Sturm in die Freiheit - Cover

Himmelfahrtskommando für den Frieden

Sturm in die Freiheit von Jürgen Ehlers

England, 1943. Oberleutnant zur See Wolf Littke sieht seinen letzten Stunden entgegen. Der Kriegsgefangene soll hingerichtet werden. Doch in letzter Minute kommt es anders: Die Briten schicken ihn und drei Mitgefangene auf ein Himmelfahrtskommando nach Ostpreußen. Ganz genau soll ein Attentat auf den Führer in der Wolfsschanze durchgeführt werden. Die vier Spione werden ausgebildet und dann in die Nähe des Führerhauptquartiers eingeschleust. Jeder hat eine Aufgabe und zusätzlich eine Motivation. Der deutsche Jude Aaron will bei dieser Gelegenheit seine Schwester Rahel im Konzentrationslager aus den Versuchslaboren des Doktor Mengeles befreien, der Pole Leszek soll den Sprengstoff an einer strategischen Stelle platzieren und der Russe Igor wird als Kundschafter gebraucht. Der Plan scheint durchführbar und alle erwarten den 20. Juli 1944.

Jürgen Ehlers hat in seinem historischen Krimi Realität und Fiktion so geschickt verwoben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Schnell kommt er zur Sache, indem er den vier Kriegsgefangenen einen Auftrag zukommen lässt. Die Wahl zwischen sofortiger Hinrichtung und der kleinen Überlebenschance, falls der Auftrag klappt, wird von den Betroffenen schnell entschieden. Sie machen sich nach einigen Monaten der Ausbildung zum Geheimagenten auf den Weg nach Königsberg. Es ist die Heimat von Littke, der sich sogleich um passende Kontaktpersonen kümmert. Das gelingt nicht so, wie sich sein Team das wünscht. Der frühere Klassenkamerad ist allerdings ein Opportunist. Dennoch bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, als ihm zu vertrauen. Wolf will außerdem seine große Liebe aus der Gegend befreien, weil er sich nur zu genau vorstellen kann, wie die vorrückende Rote Armee wüten wird. Auch seine Kameraden haben eigene Interessen, die sie vom Standort erledigen wollen.

Einblick ins Grauen

Die Zeit des Dritten Reichs und deren Befehlsgeber werden ungeschönt beschrieben. Bereits 1943 deutete sich an, dass der Endsieg ein Wunschtraum bleiben wird. Immer häufiger gab es Anschläge auf den Führer. Der 20. Juli 1944 blieb mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Gedächtnis. Auch er plante mit einigen Vertrauten, Hitler zu ermorden und damit den Krieg schneller zu beenden. Bei historischen Krimis darf natürlich das Ende nicht verfälscht werden, sodass auch diese vier Agenten scheitern müssen. Sie führen die Leser allerdings nah an das Führerhauptquartier heran und lösen das Kopfkino aus. Wir erfahren von den Versuchen des Dr. Mengeles in der Zwillingsforschung und sehen hinter die Kulissen der Tötungswerkstatt. Es hinterlässt ein bitteres Gefühl, auch wenn bereits 80 Jahre vergangen sind. Traudl Junge hat ihren Auftritt, die ihrem Chef sogar gute Seiten abgewinnen kann. Insgesamt trägt das Zusammenspiel aller Figuren zu einem Rundumblick der letzten Kriegsjahre bei.

Jürgen Ehlers lässt sein Ziel nicht aus den Augen. Er formiert das Team und lässt es die gesamte Planung eines fiktiven Attentats in der Wolfsschanze durchleben. In aller Grausamkeit haben sich einige Figuren dennoch ihre Nächstenliebe bewahrt und lassen den Leser mitfühlen. Ich schwanke bei meinem Fazit, ob es nun ein historisch exakt recherchierter Krimi ist, oder doch eher eine spannende Geschichtsstunde. In jedem Fall bekommt dieser Krimi eine Leseempfehlung.

Eine weitere Meinung findet ihr im Bücherhaus. Mit Manuela habe ich diesen Roman und sieben weitere im Buchgeplauder diskutiert. Ihr hört den Podcast ab dem 26. Januar 2022.

Leseprobe

Jürgen Ehlers wurde 1948 in Hamburg geboren. Nach dem Germanistik- und Geographiestudium arbeitete er als Geowissenschaftler an der Universität Bremen. Jürgen Ehlers schreibt historische Kriminalromane. Für einen seiner Kurzkrimis wurde er mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. http://www.juergen-ehlers-krimi.de (Quelle: Heyne Verlag).


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  • Heyne Verlag
  • Taschenbuch, Broschur, 400 Seiten
  • erschienen am  9. August 2021
  • ISBN: 978-3-453-47178-8

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Heyne Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Ein Gedanke zu “Himmelfahrtskommando für den Frieden

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