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Buchgeplauder #2

9 Buchtipps von 2Blogs1Buch

Jedes Jahr gibt es eine Unmenge an neuen Büchern. Gerne würden wir sie alle lesen. Bisher blieb das aber ein Wunschtraum. 2Blogs1Buch lesen immerhin so unterschiedliche Genre, dass wir euch einen breiten Überblick geben können. Damit ihr euch nicht durch den ellenlangen Text lesen müsst, haben wir die Tipps als Podcast zusammengestellt.

Buchgeplauder #2

Im zweiten Buchgeplauder geht es um die unten stehenden Buchtitel. Wir haben uns dieses mal auf bereits erschienene Bücher beschränkt, sodass ihr auch sofort loslesen könnt, wenn euch eins anspricht.

  1. Revolution der Träume von Andreas Izquierdo
  2. Feind des Volkes von Frank Goldammer
  3. Die Gesichter des Ethan Shaw von Fabrice Humbert
  4. Der Nachtwächter von Louise Erdrich
  5. Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch
  6. Wenn die Stille schreit von Roman Klementovic
  7. Die Hafenschwester – als wir zu träumen wagten von von Melanie Metzenthin
  8. Das Vermächtnis der Vier von Christopher Tefert
  9. Die stumme Tänzerin von Helga Glaesener

Manuela von Lesenswertes aus dem Bücherhaus gestaltet mit mir #2Blogs1Buch. Wir lesen jeweils ein Buch und rezensieren es unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten. Während sich Manuela um die Spannung kümmert, bewerte ich die Historie. Aus der gelegentlichen Zusammenarbeit ist seit 2018 eine feste Facebookgruppe entstanden, die übers Jahr immer wieder Aktionen veranstaltet. Den Podcast Buchgeplauder war der Auftakt zu den Aktionen anlässlich des Welttag des Buches 2021. Er wird in Abständen fortgeführt und Lesenswertes aus den Vorlagsvorschauen empfehlen. Die Liste für den nächsten Podcast füllt sich bereits.

Revolution der Träume von Andreas Izquierdo

Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman - Cover

Berlin, 1918. Der Große Krieg ist beendet und gerade handeln die Siegermächte die Reparationen für das geschlagene Deutsche Reich aus. Die drei Freunde aus Thorn Carl, Artur und Isi finden sich mitten in den Trümmern der Stadt. Carl kann sein Talent zum Fotografieren als Kameramann bei der UFA einbringen. Er lernt dadurch einflussreiche Menschen kennen. Auch Artur baut im Nu ein Geschäft auf. Er balanciert allerdings am Rande der Legalität. In seinen Clubs verkehren die wahren Drahtzieher der neuen Republik. Isi will der neuen Gesellschaft ohne den Kaiser zu Gerechtigkeit verhelfen. Die gutaussehende junge Frau geht darin einfallsreich vor.

Andreas Izquierdo hat die drei Hauptfiguren seines historischen Romans bereits in Schatten der Welt angelegt, in der die Zeit zwischen 1911 bis Ende des Großen Kriegs beschrieben wurde. Die drei Freunde aus Thorn waren während der Kampfzeit auseinandergerissen und finden sich in Berlin wieder. Bereits in Westpreußen stellte ein Landadeliger den Gegenspieler dar. Er lässt keine Gelegenheit aus, den dreien zu schaden. Nebenbei lassen sich so die turbulenten politischen Verhältnisse in Deutschland beschreiben. Die Meinungen gehen weit auseinander, sodass die Auffassungen der Gesellschaft gespiegelt werden. Der Vertrag von Campiège, der Aufstand der Matrosen sowie die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg werden aus einem anderen Blickwinkel als in den Geschichtsbüchern betrachtet. Die Sequenzen sind plausibel eingefügt, sodass sie die Handlung lebendig machen.

Die ausführliche Rezension zur Historie samt Interview mit Andreas Izquierdo findet ihr auf meinem Blog. Manuelas Rezension befasst sich mehr mit der Spannung des historischen Romans.

Feind des Volkes von Frank Goldammer

Der aus Dresden stammende Autor führt in seinen Romanen immer wieder an, welche Gedanken sich Menschen machen, die aufgrund eines Befehls tätig waren. Der ehemalige Soldat Heller ist auf seine Kriegstaten nicht stolz und will sich wenigstens bei der Polizei auf die Gerechtigkeit berufen können. Im Gegensatz dazu stehen die Entwicklungen zur Sowjetisch besetzen Zone. Auch hier werden Befehle gegeben, die rücksichtslos gegen Menschen ausgeführt werden. Zwangsläufig kommt es auch zum Vergleich mit dem Mörder. Dieser mordet aus eigenem Antrieb. Sollten alle dieselbe Strafe bekommen? Die Frage ist natürlich nicht pauschal zu beantworten. Heller wird damit zur tiefgründigen Figur, der man gerne durch seine Heimatstadt folgt. Dresden ist im Wiederaufbau und 16 Jahre nach Kriegsende formiert sich auch eine neue Regierung, die von den Besatzern geprägt wird. Die Entwicklungen sind nachvollziehbar und lassen den Leser wie einen stillen Besucher dabei sein.

