Heimweh - Cover

Die Vergangenheit hinter sich lassen

Heimweh von Graham Norton

Irland/New York. 1987 ereignet sich ein folgenschwerer Unfall, das die Gemeinschaft des kleinen Ortes Mullinmore spaltet. Sechs junge Leute fahren nach einem Besuch im Pub wieder heim. Zwei von ihnen wollen am nächsten Tag heiraten. Doch dazu kommt es nicht mehr. Das Auto kommt von der Fahrbahn ab und nur drei Menschen überleben das Drama. Eine von ihnen wird ihr Leben im Rollstuhl verbringen. Connor Hayes wird beschuldigt, den Unfall verursacht zu haben. Nach dem Prozess verlässt er Irland und fängt in England ein neues Leben an. Seine Familie hört nichts mehr von ihm. Doch 20 Jahre später trifft er in New York auf einen jungen Barkeeper und stellt fest, dass dieser sein Neffe ist. Die lange Zeit sollte die Wunden verheilt haben, aber nicht jeder ist über Connors Rückkehr erfreut.

Graham Norton zeigt als Autor, dass er komplexe Beziehungsdramen fesselnd erzählen kann. Auch in seinem dritten Familienroman geht es um ein irisches Schicksal. Connor hat das Leben noch vor sich. Seine Träume platzen mit dem Urteil. Die Menschen in Mullinmore sehen in ihm denjenigen, der drei Leben auf dem Gewissen hat. 1989 ist es für ihn das Beste, irgendwo hinzuziehen, wo ihn niemand kennt. Dennoch ist er ein Sohn und seine Mutter würde ihm den Fehltritt verzeihen. Es sind eher Vernunftsgründe, den Sohn ziehen zu lassen. Der Kontakt reißt ab, bis Finbar den traurigen Mann in einer Bar trifft. Er erzählt es seiner Mutter, Connors Schwester Ellen, und diese überredet ihn, die Eltern nochmal zu sehen. Bei diesem Besuch präsentiert sich der Unfallhergang in einem ganz anderen Licht. Die Handlung lässt ihre Beschaulichkeit hinter sich und legt einiges an Tempo zu. Dabei ist der Erzählstil immer noch leise und zeigt einen gefassten Protagonisten, der die Situation akzeptiert zu haben scheint. Diese Wendungen werden geschickt platziert, sodass die Neugier aufs Neue geweckt wird.

feinfühlig gesprochene Gesellschaftsstudie

Das Hörbuch wird von Charlie Hübner gelesen. Wie bereits in den beiden anderen Romanen des britischen Talkmasters verleiht er den Charakteren die nötige Melancholie, eine tiefe Sehnsucht und die wachsende Entschlossenheit. Die Bewohner Mullinmores werden beim Zuhören lebendig. Man begreift sie in ihrer Einzigartigkeit, als würde man mitten im Geschehen sein. Gleichzeitig spürt man Connors Zerrissenheit und die Trauer. Durch die Stimme wird die Persönlichkeit transportiert, die beim Hörer Empathie aufbaut. Beim ersten Hören kann man das unmöglich alles erfassen. Das zweite und dritte Abspielen ist somit noch genau so ein Genuss wie beim ersten Mal. Zwischen Hören und Lesen kann ich in diesem Fall keinen Unterschied machen und vergebe beiden Versionen eine unbedingte Empfehlung.

Leseprobe

Graham Norton - Autor
© Sophia Spring/ Hodder&Stoughton 2016

Graham Norton ist Großbritanniens bekanntester Talkmaster, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und einer internationalen Fangemeinde. „Ein irischer Dorfpolizist„, sein erster Roman, war ein großer Kritikererfolg und schoss sofort in die britischen Top Ten. Eine Fernsehserie ist in Vorbereitung. (Quelle: Rowohlt Verlag)

Hörprobe

Charly Hübner, geboren in Mecklenburg, ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands. Er ist am Schauspielhaus Hamburg tätig sowie regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Kamera, den Grimme-Preis, den Gertrud-Eysoldt-Ring und den Ernst-Lubitsch-Preis. 2018 trat er mit Wildes Herz als Regisseur in Erscheinung und wurde auch dafür mit mehreren Preisen geehrt. Zurzeit arbeitet er an der Verfi lmung von Thees Uhlmanns Roman Sophia, der Tod und ich. Charly Hübner über Motörhead ist sein erstes Buch. Er lebt in Hamburg. (Quelle: Argon Verlag)


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  • Herausgeber: ‎Argon Verlag; ungekürzt
  • erschienen am 19. Oktober 2021
  • ISBN-13: ‎978-3839819241
  • Originaltitel: ‎Home Stretch

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Argon Verlag über #Netgalley zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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