Nach Porträtieren Mord

Tulpengold von Eva Völler

Kurz nachdem Pieter im September 1636 seine Lehrstelle bei dem berühmten Meister Rembrandt van Rijn angetreten hat, passieren merkwürdige Vorfälle. Nicht nur, dass immer mehr potentielle Kunden des Malers plötzlich durch Gift zu Tode kommen, sondern bei einer Hausdurchsuchung werden auch Tulpenzwiebeln gefunden, die der Meister wohl einem Opfer gestohlen hat. Alles deutet darauf hin, dass jemand in nächster Nähe ein böses Spiel spielt.

Eva Völler platziert ihren historischen Kriminalfall vor der Kulisse des Tulpenfiebers in Amsterdam. So farbenfroh wie die Tulpenblüte selbst, ist ihr auch das Beschreiben der Umgebung gelungen. Beim Lesen kann man sich in die Malwerkstatt einfinden, die kleinen verschachtelten Häuser vor sich sehen und vor allem die schmalen Gassen mit den eifrigen Händlern. Das Tulpenfieber brach plötzlich aus und trieb die Preise für die Blumenzwiebeln in die Höhe. Sie wurden zu utopischen Preisen gehandelt und weckten bei jedem Begehren und mehr oder weniger geschickten Geschäftssinn. Aber um die Tulpe an sich geht es hier gar nicht, sondern sie dient eher der Hintergrundgestaltung und bietet natürlich ein Mordmotiv.

Vielmehr steht die Ermittlung in den Todesfällen im Vordergrund, die sich um die Person Rembrands ranken. Die Figuren sind dabei fiktiv bis auf den Maler, was jede Menge Möglichkeiten, wer der Täter ist, offen hält. Sein Schüler Pieter ist obendrein noch ein Außenseiter, der überaus an höherer Mathematik interessiert ist. Er berechnet Wahrscheinlichkeiten und hat die am wenigsten emotionalsten Empfindungen in diesem Buch. Natürlich interessieren ihn die Magd und die Schankwirtin, aber irgendwie ist er auch in seiner eigenen Welt gefangen, was ihn zu einer interessanten Figur macht. Seine Erkenntnisse führen Schritt für Schritt zum wahren Täter, der sehr lange im Dunkeln bleibt. Nach dem Aufdecken fiel es mir allerdings wie Schuppen von den Augen. Da war ich wohl zu sehr von der üppigen Schreibweise abgelenkt.

Die Handlung endet zeitgleich mit dem Zusammenbrechen des Tulpenmarkts, was auch historisch für einen runden Abschluss sorgt. Für einen Krimi ist er nicht allzu temporeich, aber dennoch mitreißend geschrieben. Für einen historischen Roman gibt es zu viele Mordfälle, obwohl recht detailliert das Leben im 17. Jahrhundert beschrieben wird. Alles in allem hat mir der Krimi viel Lesespaß gemacht und ich würde mir mehr von dieser Sorte wünschen.

Leseprobe

Bei Eulenmatz-liest könnt ihr ebenfalls eine begeisterte Rezension lesen.


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© Olivier Favre


Eva Völler
hat sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem verdiente sie zunächst als Richterin und Rechtsanwältin ihre Brötchen, bevor sie die Juristerei endgültig an den Nagel hängte. „Vom Bücherschreiben kriegt man einfach bessere Laune als von Rechtsstreitigkeiten. Und man kann jedes Mal selbst bestimmen, wie es am Ende ausgeht.“
Die Autorin lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen. (Quelle: Bastei Lübbe Verlag)

 

 


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  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth)
  • erschienen am 23. Februar 2018
  • ISBN-13: 978-3431040845
Das Rezensionsexemplar wurde mir von Bastei Lübbe über Netgalley.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

 

 

 

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