In guten wie in schlechten Tagen

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Du. Für immer. von Emma Wagner

 

Anna kennt Oliver schon seit ihrer gemeinsamen Kindheit. Das lebhafte Mädchen hat den zurückhaltenden Jungen immer schon zu Abenteuern verleitet, die von den Eltern nicht gutgeheißen wurden. Die wohlhabende Familie sah es daher überhaupt nicht gern, wenn sich die beiden trafen. Auch Annas Eltern gaben immer wieder Grund für skeptische Blicke seitens Olivers Mutter. Diese sind auch 22 Jahre später noch nicht vergessen, obwohl die Umstände nun ganz andere sind. Anna und Oli kommen wegen der Beerdigung einer früheren Lehrerin zurück in ihre Heimatstadt. Dort werden sie mit ihren alten Klassenkameraden konfrontiert und eben auch mit ihrer Vergangenheit. Das Paar, das seit fünf Jahren verheiratet ist, muss nun für sich einen Weg finden, wie es weitermachen kann.

Du. Für immer. von Emma Wagner ist ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis. Die etwas mehr als 400 Seiten erzählen das Leben von Anna und Oliver und auch von einer Reihe interessanter Nebenfiguren. Im Vordergrund steht natürlich Anna, die als Ich-Erzählerin den größten Einblick in ihr Seelenleben zulässt. Die Kapitel enden stets wie die nächsten anfangen. Stück für Stück öffnet sich ein Bild, das auf den ersten Blick nicht zu erkennen war. Die romantische Darstellung von der Sandkastenliebe muss ernsten Problemen wie ungewollte Kinderlosigkeit und der Ablehnung durch die Familie weichen. Der Einfluss der Eltern auf die Heranwachsenden ist massiv und umso schlimmer, wenn sie selber Probleme haben. Annas Vater ist dem Alkohol zugeneigt und ihre Mutter flüchtet allzu oft vor der Verantwortung.

Die Entwicklung über 22 Jahre wird ohne bemerkbare Zeitsprünge aufgezeigt. Die Kinder, die eben noch im Wald herumtobten, treffen sich bald auf Partys und aus Freundschaft entsteht auch mehr. Sie lernen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und bekommen erste Verletzungen zu spüren. Durch die Rückblicke weiß man aber, dass es nicht allzu schlimm kommen kann, auch wenn man das beim Lesen leicht vergisst und mitfiebert. Man hat Mitleid mit Annas besten und einzigen Freundin Josie, die so sehr in Marc verliebt ist und doch nie bemerkt wird. Man möchte eben diesen Angebeteten an den Schultern packen und ihm seine egoistische Sorglosigkeit erklären und gleichzeitig Anna Trost spenden. Wenn ein Buch dermaßen viele Emotionen weckt, kann man es nur als berührend beschreiben.

Wortgewaltig sind einige Sätze, die auch den Leser zum Nachdenken animieren. So sagt Anna einmal beim Anblick ihres in Scherben liegenden Lebens: „… dabei bin ich doch nicht die einzige, die einen Fehler gemacht hat.“ Nein, sie ist nicht allein an der derzeitigen Situation Schuld. Hält man beim Lesen kurz inne, fallen sofort auch die anderen Handlungen ein, die Anna hierhin getrieben haben. Oft geschehen diese Anfänge im Unbewussten. In Annas Fall steckt sogar noch ein gutgehütetes Familiengeheimnis dahinter, das unbedingt auch erzählt werden sollte. Die Verbindung einzelner Aktionen ist stets nachvollziehbar, wenn auch nicht immer frei von Klischees. Aber auch die müssen ja irgendwo herkommen.

