Frauenkrimifestival Rendsburg 2021 - Titelbild

Drei mörderische Tage

2. FrauenKrimiFestival in Rendsburg

Rendsburg. Lange haben wir darauf gewartet, dass wir wieder live bei Lesungen dabei sein dürfen. Auch in Rendsburg wusste man lange Zeit nicht, wie ein vernünftiges Hygienekonzept umgesetzt werden könne, damit das FrauenKrimiFestival zum zweiten Mal stattfindet. Stadtbücherei, VHS und Anette Schwohl planten neun Monate und letztes Wochenende war es dann so weit: Der Innenhof des Hohen Arsenals wurde zum Tatort.

Freitag, 9. Juli 2021 – Der Auftakt

Die Abendveranstaltung war der Auftakt zum 2. FrauenKrimiFestival in Rendsburg. Das Zelt im Innenhof des Hohen Arsenals war aufgebaut, alles war vorbereitet; wir waren gespannt, wie sich die erste Live-Lesung unter den Bedingungen von Covid-19 gestalten würde. Selbst Petrus muss die Bemühungen beobachtet haben und weinte vor Rührung. Kurzerhand wurde der Bürgersaal des Kulturzentrums hergerichtet, der den 75 Besuchern ausreichend Platz bot. Angekündigt wurde nun die British Ladys Crime Classics und musikalische Untermalung von Christian Gayed und seiner Ehefrau Anne. Insider kannten die Zusammensetzung bereits aus dem Lese-Café.

Nach der Begrüßung durch Susanne Mau (Stadt Rendsburg) und Klaus Fechner (Stadtbücherei) erzählte Organisatorin Anette Schwohl, dass sie mit ihrer Idee zum Festival in Rendsburg „offene Türen eingerannt“ habe. Freiwillige Helfer, Sponsoren und vor allem die Vortragenden waren sofort bei der Sache. Das Engagement war überall spürbar. Nach diesen Worten wurden wir mit den Klängen der Miss Marple Krimis direkt richtig eingestimmt. Auf dem Cello und Kontrabass wurde kaum der erste Ton angeschlagen, sah man überall die Füße mitwippen. Dazu passte auch der von Anette Schwohl gelesene Ausschnitt aus dem Krimi „Und dann gabs keines mehr“ von Agatha Christie.

Nach dem Criminal Tango las Christian Gayed zwei Kapitel aus „Der Tote in der Badewanne“ von Dorothy L. Sayers. Wir bekamen einen Eindruck, wie sich das Lese-Café anhört, das neun Mal pro Jahr in der Rendsburger Stadtbücherei Literarisches, Kaffee, Tee und selbst gebackenen Kuchen anbietet. Bei der spannendsten Stelle spannte uns der Vorleser allerdings auf die Folter und es ging in die Pause. Entsprechend vorfreudig ging es danach weiter. Kennt ihr die Melodie vom Rosaroten Pather? Nicht wahr … da schnippen die Finger ganz von allein mit. Den Abschluss las dann wieder Anette Schwohl, diesmal ging es um die Detektivin Cordelia Grey, die in den Krimis von P.D. James eine Rolle spielt. Die Mischung gefiel so gut, dass sogar eine Zugabe verlangt wurde. Was man sonst nur von Konzerten kennt, wurde ebenfalls mit dem Klassiker Der Fall der enttäuschten Hausfrau von Agatha Christie erfüllt. Alles in allem war es ein gelungener Auftakt zu einem kriminell-guten Wochenende.

Samstag, 10. Juli 2021 – Das Highlight

Der Samstag war mit gleich drei Veranstaltungen gefüllt. Das Wetter wurde immer schöner und endlich kam auch das aufgebaute Zelt zum Einsatz. 55 Besucher fanden den Weg zur Mittagsstunde. Bei den Wegweisern auf dem Gehwegen war es auch nicht schwer zu finden. Die erste Lesung bestritten Heike Denzau und Eva Almstädt mit Lesungen aus ihren aktuellen Romanen. Es ging zunächst nach Föhr und anschließend an die Ostsee. Beide Lesungen machten neugierig, wie die Handlung wohl weitergeht. Almstädt klagte uns obendrein ihr Leid, dass sie nach 16 Fällen dringend weitere Vorschläge für ihre Ostseetitel benötige. Falls euch also etwas einfällt, teilt die Ideen auf jeden Fall mit. Auch wenn es doppelten Einsatz der Autorinnen gab, wiederholte sich keiner ihrer Vorträge.

