Das Leben irgendwo dazwischen - Cover

Träume, Veränderungen und Chancen

Das Leben irgendwo dazwischen von Eva Pantleon

Dido ist zwar Mitte 30, hat sich aber in den letzten acht Jahren weder beruflich noch beziehungsmäßig weiterentwickelt. Grund dafür ist Lukas. Der attraktive Fotograf brach ihr damals das Herz. Da er der Bruder ihres damaligen Arbeitgebers war, wechselte sie kurzerhand den Job und hält sich nun mit kleineren Schreibaufträgen über Wasser. Gerade hat sie die Herausforderung angenommen, Elisabeth Matthissen zu interviewen. Leider lebt die Autorin zurückgezogen und sprach bisher noch nie mit Journalisten. Als sie ihrem väterlichen Freund Hans von diesen Schwierigkeiten erzählt, reicht er ihr einen Gedichtband, der sie einen Schritt näher zur Autorin bringt. Kurzerhand fliegt sie nach St. Petersburg und löst damit eine wahre Lawine an Veränderungen aus.

Im Debütroman von Eva Pantleon sind mehr tiefsinnige Themen untergebracht, als das fröhliche Cover vermuten lässt. Verglichen mit der Heimat Hamburg, könnte man Didos Leben mit der Großbaustelle der Elbphilharmonie vergleichen. Zunächst hat sie seit vielen Jahren Liebeskummer. Mit Lukas plante sie bereits ein gemeinsames Leben, als plötzlich zwei Ereignisse zur Trennung führten. Sämtliche Träume und Erwartungen an ein gemeinsames Leben mit Lukas zerplatzen offenbar in einer Minute. Eine Annäherung ist von Didos Seite ausgeschlossen. Dabei merkt man beim Lesen, dass sie diese Beziehung nicht loslassen kann. Der Roman behandelt das Thema mit allen Facetten von der Wahl des Partners über Erwartungen und den Veränderungen im Alter. Es geht um Chancen und Fehltritte und immer wieder um die zweite Chance. Dabei stehen nicht nur Dido und Lukas im Vordergrund, sondern auch Hans und Elisabeth haben ihre Geschichten. Die Handlung wird weiterhin mit interessanten Nebenfiguren bestückt.

„Man muss zurückblicken, um nach vorne sehen zu können.“

Der Roman beinhaltet so viele Aspekte, dass ich das Angebot zum Interview vom Rowohlt Verlag gerne annahm. Mit Eva Pantleon sprach ich über Wünsche und Bedürfnisse, dem kommunikativen Miteinander, Verzeihen und zweite Chancen. Einen Teil des Gesprächs könnt ihr im Podcast hören:

Podcast

Der Roman beschäftigt sich aber auch mit Historie. Man sieht es ihm nicht auf den ersten Blick an, welche bewegenden Themen die Figuren geprägt haben. Didos Recherche zum geplanten Interview offenbaren, welche Erlebnisse dermaßen prägnant waren, sodass eine ganze Generation seine Lebensträume ändern musste. Unterstrichen werden sie durch Zitate der großen Weltliteratur. Es geht weiterhin um Stolpersteine und Deportation in der Stadtgeschichte von Hamburg. Dido entdeckt in Elisabeths Lebenslauf einen Bezug zu Russland und erzählt dabei ein Stück Zeitgeschichte. Die Figuren erhalten Tiefe und tragen durch ihr Verhalten zur wechselnden Erzählgeschwindigkeit bei. Wenn einmal ein Gedanke beschlossen ist, hält die Figur nichts mehr auf.

Das Leben ist nicht nur Schwarz und Weiß und lässt sich vor allem auch nicht planen. Anhand der Lebensgeschichten der fünf Figuren tritt dieser Aspekt deutlich hervor. Die Historie nimmt Einfluss auf die Entwicklung der folgenden Generationen. Es muss dabei nicht immer ein Weltkrieg sein, der massive Veränderungen hervorruft. Die Traumata der vorherigen Generationen können auch durch Enttäuschungen und Verlust hervorgerufen sein und werden in der Erziehung weitergegeben. Offensichtlich ist auch, dass sich einige Missverständnisse durch ein Gespräch früher beseitigten ließen. Der Appell zum Miteinanderreden klingt unterschwellig immer durch. Für die schwerwiegenden Themen wählt Pantleon humorvolle Dialoge und macht sie leichter verdaulich, ohne die Ernsthaftigkeit zu verschleiern. Die Mischung ist dazu passend gewählt und äußerst unterhaltsam.

Die Geschichte um Dido und Lukas hat Eva Pantleon außergewöhnlich beschrieben. Es ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern vielmehr berücksichtigt sie die Einflüsse aus allen Bereichen des Umfelds. Die Zeit heilt offensichtlich nicht alle Wunden, wie man so schön sagt. Manche Wunden werden bloß durch einen mehr oder weniger schützenden Schorf überdeckt. Der Roman regt zum Philosophieren an und verbindet in lockerer Art die Historie bis zurück zum Zweiten Weltkrieg.

Leseprobe

Eva Pantleon - Autorin

© Wilhelm Dreyer



Eva Pantleon lebt und schreibt in Reinbek bei Hamburg. Nach einem Studium der Germanistik volontierte sie bei einem Hamburg-Magazin und arbeitete danach als Redakteurin. Heute ist sie als freie Journalistin tätig. Dies ist ihr Debütroman. (Quelle: Rowohlt Verlag)


#Anzeige#

  • Verlag: Rowohlt Polaris
  • Erscheinungstermin: 18.05.2021
  • Paperback: 464 Seiten
  • ISBN: 978-3-499-00390-5

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.