Ein Roman in der Romancewoche muss natürlich auch die große Liebe beinhalten. Ich verrate nicht zu viel, weil ja auch der Titel „Du. Für immer.“ schon viel verspricht. Hier muss ich unbedingt Oli zitieren, der wohl den romantischsten Part in dieser Geschichte hat: „… es hat lange gedauert, bis ich es begriffen habe, aber du hast mein Leben in Farbe getaucht.“ Wer an dieser Stelle angelangt ist, wird sicher automatisch das Cover ansehen, um die Szene betrachten zu können. Das Ende hallt noch eine Weile nach und oft habe ich mich ertappt, wie ich in einzelne Szenen gedanklich zurückgekehrt bin. Das Buch bietet davon unzählige, sodass jeder seine eigene Sicht darauf bekommen kann. Auf alle Fälle ist es großes, romantisches Kino.

Hier könnt ihr euch das Video von Ann-Sophie Schnitzler zum Buch „Du. Für immer.“ ansehen.
Ann-Sophies Blog, ohne deren Unterstützung dieser Beitrag nur die Hälfte wert wäre, ist ebenfalls lesenswert.


Leseprobe (Quelle: Amazon.de)

»Pflaumengelee!«, rufe ich freudig aus. »Dafür würde ich alles tun!«
»Ich werde darauf zurückkommen«, sagt Marc und lacht, doch sein Blick lässt meinen nicht los und in seiner Stimme schwingt etwas mit, das plötzlich wieder für dieses Kribbeln in meinem Magen sorgt.
Marc reicht mir ein Brötchen und auch das Glas. »Als ich das Pflaumengelee gesehen habe, musste ich sofort an dich denken und daran, wie wir damals die Pflaumen geklaut haben, um sie zu verkaufen. Deine Idee.«
»Aber du warst es, der über den Zaun geklettert ist«, kontere ich.
»Du konntest schon immer sehr überzeugend sein«, erwidert er und sein Lächeln ist atemberaubend, lässt meine Beine ebenfalls zu Gelee werden. Ich bin froh, dass ich gerade sitze.
Geistesabwesend schmiere ich mir ein Brötchen, während Marc irgendeine weitere Anekdote erzählt. Ab und zu nicke ich, hoffentlich an den richtigen Stellen, ohne ihren Inhalt wirklich mitzubekommen. Ich kann mich einfach nicht von seinem Lächeln lösen. Es scheint gestern gewesen zu sein, dass ich diese Lippen geküsst, meine Stirn an seine gelegt habe.
Mein Blick wandert von seinem Gesicht über seine breiten Schultern zu seinen braungebrannten, muskulösen Armen mit den langen schlanken Fingern – keinen halben Meter von mir entfernt und dennoch unerreichbar.
Marc redet und redet. Und ich starre ihn an, während ich von meinem Brötchen abbeiße und an meinem Kaffee nippe und doch nicht sagen könnte, wie das eine oder das andere schmeckt. Vielmehr frage ich mich, ob sein Kuss noch so stürmisch ist wie früher, wie sich seine Lippen auf meinen anfühlen würden und wie seine Hände auf meinem Körper.
»Alles okay?«
»Hm?«
»Du guckst so komisch.«
»Was? Ich? Ähm, nein, ich habe mich nur gerade gefragt, ob du … noch an Wettkämpfen teilnimmst?«
»Ja, aber nur aus Spaß. Für mehr hat es am Ende doch nicht gereicht. Dafür hat mir die Disziplin gefehlt, da bin ich ganz ehrlich.« Er beugt sich plötzlich vor, steckt mir, ehe ich es mir versehe, etwas ins Haar.
Perplex ziehe ich es wieder heraus und betrachte es. Es ist ein zu einer Blüte gerolltes Stück Packpapier. Verlegen streiche ich mir das Haar wieder hinters Ohr. »Zu viele Partys oder zu viele Mädchen?«
»Zu viele Partys und zu viele Mädchen, kleiner Drache«, gibt Marc lachend zu und ergänzt: »Zu viel von allem: Partys, Drinks, Freunde.« Dann wird er plötzlich ernst. »Nur zu wenig von dir.«


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Emma Wagner ist 1982 in Niedersachsen geboren. Zum Studium verschlug es sie nach Heidelberg. Diese herrliche Stadt wurde ihrem Ruf in Emmas Falle mehr als gerecht, denn sie hat ihr Herz in Heidelberg verloren. Dort lebt sie dementsprechend immer noch – inzwischen glücklich verheiratet – mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.

