Die turbulente Rettung des Weihnachtsfestes

Hauptsache, der Baum brennt von Sina Beerwald

Sarah Christkind wird eines Sonntags um sechs Uhr aus dem Bett geklingelt. Vor ihr steht niemand anderes als der Weihnachtsmann und erklärt ihr, dass sie bis Heilig Abend alle Hände voll zu tun haben. Moment! Sarah versucht dem bärtigen Mann im roten Mantel zu erklären, dass sie lediglich den Namen trägt, aber keineswegs die Tätigkeit ausübe. Nun erfährt sie, das es einen Unfall gegeben hat, bei dem ein Schlitten vom Himmel gefallen sei. Das echte Christkind sei tot und Sarah müsse nun den Job übernehmen. Als Psychologin hat sie bereits ganz andere Geschichten gehört und nimmt sich dem vermeintlichen Patienten an. Dabei hat sie derzeitig ganz andere Sorgen. Ihr Mann Oliver hat sie wegen einer jüngeren Frau verlassen und ihre pubertierenden Kinder Lucas und Lilly sind auch nicht mehr mit allem einverstanden, was ihre Mutter von ihnen verlangt. In wenigen Tagen ist Weihnachten und da soll doch wenigstens der Baum brennen.

Sina Beerwald ist bereits durch mehrere Möwenkrimis für ihre humorvolle Schreibweise bekannt. Auch in diesem Weihnachtsroman macht sie ihrem Ruf wieder alle Ehre. Der Glaube an den Weihnachtsmann nimmt normalerweise mit zunehmendem Alter ab. Auch die Protagonistin muss erst überzeugt werden, dass sie hier nicht mit einem Patienten zu tun hat, der ein psychisches Trauma überwinden muss. Zunächst glaubt sie deshalb an einen Gedächtnisverlust. Schon allein aus beruflichem Interesse möchte Sarah dem Herrn im roten Mantel helfen. Die Annäherung der beiden Figuren birgt natürlich ein enormes Potential an Situationskomik. Wie soll jemand aus einem entlegenen finnischen Ort auch die Verkehrsregeln beherrschen oder versiert beim Umgang mit den häuslichen elektrischen Hilfsmitteln sein?

Die Handlung ist durchdacht und für den Leser nachvollziehbar. Sarah ist in ihrer Rolle als berufstätige Mutter und gerade verlassene Ehefrau prädestiniert fürden hilfsbereiten Teil des Konstrukts. Durch das verunfallte Christkind und den gestrandeten Weihnachtsmann scheint das gesamte Weihnachtsfest für die Menschheit auf dem Spiel zu stehen. Diese Problemstellung zieht sich durch den Roman und führt durch so einige Nebenschauplätze. Einer davon ist die nicht mehr funktionierende Ehe von Sarah und Oliver. Zudem kommen noch zwischenmenschliche Diskrepanzen mit den Kindern und vor allem der eigenen Mutter. Die sich entwickelnde Anziehung zwischen ihr und dem Jeff Bridges-Double mit den arktisblauen Augen ist darum auch verständlich, wobei der Weihnachtsmann für meinen Glauben an die Heilige Nacht eigentlich keine heiße Affäre haben sollte.

Die turbulente Familiengeschichte ist passender Lesestoff für die Adventszeit und klärt endlich darüber auf, wer denn nun eigentlich die Geschenke zu den Menschen bringt. Die Rezepte der erwähnten Gerichte wie Bratapfel oder das Fischbrot findet man am Schluss des Buches. In diesem Fall darf also vorgeblättert werden, damit man beim Lesen etwas Leckeres zum Essen hat.

Leseprobe



Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, studierte Wissenschaftliches Bibliothekswesen und hat sich bislang mit elf erfolgreichen Romanen einen Namen gemacht. 2011 wurde sie Preisträgerin des NordMordAward, des ersten Krimipreises für Schleswig-Holstein. 2014 erhielt sie den Samiel Award für ihren Sylt-Krimi „Mordsmöwen.“


Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Knaur Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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