Bloggen_Was du denkst-wie es ist - entspannt und in Zeitdruck

Was du denkst … Bloggen

Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass es eine riesengroße Differenz gibt zwischen der Auffassung von Nichtbloggern und Bloggern über das Bloggen. Darüber jetzt hier zu bloggen scheint irgendwie unsinnig, weil die Nichtblogger ganz selten Blogs folgen. Aber vielleicht ergibt sich ja ein Austausch mit euch? Wenn ich jemandem erzähle, dass ich über Bücher blogge, kommt ganz oft eine der folgenden Reaktionen …

„Ach, das ist ja toll. Dann liest du ja die ganze Zeit.“

Es ist richtig, dass man fürs Buchbloggen recht viel liest. Wenn man das nicht tun würde, hätte man ja auch nicht so viel zu schreiben. Meistens hat man aber auch noch einen Alltag wie jeder andere auch. Als ich 2002 anfing, meine Leseeindrücke im Internet zu veröffentlichen, war die Meinung übers Buchbloggen noch eine andere. Wenn ich jemanden davon erzählte, wurde eher gefragt, ob ich denn auch schon im Feuilleton veröffentlicht habe. („Nein, so dann doch nicht.“) Erkennt ihr die Wertschätzung zwischen den beiden Aussagen? Über diesen Abwärtstrend bin ich ehrlich gesagt erschüttert. Ich bin aber idealistisch genug, um weiterhin Rezensionen zu schreiben und mit anderen Lesern zu teilen.

Was macht man als Buchblogger eigentlich?

Bis zur Veröffentlichung einer Rezension dauert es einige Zeit. Ich meine damit nicht das Lesen. Im Schnitt haben die Bücher rund 400 Seiten, die ich in rund 400 Minuten gelesen habe. Ein Buch, das ich Montags beginne, habe ich also am Donnerstag durch. Geht doch, werdet ihr denken. Dann schreibt sie noch drei Absätze und fertig ist die Laube. Tatsächlich ist das so, wenn ich einen leicht zu lesenden Roman gelesen habe, den ich mir aus der Bücherhalle mitgenommen hatte, weil ich einfach Lust darauf hatte. Da steht keine Erwartung hinter und ich kann das machen wie ich will. Außerdem hatte ich ja in dem Moment das Bedürfnis nach genau dieser Literatur und das Rezensieren fällt mir dementsprechend leicht. Trotz der guten Voraussetzungen würde ich dennoch niemals nur eine Viertelstunde benötigen, wie ich es ab und zu von anderen Bloggern höre.

Die geplanten Leseexemplare sind zwar auch zu 99 Prozent genau das, was ich sowieso gerne lesen will, aber man will es ja dann auch so perfekt wie möglich rezensieren. Der Zeitaufwand erhöht sich dadurch enorm. Aus den drei Absätzen werden dann schon mal vier oder fünf, es wird drei Tage redigiert, weil immer treffendere Worte benötigt werden und auch bei den Verlinkungen kann man sich ganz schön verzetteln. Während die fiktive Unterhaltungsgeschichte an der Côte d’Azur nur einen Link zur Tourismusseite Marseille bekommt, würde dem komplexen historischen Roman weiterführende Informationen zum Thema und Personen zugefügt. Viele dieser Romane kommen übrigens auch nicht mit 400 Seiten aus, was die Lesezeit für mich erhöht. Zum Schluss stellt sich immer die Frage, ob der Text dem Buch jetzt gerecht wird.

Hat man den Text fertig, will das Auge ja auch etwas zu tun haben. Mein WordPress-Theme verlangt nach einem Titelbild, das ein Cover nicht füllen kann. Ich erstelle also ein PNG in Powerpoint oder Canva, das sowohl das Cover als auch irgendetwas Thematisches zeigt. Städteansichten sind relativ leicht rechtefrei zu finden, bei speziellen Gegenständen aus einer Epoche oder Gemälden sieht das schon anders aus. Manchmal sucht man sich den gernzitierten Wolf. Wenn man dann noch die Quellen eingefügt und ein bisschen über Autorin/Autor herausgefunden hat, ist zumindest die Schreibarbeit beendet. Liegt man dann noch im Zeitrahmen, kann man sich also zufrieden der Postings auf Social Media widmen.

