Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe - Cover

Licht und Schatten im Leben von Dora Maar

Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe von Bettina Storks

Dora Maar war eine bemerkenswerte Frau. Die erfolgreiche Fotografin galt als hochintelligent, sinnlich und gleichzeitig geheimnisvoll. Henriette Theodora Markovitch lernte 1936 den Maler Pablo Picasso kennen und beide waren sofort fasziniert voneinander. Dora wurde zu seiner Muse und Geliebten. Durch sie erhält er neue Inspiration, während sie die Fotografie aufgibt. Stattdessen greift auch sie wieder zum Pinsel, wie sie es im Studium bereits tat. Dora Maar ahnte, dass diese Beziehung zu diesem selbstzufriedenen Mann schmerzhaft für sie enden würde. Ihre eigene Mutter riet ihr, sich von ihm zu trennen. Erst als Julie 1943 stirbt läutet das das Ende für Dora und Picasso ein. Zurückgezogen lebt Dora für den Rest ihres noch über 30 Jahre dauernden Lebens in Ménerbes; dem Haus, das ihr Picasso am Ende schenkte.

Im Podcast verrät Bettina Storks, wie sie sich dem Thema angenommen hat. Aus einer Idee, die bereits wieder verworfen war, entstand diese mitreißende Geschichte.

Podcast

Bettina Storks widmet sich in dieser Romanbiografie einer starken Persönlichkeit. Dora Maar wird zwar oft nur als Muse von Pablo Picasso wahrgenommen, kann aber auch selbst auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Als Fotografin konnte sie sich in Paris behaupten und hatte mit ihrem Kollegen Pierre Kéber ein eigenes Fotostudio, in dem sie nachweislich die Ideengeberin war. Während ihrer Liaison mit Picasso entstanden zahlreiche berühmte Gemälde, unter anderem „Die weinende Frau“. Es zeigt Doras Gesicht, aber in seiner gemalten Figur zeigte sich Picassos eigenes Weinen. Je mehr Kapitel man gelesen hat, desto nachvollziehbar sind diese Gedanken und Schlussfolgerungen. Auch die Entstehung des Gemäldes „Guernica“ auf 27 Quadratmetern verfolgen wir mit. Der Visionär hält damit die Gräueltaten des spanischen Bürgerkriegs fest. Dora dokumentiert die künstlerische Arbeit der 46 Studien bis zur Fertigstellung fotografisch.

„Zwei Skorpione, die sich lieber zerstören als zurückziehen.“

Je länger die Beziehung zwischen den beiden starken Persönlichkeiten dauert, desto mehr Zweifel kommen Dora. Sie weiß, dass der 25 Jahre ältere Mann sie betrügt und muss irgendwann den Kampf aufgeben. Als Fotografin wusste Maar, dass erst die Schatten ein Bild lebendig werden lassen. Der Charakter kommt dem Leser sehr nahe während eines Telefonats mit der mexikanischen Künstlerin Frida Kahló. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft und ihre Situation lässt sie zu Leidensgenossinnen werden. Dora beschließt, das Genie zu begleiten, solange es ihr erlaubt ist. Derartige Sätze bringen die Ambivalenz dieser Beziehung auf den Punkt. Dora Maar ordnete sich dem eitlen Charakter nicht unter, sondern behauptete sich sogar noch ihm gegenüber.

Dora Maars Haus in Ménerbes, Frankreich

Es gibt hunderte von Berichten und Biografien des großen Malers. Es gibt auch viel Nachzulesen über Dora Maar. Storks verbindet beides und lässt ihre Leser die emotional aufwühlende Leidenschaft miterleben, die zwischen den beiden Liebenden entstand, anhielt und wieder erlosch. Beide sind komplexe Figuren, die stets durch eine Entourage begleitet wurden. Erst nach der Trennung zog sich Maar nach Ménerbes zurück und ließ zunächst nicht einmal Gäste im Haus zu. Langsam verarbeitet sie eine Depression, die durch die aufwühlende und angespannte Zeit zwischen 1936 und 1943 entstanden ist. Ihre Haushälterin Artemis ist nahezu ihr einziger Kontakt. Dora stirbt 1997 in ihrer Wohnung in Paris. Die Biografie erzählt eine Lebensgeschichte mit vielen Hochs und Tiefs und lässt die Künstlerin hinter dem Namen lebendig werden. Gefühlvoll nähert sich die Autorin dem sensiblen Thema und lässt einen gut ausgeleuchteten Blick auf den Menschen als Tochter, Künstlerin und Geliebte vor der Kulisse der sich zuspitzenden politischen Lage der Welt zu.

Leseprobe

Bettina Storks - Autorin, Porträt
© Alexandra Stehle

Bettina Storks, geboren 1960 bei Stuttgart, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war viele Jahre als Redakteurin tätig, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Sie lebt und arbeitet am Bodensee. In ihren Romanen vereint sie ihre Begeisterung für faszinierende Frauenfiguren, ihren Anspruch an gründliche historische Recherche und ihre Liebe zu Frankreich. Bei einer Reise in den Lubéron besuchte sie in Ménerbes das Haus Dora Maars und fing an, sich mit deren Leben und Werk zu beschäftigen. Was sie entdeckte, war sehr viel mehr als Picassos „weinende Frau“ – sondern eine facettenreiche Künstlerin, emanzipiert, vielbegehrt und anerkannt in ihrem künstlerischen Vermächtnis. (Quelle: Aufbau Verlag)


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  • Herausgeber: ‎Aufbau Taschenbuch
  • erschienen am 21. Juni 2021
  • Taschenbuch: ‎451 Seiten
  • ISBN-13: ‎978-3746637976

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Aufbau Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.


Guernica - Gemälde von Picasso
Guernica

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