Zelt bietet 75 Sitzplätze
Zelt bietet 75 Sitzplätze

Den Nachmittag gestalteten Ella Danz und Svea Jensen. Danz las einige Seiten über einen Fall für Kommissar Angermüller, der als Oberfranke nun in Lübeck lebt. Selbstredend wurde auch ein leckeres Rezept erwähnt, das ein Magenknurren hervorrief. Die Zeit verging nämlich wie im Flug und es war schon weit nach der üblichen Mittagszeit. Von den Gedanken an Essen lenkte Svea Jensen aber gleich ab und versetzte die Besucher nach St. Peter-Ording. Der Cold Case deckt Fehler in den Ermittlungen von damals auf. Passend dazu waren einige Möwen zu hören. Möglicherweise vermitteln die aber Tag für Tag nordisches Flair.

Zur besten Prime-Time begann die Ladies Crime Night der Mörderischen Schwestern mit Eva Almstädt, Heike Denzau, Ella Danz, Svea Jensen, Regina Schleheck, Anette Schwohl, Jutta Wilbertz und Fenna Williams. Die Vereinigung besteht bereits seit 25 Jahren und hat derzeit eine Mitgliederstärke von 640 Autorinnen, Buchhändlerinnen und buchaffinen Menschen. Blickte man nun nach vorne, überwogen die Farben Rot und Schwarz. Das Thema blieb weiterhin kriminell. Das Konzept der Ladies Crime Night sieht vor, dass jeweils nach sieben Minuten Lesezeit ein Schuss zu hören ist. Danach wechseln die Autorinnen.

Tatortzeichnungen auf den Wegen führen direkt zum Ort des Geschehens.
Tatortzeichnungen auf den Wegen führen direkt zum Ort des Geschehens.

Regina Schleheck eröffnete den Lesemarathon aus der Anthologie „Hamburger morden anders“. Als nächstes las Anette Schwohl aus der von ihr herausgegebenen Anthologie „Hunde die bellen beißen nicht“. Sie ließ ihre Figuren der Yorkshiredame Mausi hinterherjagen, damit sie eine artgerechte Haltung bekommen sollte. Das Buch unterstützt nämlich mit jedem Kauf den Tierschutz.

Nach zwei Lesungen unterhielt Jutta Wilbertz musikalisch mit der Ukulele. Die Melodien waren bekannt, die Texte nicht. Wer ihr Buch „Oups tot“ kennt, ahnt schon, dass das vermeintliche Opfer auch Stärke zeigen kann. Anschließend las Heike Denzau ebenfalls ihren Krimi aus „Hunde die bellen beißen nicht“. Hier summten allerdings die Bienen. Sie verriet außerdem noch eine Kleinigkeit über den achten Fall für Lyn Harms. Anschließend lauschten wir einer weiteren Szene aus „Nordwestzorn“ von Svea Jensen, dem zweiten Fall der SoKo SPO. Der Schuss kam dabei sogar auf die Sekunde genau am literarischen Höhepunkt. Die Pause nutzten die Besucher nicht nur zum Aufatmen, sondern auch zum Schnack – natürlich über das Gehörte – und dem Genuss eines Leichenschmauses, oder Kopfschusses. Die VHS war in der Namensgebung der Cocktails recht kreativ. Nachdem Jutta Wilbertz mit einem schnellen Takt Lotte zum Laufen animierte, war Ella Danz mit einer Episode aus „Rosentraum“ zu hören. Der fünfte Fall für Angermüller wusste zu begeistern.

Fenna Auerbach – moment, heißt es sonst nicht Williams? – stellte uns aus „Viele Erben verderben das Sterben“ einen Dialog vor und wer den Roman halbwegs kannte, wusste, dass dies eine Schlüsselszene war. Der Venedigkrimi hat es in sich, was Familiengeheimnisse und Verstrickungen angeht. Mit dem Lied zur guten Nacht, in dem es zumindest für die Besungenen keinesfalls zur erholsamen Nachtruhe geht, ging es weiter. Nun hörten wir Eva Almstädt und ihre Beschreibung zur Geburt eines Kalbs. Heinz Broders musste da kräftig zupacken, bevor endlich auch mal Leben entstand und nicht nur beendet wurde.

