Ein Ort der sich Zuhause nennt - Cover

Charlotte bricht ihr Schweigen

Ein Ort, der sich Zuhause nennt von Astrid Ruppert

Maya feiert ihren 30. Geburtstag. Ihr Freund Lukas, ihre Mutter Paula und ihre Großmutter Charlotte sind in Omas Häuschen dabei. Plötzlich steht ein Mann in der Tür und stellt sich als Muck vor. Als Charlotte ihn sieht, bekommt sie einen Schwächeanfall und muss in die Klinik. Nun möchten die anderen natürlich wissen, wie dieser Mann zu ihr steht. Das lebenslange Schweigen muss nun also gebrochen werden. In kleinen Abschnitten erfahren Paula und Maya die Lebensgeschichte von der Frau, die ihnen am nächsten steht.

Im Abschluss der Trilogie um die Winter-Frauen erzählt Astrid Ruppert die Biografie von Charlotte, der Tochter von Lisette aus Leuchtende Tage und damit Großmutter von Paula aus Wilde Jahre. In diesem Band geht es um die Jahre im Dritten Reich. Das Schweigen von Charlotte über ihr Leben verleitete bereits in den vorigen Bänden zu Spekulationen. Das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter war sowohl zu Paula als auch zu Lisette mehr als angespannt. Verschlossen und unzugänglich zeigte sie sich in ihren kurzen Auftritten. Ihre Beweggründe erklären sich im Handlungsverlauf. Es geht zurück in die Zeit des Dritten Reichs. Dabei wird die Sicht auf die Lebenssituation für die Bevölkerung eingenommen. Die Rede ist von Nachbarn, die deportiert werden, von Meinungen, die nicht mehr geäußert werden dürfen, von Entzweiung in Familien und immer wieder von Verlust. Gerade aus zerstörten Städten zogen Flüchtlingsströme durchs Land und fanden auf dem Land ein neues Heim, oder zumindest ein Dach über dem Kopf, bis sie wieder bei Kräften waren. Charlotte erzählt ihre Geschichte unverblümt und bietet damit die fehlenden Informationen zum Verständnis der Verhältnisse.


Die Kombination der Themen hat mich seit Leuchtende Tage interessiert. Nun durfte ich mit Astrid Ruppert darüber sprechen. Es geht dabei natürlich um das Schweigen nach dem Zweiten Weltkrieg und Familie. Hört euch den Podcast an.

Podcast


Ein Ort, der sich Zuhause nennt klärt vorwiegend die Verhältnisse zwischen Charlotte und Paula. Nachdem jede Winter-Frau in einem Teil der Trilogie einmal zu Wort gekommen ist, entsteht ein umfassender Blick auf das 20. Jahrhundert mit den Veränderungen der Zeit. Zwei Weltkriege sorgten für gravierende Einschnitte im Leben der Bevölkerung und man war gezwungen, sein Leben mit allen Wünschen anzupassen. Lisette, Charlotte und Paula waren jeweils Kinder ihrer Zeit und vermitteln die gängigen Charaktere der Epochen. Muss sich Lisette noch weit mehr mit moralischen Anforderungen auseinandersetzen, beugt sich Charlotte zwangsläufig den nationalsozialistischen Regeln. Paula darf sich dann frei entscheiden, was sie aus ihrem Leben machen möchte. Die Trilogie folgt allerdings keiner Chronologie. Man springt von der Kaiserzeit in die wilden 70-er und zurück in die 30-er. Beim Lesen kann man sich in jede Zeit einfühlen und bekommt mehr Verständnis für die eigenen schweigenden Ahnen. Man erhält einen Eindruck, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat und findet sicher Bekanntes, das man selbst erlebt hat oder es zumindest von Verwandten erzählt wurde.

Die Trilogie über die Winter-Frauen zeigt Astrid Ruppert nicht nur die Entwicklung im 20. Jahrhundert, sondern auch, wie die Zeit die Generationen geprägt hat. Die anfänglich offenen Fragen werden beantwortet. So unterschiedlich wie die Frauen aufwuchsen, so viele Gemeinsamkeiten haben sie auch. Jedes Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung. Nachdem jetzt alle Bände erhältlich sind, liest man sie am besten hintereinander weg.

Leseprobe

Astrid Ruppert - Autorin
Trilogie Winter-Frauen
© Peter Porst

Astrid Ruppert studierte Literaturwissenschaft und arbeitete mehrere Jahre als Fernsehredakteurin, bevor sie zu schreiben anfing. Astrid Ruppert, selbst Tochter, Mutter und Großmutter, geht in ihrer mitreißenden Trilogie der Frage nach, welches Band die Frauen einer Familie eigentlich zusammenhält. Wie man sich davon loslösen kann und wie man selbst diese Beziehungen sein Leben lang prägt. (Quelle: dtv)


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  • Herausgeber: ‎dtv Verlagsgesellschaft
  • erschienen am 17. November 2021
  • Broschiert: ‎480 Seiten
  • ISBN-13: ‎978-3423263016

Das Rezensionsexemplar wurde mir von dtv zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Reihenfolge der Trilogie:

  1. Leuchtende Tage
  2. Wilde Jahre
  3. Ein Ort, der sich Zuhause nennt

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