Frank Goldammer hat über sieben Bände seinen Protagonisten Max Heller einige gefährliche Situationen durchleben lassen. Die Nachkriegszeit in Dresden wurden dabei bildhaft geschildert. Sein Erzählstil ist dabei schörkellos und folgt einem hohen Tempo. Die Ermittlungen geben erst auf den letzten Seiten den wahren Hergang wieder. Damit ist der Spannungsbogen vor der historischen Kulisse Dresdens perfekt gezogen. Die Krimiserie hätte gerne noch weitere Bände haben können.

Auch mit Frank habe ich mich ausführlich über die Serie um Max Heller unterhalten. Manuelas Rezension befindet sich im Bücherhaus.

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch

Verlorene Engel von Frank Goldammer - Cover

Wien, 1893. Inspektor Leopold von Herzfeldt wurde von Graz nach Wien versetzt. Kaum ist er in Wien angekommen, wird er auch schon zur ersten Leichenschau gerufen. Eine junge Frau wurde ermordet. Kurz darauf wird eine weitere Frauenleiche gefunden. Der Täter ging in beiden Fällen nach einem Ritual vor: Er pfählte sie. Bevor sich der junge Mann Gedanken darüber machen kann, wartet schon der nächste Fall auf ihn. Das Grab von Bernhard Strauss, dem Halbbruders des Komponisten Johann Strauss, ist geschändet worden. In letzter Minute konnte der Totengräber Augustin Rothmayer den Diebstahl der Leiche verhindern. Allerdings kann er nun einen Blick darauf werfen und bemerkt Ungeheuerliches. Alles weist darauf hin, dass der Mann lebendig begraben wurde.

Oliver Pötzsch beginnt mit diesem historischen Krimi eine neue Serie. Der Schauplatz Wien Ende des 19. Jahrhunderts bietet dazu einen düsteren und facettenreichen Hintergrund. Er bewegt sich dabei durch alle Gesellschaftsschichten. Von einfachen Zimmermädchen, über Handwerkern bis zur höheren Schicht wird alles abgebildet. Seinen Protagonisten lässt er Hochdeutsch sprechen, was der gemeine Wiener nicht mag. Leo wird dadurch als Piefke bezeichnet; ein Ausdruck, der heute kaum noch gebräuchlich ist.

Die Kriminalfälle scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben. Mehr durch Zufall kommt Herzfeldt auf die richtige Spur, die in Wien natürlich etwas mit Walzer zu tun hat. Statt sich freudig im Dreivierteltakt zu drehen, ist dieser allerdings düster und passt damit wieder zur Stimmung auf dem Zentralfriedhof. Der dortige Totengräber und der Inspektor nähern sich an und es kommt eine Ahnung auf, dass sich die beiden auch in potenziellen weiteren Fällen gut ergänzen. Die Einschübe aus dem Almanach für Totengräber, den Augustin Rothmayer schreibt, geben so manche Erklärung für Aberglaube und Schauergeschichten. Er doziert über Zersetzung, Insekten im Stadium der Verwesung, Entstellungen bei Selbstmördern und klärt endlich über schmatzende Geräusche in den Särgen auf. Die Hauptfiguren erhalten eine Biografie, die sie lebendig werden lässt. In einem Roman müssen zwar einige Fakten gebeugt werden, was in diesem Fall aber nicht auffällt. Was tatsächlich verändert wurde, ist im Nachwort erklärt. Von mir bekommt der Auftakt der Krimiserie eine ganz große Leseempfehlung.