„Aber Social Media machst du doch fix nebenbei.“

Tatsächlich ist mir das meiste auf den Kanälen im Netz nicht fremd, weil ich von Berufs wegen ein relativ großes Vorwissen mitbringe. Nebenbei kann man da schnell mal einen Kommentar absetzen, oder die Freundin fragen, ob man sich die Woche auf einen Kaffee trifft. Alles andere sollte sich einem durchdachten Plan unterordnen, den man nicht mal eben nebenbei erstellt. Jedes Posting sollte für den Ersteller die Frage beantworten: Was will ich meinen Lesern mitteilen? Ist diese Kernaussage gefunden (es gibt eine neue Rezension), muss der entsprechende Kanal bestimmt werden. Facebook eignet sich immer noch gut für Bücher, weil die lesende Zielgruppe dort am häufigsten vertreten ist. Instagram auch, weil die Leserschaft dort zwar noch etwas jünger als bei Facebook ist, aber täglich längere Bildschirmzeit aufweist und eben immer größer wird. Aber dann brauche ich auch ein anderes Format fürs Bild, sonst ist ja der Rand unschön. Nicht vergessen, die Hashtags zu recherchieren. Pinterest? Auf jeden Fall, aber dann mit einem anderen Text. Wer sich auf dieser Suchmaschine tummelt, will keine harten Fakten, sondern lässt sich inspirieren. Seit einiger Zeit erobert die Buchwelt auch noch TikTok. Maximal drei Minuten sprechen, sollte man doch in höchstens vier Minuten samt filmreifer Videoaufnahme hinbekommen. Bekommt ihr eine Ahnung, wie viel Zeit jetzt noch für Social Media aufgewandt wird?

Manche Sätze hört man auch von Buchmenschen:

„Mein Buch kommt erst nächste Woche auf den Markt. Kannst du es bis übermorgen rezensieren?“

Immer häufiger wird mein Blog von Autoren gefunden, die mir anschließend ihre Bücher zur Rezension anbieten. Nicht falsch verstehen; das finde ich klasse. Es freut mich vermutlich genau so, als würde eine schreibende Person eine positive Rezension über das eigene Buch lesen. Aus den oben erläuterten Gründen ist es häufig aber zu kurzfristig. Sobald die Verlagsvorschauen veröffentlicht sind, sind die nächsten vier Monate schon wieder voll. Ich gucke die demnächst erscheinenden Bücher an, überlege mir, ob sie ein Hauptthema haben und ob man darüber eine Aktion machen kann. Danach verteile ich sie nach Erscheinungsdatum in meinen Kalender und bastle daraus einen Redaktionsplan. Der bietet die Übersicht über die Rezensionen und zugleich, wann eine Ankündigung fällig ist und welche Information vorab gestreut werden muss. Vom Temperament her bin ich da eher zögerlich unterwegs. Eigentlich müsste man mehr machen, flüstert mir die innere Pressereferentin immer zu. Das würde ich ja auch gerne, aber da ist ja noch das oben angesprochene Zeitproblem.

Was unterscheidet einen Blogartikel eigentlich von einem Bookstagram?

