und nun bekommt der Polizeiobermeister es direkt mit dem illegalen Entsorgen von Elektroschrott zu tun. Internationales Flair versprüht auch Privatdetektiv Phil Krotke, der in seiner Art stark an Philipp Marlow erinnert. Inmitten dieser gewieften Figuren entdeckt Antje dann im Freizeitprogramm die Entschleunigung im Kartoffelschälkurs. Diese Wechsel der Perspektiven tragen nicht nur zur Unterhaltung bei, sondern lassen den Leser verschnaufen. In der Zwischenzeit kann auch eine blutende Nase verarztet werden. Mörder mögen keine Matjes ist eine unbedingte Leseempfehlung, wenn man nicht alles so bierernst nimmt.

Leseprobe

© Gunter Glücklich

Krischan Koch wurde 1953 in Hamburg geboren. Die für einen Autor üblichen Karrierestationen als Seefahrer, Rockmusiker und Kneipenwirt hat er sich geschenkt. Stattdessen macht er Kabarett und Kurzfilme und schreibt seit vielen Jahren Filmkritiken u.a. für die ‚Die Zeit‘ und den Norddeutschen Rundfunk. Koch lebt mit seiner Frau in Hamburg und auf der Nordseeinsel Amrum, wo er mit Blick aufs Watt seine Kriminalromane schreibt. (Quelle: dtv)

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Reihenfolge Krimi-Serie

  1. Rote Grütze mit Schuss
  2. Mordseekrabben
  3. Rollmopskommando
  4. Dreimal Tote Tante
  5. Backfischalarm
  6. Pannfisch für den Paten

2 Gedanken zu “Von der Hidden Kist in die Matjeshalle

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