Eigentlich hatte sie nie vorgehabt, einen Roman zu schreiben. Seit dem Erfolg ihres Debütromans „Liebe und andere Fettnäpfchen“, der sogar noch 2015 Kindle Jahresbestseller geworden ist, kann sie nicht mehr damit aufhören. An Ideen dafür mangelt es ihr auch nicht, nur an Zeit. Schließlich hat sie eine fantastische Familie, die für sie das Wichtigste auf der Welt ist.

Da der Spagat zwischen Autorendasein und Mutterschaft nur mit einer gehörigen Portion Humor zu meistern ist, sind ihre Spezialität Liebesromane mit Herz, Humor und Heidelberg.

Mehr über Emmas Leben und Wirken findet ihr auf ihrer Homepage.


Klappentext des Folgebandes „Wir. Für immer.“

Eben noch war Sophies Welt nahezu perfekt, schließlich hat ihr langjähriger Freund ihr einen Heiratsantrag gemacht. Doch dem Café, das sie zusammen mit ihrer Mutter betreibt, droht das Aus. Ein Investor muss her – der ebenso gut aussehende wie arrogante Noel.

Dann allerdings überschlagen sich die Ereignisse: Sophies Mutter erleidet einen Autounfall, und kurz darauf erfährt Sophie etwas, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt.

Fassungslos will sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln machen und ausgerechnet Noel bietet ihr seine Hilfe an.

Gemeinsam stoßen sie auf eine dramatische Liebesgeschichte, die eng mit Sophies Schicksal verflochten ist.

Doch was sind Noels wahre Gründe dafür, Sophie zu begleiten?

Und wie sehen Sophies Gefühle ihm gegenüber wirklich aus?

„Wir. Für immer.“ ist die mit Spannung erwartete Neuerscheinung nach dem Bestseller „Du. Für immer.“. Beide Romane sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.

Textauszug Wir_Für immer 


Zum Abschluss muss ich euch noch unbedingt die Fragen aufschreiben, die sich mir nach der letzten Seite gestellt haben. Vielleicht mögt ihr eure Ansicht darüber im Kommentarfeld aufschreiben?

  • Besteht bei einer Sandkastenliebe eher die Gefahr, dass sie später zerbricht, weil sich das Paar individuell entwickelt, oder ist sie eher gefestigt, weil man schon alles gemeinsam erlebt hat?
    Frau Goethe meint, dass es daran liegt, was das Paar in der Zeit gemeinsam erlebt hat. Gute Erinnerungen schweißen zusammen, nicht so tolle treiben eher auseinander.

 

  • Marc hat die anderen immer für seine eigenen Interessen eingespannt. Hätte es Anna gerade nach ihrem gemeinsamen Geheimnis besser wissen müssen? Was macht ihn trotzdem so anziehend?
    Frau Goethe ist zu gut erzogen, um Marc mit dem einzig passenden Namen zu belegen. Er beherrscht die Kunst der Manipulation, die nur schwer zu erkennen ist. Außerdem hat Anna gehofft, er hätte sich geändert. Sie hätte es wissen können, zeigt hier aber viel von ihrer Gutgläubigkeit.

 

  • Anna kommt im Gespräch mit ihrer Pensionswirtin auf das Thema Verantwortung übernehmen. Muss es dafür ein Schlüsselerlebnis geben, oder gehört das zum Erwachsenwerden dazu?
    Abgeklärt, wie Frau Goethe nun mal ist, weiß sie, dass das Erwachsenwerden bei jedem anders verläuft. Der eine entwickelt sich und lernt die wichtigen Dinge nach und nach, der andere benötigt einen Holzhammer. Anna wäre vermutlich selber drauf gekommen, hatte aber in der Pension den nötigen Abstand zu ihrem Leben und einen einfühlsamen Gesprächspartner.

 

Taschenbuch: 428 Seiten
Verlag: Books on Demand
erschienen am 17. November 2016
ISBN-13: 978-3743114111

 

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3 Gedanken zu “In guten wie in schlechten Tagen

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