Bei der Suche nach Teilnehmern für eine Blogtour stellte ich letztes Jahr fest, dass sich viele Buchblogger nur noch auf Instagram ausdrücken. Ein ansprechendes Bild und maximal 2.200 Zeichen stehen zur Verfügung, um ein Buch zu besprechen. Das sind so ungefähr 300 Worte und sollte für eine Kurzmeinung auch reichen. Dazu kommt, dass die User des Kanals eher unterhalten werden wollen, als epische Texte lesen. Meistens reichen ihnen die drei Zeilen, die unter dem Bild sichtbar sind. Was hinter … kommt, klicken nur noch wenige und noch weniger entschließen sich zu einem Kommentar. Das ist auf dem Blog auch so, aber dort gibt es keinen Algorithmus, der die Relevanz unter anderem nach der Interaktionsrate ausspielt. Ein Beitrag wird also nicht zwangsläufig allen Lesern ausgespielt, nur weil man ihn veröffentlicht hat. Wenn man dann noch einen anderen Hashtag abonniert hat als der Rezensent, oder man ist mal zwei Tage verhindert, ins Netz zu gucken, ist der Beitrag sowieso im Nirvana verschwunden. Auch auf die Gefahr hin, dass mir nun viele widersprechen: Instagram kann keinen Blog ersetzen. Ein Blog ist so etwas wie ein Heimathafen für die eigenen Beiträge. Instagram kann aber bei richtiger Anwendung mehr Leser auf den eigenen Blog holen. Wegen der einseitig möglichen Followerschaft ist das Abonnieren von #bookstagramgermany oder #lesenmachtgluecklich bestimmt eine Quelle für neue Anregungen.

Hören statt lesen

Hinter jedem Buch steht natürlich auch jemand, der es geschrieben hat. Nicht nur der Inhalt des Romans ist interessant, sondern auch die Autorin oder der Autor. Ein Buch liest sich anders, wenn man bereits Kontakt mit dem Schreibenden hatte und hoffentlich ein nettes Gespräch in Erinnerung hat. Seit knapp fünf Jahren fülle ich meinen Podcast mit Autoreninterviews, Gesprächen mit Nadine über buchige Themen (Goethes Bücherreisen) und anderen Projekten. Das gesprochene Wort ersetzt immer häufiger den geschriebenen Text. Podcasts lassen sich gut bei anderen Beschäftigungen hören und man kann sie sogar abonnieren. Als Marketingelement sind sie nicht mehr wegzudenken. Außerdem sind die Hürden für die Aufnahme auf die Anforderungen an ein Smartphone zusammengeschrumpft. Dann ist so ein lockeres Geplauder doch bestimmt schnell aufgenommen? Ihr ahnt es schon, oder? Aber dazu mache ich einen anderen Beitrag, in dem ich beschreibe, was zu einem hörenswerten Interview dazugehört und nach der Aufnahme zu tun ist.

Was denkt ihr übers Bloggen: Reichen die sozialen Netzwerke?

Übrigens treffen wir uns jeden 3. Samstag im Monat auf Zoom und plaudern über blogrelevante Themen. Log dich einfach ein.

22 Gedanken zu “Was du denkst … Bloggen

  1. ullasleseecke schreibt:

    Liebe Heike, ich finde Deinen Beitrag ausgesprochen gut und sehr interessant zu lesen, deshalb werde ich gerne einen Link auf Facebook dazu setzen. Denn vielen ist wirklich nicht bewusst, was Bloggerinnen wie Du und ich und viele andere so alles machen. Um „mal eben“ etwas zu erstellen, bedarf es Zeit und vor allem Übung, es gibt soviel zu lernen (vor allem für mich) Ich habe ebenfalls festgestellt, dass viele mal schnell irgendwo was lesen wollen, aber dann sind unsere erarbeiteten Beiträge nicht mehr so sichtbar, deshalb werde ich auch weiterhin meinen Blog weiterhin pflegen und ich stelle fest, es finden doch immer wieder Autoren und Autorinnen den Weg dahin und diese Kontakte sind mir sehr wichtig, aber auch zu meinen Bloggerkolleginnen. Also weiter machen und immer mal wieder erklären, was wir tun 😉 Liebe Grüße Ulla

    Gefällt 3 Personen

    • Frau.Goethe.liest schreibt:

      Liebe Ulla, du hast den Kern des Beitrags so toll zusammengefasst. Was ja gerade im Moment überall mal wieder auftaucht, sind Sperrungen des Social Media Accounts. Das kann dir beim Blog auch nicht passieren. Von daher ist eine eigene Seite wirklich Gold wert.

      Gefällt 1 Person

    • Frau.Goethe.liest schreibt:

      Die Zeit ist für viele tatsächlich nicht ersichtlich. Möglicherweise bin ich derzeit einfach zu fokussiert, aber ich könnte täglich jemanden erklären, dass „noch mal eben schnell“ einen längeren Vorlauf benötigt. Zu schaffen ist das nur, wenn man das Buch auf eine Sofadecke legt und „neu bekommen“ darunter schreibt.

