Die stumme Taenzerin - Cover

Hamburgs erste Kommissarinnen

Die stumme Tänzerin von Helga Glaesener

Hamburg, 1928. Paula ist nicht glücklich mit ihrer Arbeit als Schreibkraft. Als sie die Chance erhält, zur Weiblichen Kriminalpolizei zu wechseln, zögert sie nicht lange. Aus Mangel an Personal wird sie trotz ihrer wenigen Erfahrung mit an einen Tatort genommen. Sie soll dort notieren, was der Kommissar entdeckt. Es fällt auf, dass Paula durchaus zu mehr in der Lage ist. Sie wechselt ins Team der Ermittlerinnen unter der Leitung der resoluten Kriminalinspektorin Josefine Erkens. Allerdings sind nun ihre Eltern nicht mehr glücklich mit Paulas Berufswahl. Als Tochter eines angesehenen Unternehmers sollte sie sich nicht mit kriminellen Machenschaften auseinandersetzen, zumal es hier um den Mord an Frauen im Stil des Englischen Rippers handelt. Paula flieht aus ihrem Elternhaus zu Verwandten nach Harvestehude. Dort ist sie ist sie dem gesuchten Mörder sogar noch näher.

Die stumme Tänzerin ist der Auftakt zur historischen Krimiserie um Paula Haydorn. Helga Glaesener zeigt anhand des fiktiven Falls die Gesellschaft in der Weimarer Republik. Zehn Jahre nach Ende des Großen Krieges waren die Veränderungen deutlich zu spüren. Die Frauen ließen sich nicht mehr in ihre frühere Rolle zurückdrängen, was sich auch in der neu entstandenen Abteilung der Weiblichen Kriminalpolizei ausdrückt. Die Kommissarinnen sollten sich allerdings vorwiegend um die Kinder kümmern. Im Fall der ermordeten Prostituierten ist der Sohn des Tatverdächtigen auffällig, sodass Paulas Kolleginnen eingreifen. Die Zustände in Pflegefamilien und Kinderheimen malen dabei eine düstere Erinnerung. Paulas resolute Chefin lässt sich aber nicht so einfach in die zweite Reihe drängen. Der Leser ist also immer hautnah am Geschehen, zumal auch Paula immer mehr Einblick bekommt. Auch die dominierenden Männer lassen die heutigen Frauen etwas sprachlos zurück, aber zeigen die damalige Auffassung der Rollenverteilung. Man kann sich leicht in die Figuren einfühlen und fiebert gerade bei Sympathieträgern mit, dass alles gut ausgehen möge. Die Handlung nimmt von Kapitel zu Kapitel mehr Fahrt auf, bis das Ende mit einer Überraschung aufwarten kann.

Helga Glaesener beginnt mit diesem Band die Reihe um Paula Haydorn. Die Entstehung der WKP (Weiblichen Kriminalpolizei) in Hamburg wird dargestellt und wie sich die Damen in einer Männerwelt ihren Platz erobern. Sie mischt dabei historisch belegte Charaktere mit fiktiven. Die Kulisse rund um St. Pauli, düsteren Friedhöfen, den schillernden Varietés und verrauchten Bars macht die Zeit der 20-er Jahre wieder lebendig. Alles trägt dazu bei, dass der Täter möglichst lange im Verdeckten bleibt und immer neue Verdächtige unter die Lupe genommen werden können.

Die aus Niedersachsen stammende Autorin hat sowohl im historischen Genre als auch auf dem Krimisektor spannende Literatur vorgelegt. Die Zeit der Weimarer Republik gelingt ihr ebenfalls, mit Ungereimtheiten zu füllen. Zusätzlich legt sie Charaktere an, von denen man gerne mehr lesen würde. Einmal begonnen, ist der Krimi daher viel zu schnell gelesen. Bei dem Beginn einer Serie spoilert ja bereits die Ankündigung, dass Paula noch in weitere Fälle involviert ist. Durch die bildhafte Beschreibung der Zeit kombiniert mit einem glaubhaften fiktiven Kriminalfall, erhält der Krimi eine unbedingte Leseempfehlung. Ich freue mich jetzt schon auf ein Wiederlesen mit Paula, die mich ein bisschen an einen gewissen Ermittler in Berlin erinnert.

Leseprobe

Helga Glaesener - Autorin
© privat

Helga Glaesener wurde in Niedersachsen geboren und studierte in Hannover Mathematik. 1990 begann die Mutter von fünf Kindern mit dem Schreiben historischer Romane, von denen gleich das Debüt, «Die Safranhändlerin», zum Bestseller avancierte. Seitdem hat sie zahlreiche weitere erfolgreiche Romane geschrieben, darunter auch diverse Krimis sowie zuletzt «Das Erbe der Päpstin». Heute lebt Helga Glaesener in Oldenburg. (Quelle: Rowohlt Verlag)


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  • Herausgeber: ‎Rowohlt Taschenbuch
  • erschienen am 17. August 2021
  • Taschenbuch: ‎368 Seiten
  • ISBN-13: ‎978-3499004889

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

2 Gedanken zu “Hamburgs erste Kommissarinnen

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