Die Hafenschwester – als wir zu träumen wagten von von Melanie Metzenthin

Paul und Martha Studt haben schon einige Schwierigkeiten in ihrem Leben bewältigt. Im dritten Teil der Hafenschwester zeichnet Melanie Metzenthin für die Hamburger Familie die Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs nach. Ihre drei Kinder werden erwachsen und suchen sich ihren Platz im Leben. Die jüngste, Ella, träumt davon, Ärztin zu werden. Da ihr ältester Bruder Rudi aber noch Jura studiert, muss sich noch warten. Die Familie könnte sich zwei studierende Kinder nicht leisten. Allerdings hat niemand mit den Eskapaden des Ältesten gerechnet. Er gerät in die Mordermittlungen an seiner Geliebten und muss eine folgenschwere Entscheidung treffen. Nur der Wechsel nach Berlin verschont ihn vorm Ausschluss des Studiums. Ella nutzt die Zeit des Wartens, um sich zur Krankenschwester ausbilden zu lassen. Ihr Bruder Fredi bewirbt sich unterdessen bei der Polizei und wird Kommissaranwärter. Die Träume der drei kreuzt die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Der finale Teil der Hafenschwester ist nicht nur von der Seitenzahl der gewichtigste. Auch thematisch wird schwere Kost geboten. Haupt- und Nebenfiguren folgen keinem Klischee, sondern sind vielmehr so angelegt, wie die Dokumente es vermitteln. Im Konzentrationslager Wittmoor wurden tatsächlich angesehene Deutsche inhaftiert und gefoltert. Auch die Fluchthelfer, die unter lebensgefährlichen Bedingungen agierten, sind authentisch dargestellt. Bis ins kleinste Detail ist die Handlung durchdacht und folgt einem roten Faden. Teilweise liest sie sich wie ein Krimi, wenn man sich aus den Fängen der Parteigetreuen befreien und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen muss. Der Erzählstil ist dem Inhalt angemessen. Manche Dialoge lassen erst im Nachhinein ihren Witz erkennen. Gerade beim Thema Widerstand ist der Humor auch dringend nötig, um die Szenen verdaulicher zu servieren. Die Autorin hat die Figuren geschickt platziert, um durch sie die Jahre des Dritten Reichs zu schildern. Sie kombiniert die zeitgeschichtliche Familiengeschichte mit wahren Begebenheiten, sodass die Jahre wie ein Film vor dem inneren Auge ablaufen.

Die stumme Tänzerin von Helga Glaesener

Hamburg, 1928. Paula ist nicht glücklich mit ihrer Arbeit als Schreibkraft. Als sie die Chance erhält, zur Weiblichen Kriminalpolizei zu wechseln, zögert sie nicht lange. Aus Mangel an Personal wird sie trotz ihrer wenigen Erfahrung mit an einen Tatort genommen. Sie soll dort notieren, was der Kommissar entdeckt. Es fällt auf, dass Paula durchaus zu mehr in der Lage ist. Sie wechselt ins Team der Ermittlerinnen unter der Leitung der resoluten Kriminalinspektorin Josefine Erkens. Allerdings sind nun ihre Eltern nicht mehr glücklich mit Paulas Berufswahl. Als Tochter eines angesehenen Unternehmers sollte sie sich nicht mit kriminellen Machenschaften auseinandersetzen, zumal es hier um den Mord an Frauen im Stil des Englischen Rippers handelt. Paula flieht aus ihrem Elternhaus zu Verwandten nach Harvestehude. Dort ist sie ist sie dem gesuchten Mörder sogar noch näher.

Helga Glaesener zeigt anhand des fiktiven Falls die Gesellschaft in der Weimarer Republik. Zehn Jahre nach Ende des Großen Krieges waren die Veränderungen deutlich zu spüren. Die Frauen ließen sich nicht mehr in ihre frühere Rolle zurückdrängen, was sich auch in der neu entstandenen Abteilung der Weiblichen Kriminalpolizei ausdrückt. Die Kommissarinnen sollten sich allerdings vorwiegend um die Kinder kümmern. Im Fall der ermordeten Prostituierten ist der Sohn des Tatverdächtigen auffällig, sodass Paulas Kolleginnen eingreifen. Die Zustände in Pflegefamilien und Kinderheimen malen dabei eine düstere Erinnerung. Paulas resolute Chefin lässt sich aber nicht so einfach in die zweite Reihe drängen. Der Leser ist also immer hautnah am Geschehen, zumal auch Paula immer mehr Einblick bekommt. Auch die dominierenden Männer lassen die heutigen Frauen etwas sprachlos zurück, aber zeigen die damalige Auffassung der Rollenverteilung. Man kann sich leicht in die Figuren einfühlen und fiebert gerade bei Sympathieträgern mit, dass alles gut ausgehen möge. Die Handlung nimmt von Kapitel zu Kapitel mehr Fahrt auf, bis das Ende mit einer Überraschung aufwarten kann. Der Auftakt der Serie wurde ebenfalls ausführlicher rezensiert.

Manuelas Buchtipps

Die Tipps von Manuela findet ihr auf dem Blog Lesenswertes aus dem Bücherhaus. Sie stellt im Buchgeplauder#2 gleich vier Titel vor, die ihr über diese Links erreicht:


Im Buchgeplauder #1 vom 23. April 2021 hatten wir zehn Titel vorgestellt.

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