Erneut stand Jutta Wilbertz am Mikrophon. Allerdings las sie diesmal aus „Oups tot“. Sie schilderte glaubhaft, dass sie nun echt kein neidischer Mensch sei, aber manche Dinge sind einfach unfair. Unfair fand ich auch die Uhr, die sich viel zu schnell bewegte und danach nur noch ein Absacker kam: Die acht Mörderischen Schwestern sangen gemeinsam ein Lied.

Sonntag, 11. Juli 2021 – Gemordet wird immer

Blick auf die Stadtbücherei Rendsburg durchs Tor des Arsenals
Blick auf die Stadtbücherei

Der Sonntag Vormittag war wie der Frühschoppen für Krimileser. Man traf sich gleich nach dem Frühstück wieder im Zelt. Die Gesichter waren bekannt, schließlich hatte man ja die Dauerkarte für alle Lesungen dabei. Drei Autorinnen sorgten für eine Mordsstimmung. Als erste las Fenna Williams aus „Hunde die bellen beißen nicht“ über einen allzu gierigen Mann, der in Kanada seiner Ehefrau das Leben erschwerte. Was genau vorfiel und welche Rolle eine Waschbärenfamilie dabei spielte, erfuhren wir in einem Gespräch mit einem Psychiater. Hinterher war jedenfalls alles nicht nur sauber, sondern rein.

Auch Regina Schleheck begeisterte mit einer Geschichte, die auf den ersten Klang vermutlich aus dem Mittelalter stammte, aber dann doch gruselige Zustände in der Gegenwart beschrieb. Subtil lenkte sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer auf einen Skandal, den ein allzu besorgter Bürger aufdeckte. Was der fiktive Erzähler gegen die Hexen und ihre humane Hinrichtung im Jahr 1599 hatte, ist in „Diebe, Mörder, Galgenstricke“ nachzulesen. Die Kurzgeschichte „Peinlich“ war dieses Jahr für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert gewesen. Vorgelesen entstand direkt eine Gänsehaut.

Die folgende Pause nutzten die Besucher, um sich mit Kaffee und Kuchen am Stand der VHS zu versorgen und über das Gehörte zu plaudern. Außerdem wurden Signierwünsche von den Autorinnen erfüllt. Der Büchertisch wurde auch in diesem Jahr abwechselnd von der Coburg’schen Buchhandlung und der Buchhandlung Goeser bestückt. Bei Inhaber Patrick Goeser sind die Krimis der Mörderischen Schwestern übrigens auch noch nach dem Festival verfügbar.

Den Abschluss bildete auch an diesem Tag Jutta Wilbertz, die ein Königreich für eine Wachtel gegeben hätte. Aus Ermangelung eines Wachtelkönigs müssen halt Stachelbeersträuße herhalten. Charakteristisch für ihre Krimis taucht man erstmal in eine ganz alltägliche Szene, die sich plötzlich für einen Beteiligten zum Schlechteren wendet. In jedem Fall wird etwas vertuscht. Allerdings hat man auch volles Verständnis für den Täter. Das sagt bestimmt auch viel über den Zuhörer aus, aber vielleicht ist dieses Gen auch die Voraussetzung, drei Tage an einem FrauenKrimiFestival teilzunehmen.


Das 2. FrauenKrimiFestival in Rendsburg war eine absolut gelungene Veranstaltung. Das Programm war abwechslungsreich rund um Kriminalgeschichten. Jede Autorin trug mit ihrer Handschrift etwas dazu bei, sodass jeder Besucher etwas für sich fand. Großes Lob bekommen auch die vielen Unterstützer, ohne die ein solches Festival gar nicht möglich wäre. Man konnte das Engagement bei jedem einzelnen spüren. 2023 bin ich auf alle Fälle wieder dabei.

Ein paar Impressionen von 2019 seht ihr im Artikel Mörderisches Rendsburg.

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