Mord im Nord-Ostsee-Express - Cover

Agathe Christiansen wird ermordet

Mord im Nord-Ostsee-Express von Krischan Koch

Polizeihauptmeister Thies Detlefsen stimmt dem Vorschlag seiner Ehefrau Heike zu, mit ihr nach Paris zu fahren. Die Reise wurde vom Französischkurs der örtlichen VHS geplant, sodass mit ihnen einige bekannte Gesichter im Zug sitzen. Doch bevor der Nord-Ostsee-Express überhaupt Elms‘örn erreicht, bleibt er im plötzlich hereinbrechenden Schneechaos stecken. So hoch waren die Verwehungen nicht einmal zum Jahreswechsel 1978/79. Obendrein wird auch noch Agathe Christiansen ermordet. Die Suche nach dem Täter wird erschwert, weil nahezu jeder Mitreisende ein Motiv hatte, die verhasste Lateinlehrerin ins Jenseits zu befördern. Französischdozent Jean-Pierre Picon ist sich sicher, der Killer befindet sich unter ihnen.

Eigentlich ist der Fredenbüller Polizeihauptmeister gar nicht im Dienst. Autor Krischan Koch hat ihm Urlaub genehmigt. Ein Kollege soll stattdessen die Wache ein paar Tage vertreten. Auf dem Weg überrascht diesen Polizisten das Schneegestöber. Er beschließt, noch schnell das Fahrzeug vor ihm zu kontrollieren. Ein Fehler; stellt sich schnell heraus. In der Hidden Kist ist wie immer Betrieb, aber Thies und Bounty werden vermisst. Auch der Althippie ist mit seiner neuen Freundin Giselle im NOE Richtung Paris unterwegs. Im abgenutzten Kunstsamt verbringen sie nun die Stunden bis sich der Zug wieder in Bewegung setzt. Diese wird immer wieder über Lautsprecher vom Zugschaffner durchgesagt: Ihre Weiterfahrt verzögert sich um einige Stunden. Sänkju forträwelling. Wie es im Norden so üblich ist, bleibt der Schnee nicht allzu lange liegen. Da Thies aber noch den Mörder finden muss, bevor dieser Gelegenheit zum Aussteigen hat, gerät er unter Zeitdruck. Das scharfsinnige Kombinieren von Französischlehrer Picon bringt ihn kein Stückchen weiter.

Der oder die Täter ’aben zahlreiche ’inweise ’interlassen.

Jean-Pierre Picon

Der zehnte Band der humorvollen Krimiserie ist an den Klassiker von Agatha Christies Klassiker Mord im Orientexpress angelehnt. Der Nordostseeexpress bleibt ebenfalls auf der Strecke liegen und bietet den Ermittlern Gelegenheit, durch Ausschlussverfahren den Täter zu überführen. Hercule Poirot ist in diesem Fall Jean-Pierre Picon, der mit seinem französischen Akzent für das passende Flair sorgt. Sans doute, dieses Element bringt sowohl Humor als auch Noblesse in die Handlung. Außerdem ist eine russische Gräfin unter den Reisenden und ein paar weitere, die zu Verdächtigen werden. Man kann die geschürte Panik spüren, nachdem die Leiche entdeckt wurde und zudem die Versorgung nicht mehr gesichert ist. So gediegen die Einrichtung des Zuges auch ist, es fehlt einfach der Speisewagen.

Parallel zu diesem Handlungsstrang ermittelt Kommissarin Nicole Stappenbek den Fall um einen verschwundenen Polizisten. Oma Ahlbeck und Kurschatten Kurt wollen zwar einen Mord im vorbei-fahrenden 21:50 ab Niebüll beobachtet haben – ich hatte sofort Assoziation zu einem weiteren Krimiklassiker – aber die Suche nach dem Kollegen erfordert ebenfalls dringendes Handeln. Dabei ist Nicole doch im achten Monat schwanger und sollte sich ausruhen. Jetzt verfolgt sie Hinweise im tiefsten Schnee, wo auch keine Elektrofahrzeuge mehr fahren.

Krischan Koch schafft es auch im zehnten Band um die Nordfriesische Polizeiwache die Spannung bis zur letzten Seite zu halten. Der Fall bietet jede Menge falsche Fährten. Die Lösung ist schlüssig und lässt mich zufrieden auf den elften Band warten. Monsieur Picon würde sagen: Magnifique.

Leseprobe

Übrigens gibt es zu diesem Buch auch eine ungekürzte Autorenlesung im Audioformat. Krischan Koch verleiht seinen Figuren die unnachahmlichen Charaktereigenschaften. Häufig bedarf es keiner Erklärung, wer gerade spricht. Man ist praktisch als stiller Zuhörer mit dabei. Ich war bei der Premierenlesung im Hamburger Speicherstadtmuseum dabei und kann es jedem Krimifan empfehlen, sich die Geschichte vorlesen zu lassen. Es macht auch nichts, wenn man keine Kenntnisse von den neun Vorgängern hat. Die Figuren werden ausreichend vorgestellt und die Fälle sind jeweils in sich abgeschlossen.


Falls ihr Buchtipps lieber hört als lest, kommt euch vielleicht der Beitrag von NRWision entgegen. Dort durfte ich, moderiert von Sascha Tanski über Mord im Nord-Ostsee-Express sprechen.

Beitrag bei NRWision


© Gunter Glücklich

Krischan Koch wurde 1953 in Hamburg geboren. Die für einen Autor üblichen Karrierestationen als Seefahrer, Rockmusiker und Kneipenwirt hat er sich geschenkt. Stattdessen macht er Kabarett und Kurzfilme und schreibt seit vielen Jahren Filmkritiken u.a. für die ›DIE ZEIT‹ und den ›Norddeutschen Rundfunk‹. Koch lebt mit seiner Frau in Hamburg und auf der Nordseeinsel Amrum, wo er mit Blick aufs Watt seine Kriminalromane schreibt. (Quelle: dtv Verlagsgesellschaft)


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Reihenfolge der Serie:

  1. Rote Grütze mit Schuss
  2. Mordseekrabben
  3. Rollmopskommando 
  4. Dreimal Tote Tante
  5. Backfischalarm 
  6. Pannfisch für den Paten 
  7. Mörder mögen keine Matjes 
  8. Friedhof der Krustentiere 
  9. Der weiße Heilbutt
  10. Mord im Nord-Ostsee-Express

Das Rezensionsexemplar wurde mir von dtv zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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