      Gefällt 2 Personen

      • Maja schreibt:

        Das wäre dann eher Werbung für ein Buch – keine Rezension. Eine gute Rezension allein braucht ja schon Zeit, wenn sie einen Mehrwert liefern soll – auch ohne das „Drumherum“.

        Gefällt 1 Person

      • Frau.Goethe.liest schreibt:

        Absolut. Den Unterschied zwischen Werbung und Buchbesprechung bekommen viele nicht auf die Reihe. Seit Mai 2018 sieht man ja auch überall fett Schlagworte mit Werbung und unbezahlt. Zur Vorsicht hängt überall der Auszug aus dem Telemediengesetz dran, was eine Meinungsbekundung ja überhaupt nicht benötigt, selbst wenn das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Ich kann aber verstehen, dass man lieber sicherheitshalber etwas hinschreibt, als hinterher abgemahnt zu werden. Ich will auch nicht behaupten, dass überhaupt keine unrechtmäßigen Abmahnungen verschickt werden. Schwarze Schafe gibt es überall.

        Gefällt 2 Personen

  2. Charlotte schreibt:

    Ich bin mit dir einer Meinung: Insta kann nie einen Blog auf der Webseite ersetzen. Der Vergleich schon hinkt, aus den von dir genannten Gründen. Dein Artikel ist sehr interessant, weil ich so erfahre, wie eine gewissenhafte Buchbloggerin wie du arbeitet. Danke!

    Gefällt 1 Person

    • Tina schreibt:

      Dank Steffi und dem Teilen bin ich auch hier gelandet.

      Hallo Heike,
      Balsam für die Bloggerinnen-Seele. Zeit, Muße, Kreativität, Organisation und Disziplin sind beim Bloggen ein großes Ding.
      Nur Social Media wäre, für mich zumindest, echt sehr einfach. DSGVO-Kram braucht man dafür nicht beachten. Ein Impressum wäre nice, doch das geht ja noch. Dafür hat man aber auch die Dinge, die du benennst und es fehlen einige Freiheiten, die das Zuhause – der Blog – inne hat.

      Liebe Grüße
      Tina

      Gefällt 1 Person

      • Frau.Goethe.liest schreibt:

        Hallo Tina, danke fürs Lesen. Du triffst vermutlich den Nagel auf den Kopf, wieso so viele einfach Instagram oder andere Plattformen nutzen, um über Bücher zu reden. Gerade geht es ja schon wieder um die bösen Google-Fonds. Derartige Sorgen hat man auf Social Media nicht. Instant-Kanäle schaffen ja nicht nur aktuelle Berichterstattung, sondern eben auch Erinnerungen von der Stimmung mit minimalem Zeitaufwand. Das ist ja auch nicht verwerflich. Ich mache auch auf allen Kanälen immer mal irgendwas. Aber ausschließlich wäre das für mich eben kein Buchblog und sollte auch nicht damit verglichen werden. Die Relation wollte ich einfach mal deutlich machen.

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  3. buchleserin schreibt:

    Danke Dir für diese tollen Worte! Wir stimmen Dir voll und ganz zu 🙂
    Bloggen ist mehr als Bookstagram. Wenn wir manchmal lesen, was die „Meinung“ zu einigen Bücher sein soll und dann sind es nur drei kurz Sätze, dann fragen wir uns wo da die differenzierte Auseinandersetzung mit den Themen ist, die in dem Buch angesprochen werden, bzw. die die unterschiedlichen Aspekte eines Buches (wie Aufbau, Spannung, Schreibstil etc.) beleuchten. Liebe Grüße Eliza und James

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      • buchleserin schreibt:

        Genau Bookstagram ist für uns nur eine Ergänzung. Wir teilen nie die komplette Rezension auf Insta, so viele Zeichen lässt Insta auch gar nicht zu 😉 Außerdem bietet Instagram auch viele Funktionen eines echten Blogs nicht, zum Beispiel das Sortieren nach Autoren etc. Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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