Kein Sommer ohne dich - Cover

Urlaub als Flucht

Kein Sommer ohne dich von Emily Henry

Poppy wuchs in Linfield auf. Sie wollte nichts lieber, als der Kleinstadt in Ohio zu entkommen. Inzwischen lebt sie in New York und arbeitet als Reisejournalistin. Einmal im Jahr verbringt sie ihren Urlaub mit ihrem besten Freund Alex. Die beiden gehen dann auf eine aufregende Reise, zu der meistens Poppys Arbeitgeber den Anstoß gibt. Doch auf der letzten Reise ist zwischen den beiden etwas vorgefallen, dass ihre Freundschaft empfindlich gestört hat. Ihre Kommunikation ist trivial geworden. Poppy beschließt, das zu ändern und lädt Alex auf einen weiteren Urlaub ein.

Emily Henrys Debüt Verliebt in deine schönsten Seiten war mir noch gut in Erinnerung, weswegen ich bei Kein Sommer ohne dich keinen Moment zögerte. Es ist wieder eine Liebesgeschichte, die auf Anhieb nicht zu erkennen ist. Die Autorin stellt die beiden Hauptfiguren ausführlich vor und lässt den Leser das Kennenlernen miterleben. Beide stammen aus derselben Kleinstadt und haben sich nun im Studentenwohnheim kennengelernt. Es war definitiv keine Liebe auf den ersten Blick, aber ihre Freundschaft entwickelte sich zu etwas Wertvollem. Glaubt man Harry – den Freund von Sally – ist Freundschaft zwischen Mann und Frau nicht möglich. Man darf also gespannt sein, wie sich die Nähe während der Reisen entwickelt. Mit jedem Kapitel nähert man sich dem Bruch in der Vertrautheit und man ist so neugierig, was da eigentlich vorgefallen ist.

Poppy wird anfangs in der Gegenwart vorgestellt. Sie hat alles erreicht, was sie wollte, aber man erkennt auch die Leere in ihr. Immer wieder packt sie die Koffer, erkundet fremde Orte und schreibt darüber Reportagen. Viele würden für einen solchen Job morden. Gleichzeitig bekommt man aber auch eine Ahnung, dass viel Sonnenschein auch Schatten bedeutet. Das Vertraute kann man kaum mitnehmen und überall, wo man ankommt, ist man wieder auf sich allein gestellt. Wer seiner Heimat so verzweifelt entfliehen will, mag diese Situation annehmbar finden. Aber für Poppy spielt ja auch noch Alex eine Rolle. Er stellt die Beständigkeit in ihrem Leben dar. Er hat immer ein offenes Ohr und folgt ihr jeden Sommer aufs Neue an fremde Plätze. Bei der Komplexität der Charaktere musste ich meine Erwartungen auf tiefgreifende Psychologie revidieren. Irgendwo zwischen Strandmatte und defektem Leihwagen sind die notwendigen Aussprachen auf der Strecke geblieben. Leser, die auf diese Dramen keine Lust haben, werden aber mit urlaubsmäßigen Beschreibungen belohnt.

Kapitel für Kapitel nähern wir uns also dem Urlaub, der alles veränderte. Allerdings ist die Zeit nicht chronologisch beschrieben, sondern man springt auch immer mal wieder in die Gegenwart dieses Sommers, den man natürlich durch die Hintergründe nun besser einschätzen kann. Poppy ist lebhaft und oft auch etwas unbedarft. Alex dagegen ist besonnen und hat auch keine Scheu, gravierende Probleme zu lösen. Poppy scheint wirklich alles zu haben, was sie sich wünscht. Die Frage ist aber, ob sie das auch tatsächlich will. Die Wendung ist früh vorhersehbar, aber der Schreibstil ist perfekt für ein Sommer-gute-Laune-Buch. Würde ich nicht demnächst sowieso ans Meer fahren, hätte ich spätestens nach der letzten Seite gebucht. Ich wage auch die Prognose, dass das Lesen im Sommer dem Buch besser steht als der Winter.

Kein Sommer ohne dich von Emily Henry ist eine leichte Sommerlektüre, die großen Unterhaltungswert hat. Man fiebert mit, ob die beiden Hauptfiguren sich tatsächlich bekommen, oder ob ihr Schweigen eine Sackgasse ist. Ihre Geschichte wurde warmherzig und mit Gefühl erzählt.

Leseprobe

© Devyn Glista

Emily Henry studierte kreatives Schreiben in New York und arbeitet heute als Autorin und Lektorin in Cincinnati, Ohio. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)


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  • Herausgeber: ‎Knaur TB
  • erschienen am 1. Juli 2022
  • Taschenbuch: ‎432 Seiten
  • ISBN-13: ‎978-3426525197
  • Originaltitel: ‎People We Meet on Vacation

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Droemer Knaur Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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