Der englische Löwe - Mac P. Lorne

Richards letzten zehn Jahre

Der englische Löwe von Mac P. Lorne

Er war König, Kreuzritter und Eroberer. Seit mehr als 800 Jahren erzählt man sich seine Geschichten. Sein Streit mit dem jüngeren Bruder findet sich sogar in Abenteuergeschichten wieder. Richard I. war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Sein Beiname Löwenherz trug er wohl auch zurecht. Im 12. Jahrhundert gehörten zum Königreich England weite Teile des heutigen Frankreichs, die Richards Mutter Eleonore von Aquitanien einbrachte. Allein, um die weiten Grenzen des Reiches zu verteidigen, wurde viel gereist. Richard wurde vor allem durch seine Schlachten bekannt, aus denen er meistens als Sieger hervorging. Auf seinem Kreuzzug eroberte er Akkon von Sultan Saladin. Auf die Einnahme Jerusalems verzichtete er und ritt stattdessen in die Heimat. In den Filmen endet die Lebensgeschichte an diesem Punkt. Von seiner Gefangenschaft durch König Leopold von Österreich und der Zahlung der unglaublichen Summe an Lösegeld wird meist nichts mehr erwähnt. Die Sagen um Robin Hood setzen erst wieder bei der Rückkehr des Königs nach England ein. Bis zu seinem Tod in Frankreich bleiben von da an noch fünf Jahre. Diese Jahre werden in diesem historischen Roman ausführlich ausgearbeitet bis den draufgängerischen Helden vor der Burg Châlus der tödliche Pfeil trifft. Am 6. April 1199 stirbt Richard I. mit nur 41 Jahren.

Mac P. Lorne zeigt auch in seinem zehnten Roman, dass ihn die englische Geschichte des Mittelalters fasziniert. Mit der Geschiche Richard I. gibt es einige erzählenswerte Dinge, allerdings auch nur eine Zeitspanne von zehn Jahren. Fünf davon verbrachte der König auf seinem Kreuzzug. Der Autor bezeichnete seinen Protagonisten in einem Interview als „Kind seiner Zeit“. Außer des Kreuzzuges sind seine Kämpfe gegen Philipp von Frankreich und seinen Bruder John in Erinnerung geblieben und bieten Stoff für Abenteuerromane. Um Richard Löwenherz ranken nicht nur Heldensagen, sondern auch Gerüchte. Mac P. Lorne stellt Richard in seinem Roman aber eben nicht nur als großen Feldherrn dar, sondern auch als Mann, der seiner Frau gefallen möchte. Dabei muss er gleichzeitig den Erwartungen seines Umfeldes entsprechen. Nach dem Gemetzel in Akkon erlitt Berengaria von Navarra eine Fehlgeburt und wendet sich von ihrem Mann ab. Wohl auch, weil Richard niemals für längere Zeit sesshaft wird. Seine Beweggründe finden in diesem Roman eine plausible Erklärung. Über weitere Ereignisse und vor allem seine letzte Schlacht erzählt der Roman und gibt ein umfassendes Bild des legendären Königs, das der historischen Figur Leben einhaucht und somit die Persönlichkeit näher bringt. Die Charakterisierung folgte einer eingehenden Recherche.

Star des Mittelalters

Wenn die Ereignisse schon sehr weit zurück liegen, ist es oft schwer, den Helden zu beschreiben. Man muss sich auf überlieferte Berichte von Zeitzeugen verlassen, von denen nur wenige in der Lage waren, ihre Gedanken aufzuzeichnen. Kritiker waren meist auch nicht im engen Kreis der Vertrauten zu finden, sondern eher diejenigen, die hinterher Schlachten und deren Motive schöngezeichnet haben. Von daher erscheint Richard Löwenherz selbst nach über 800 Jahren als strahlender Held, obwohl seine Kriege und die Lösegeldforderung des Kaisers ein Vermögen verschlang. In der Tat hat er sein Leben zum größten Teil auf dem Rücken seines Pferdes und mit gezogenem Schwert verbracht. Die Grenzen seines Landes waren weitreichend. Das Angevinische Reich nahm rund ein Drittel von Frankreich ein. Viel Phantasie benötigt man nicht, um sich den ewigen Streit mit Philipp II. von Frankreich vorzustellen. Auch sein eigener Bruder gönnte ihm die Krone nicht und intrigierte, sobald sich Gelegenheit dazu bot. Als wäre das nicht genug, wendet sich die eigene Gattin ab und ist nicht mehr zugänglich, bevor das Paar einen Erben der Krone zeugen konnten. Schon früher scheint das Leben die besten Geschichten geschrieben zu haben. Richard I. ging fast immer als Sieger hervor und verdiente sich so seinen Status als Legende. Der Roman über die letzten Jahre seines kurzen Lebens war also längst überfällig. Mac P. Lorne hat der Romanbiografie zudem so viel Handlung einfließen lassen, dass sie sich wie ein Abenteuerroman liest.

„Der englische Löwe“ schildert die letzten Jahre von Richard Löwenherz. Der Sohn von Eleonore von Aquitanien und Henry II. hatte sowohl im Heiligen Land, in Europa und sogar in der Heimat Schlachten zu schlagen. Seine Siege machten ihn zur Legende. Der unerschrockene Mann starb früh aus Unachtsamkeit. Vermutlich benannte er mit seinen letzten Worten seinen Nachfolger auf dem Thron.

Leseprobe

Mac P. Lorne - Portrait
Droemer Knaur Verlag
Der englische Löwe
© Hintermann GmbH, Waldkrichen

Mac P. Lorne wurde 1957 in der ehemaligen DDR geboren. Seinen ersten Roman schrieb er bereits mit 18 Jahren. Er interessierte sich von Jugend an für Geschichte und Literatur, studierte aber aus politischen Gründen dann doch lieber Veterinärmedizin und später Pferdezucht und -sport. Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik. Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas. Im Knaur TB erschien im Juli 2016 DER PIRAT, sein großer Roman um Sir Francis Drake. Ihm folgten DER HERR DER BOGENSCHÜTZEN sowie die fünfbändige LÖWEN-Reihe um Robin Hood, DER HERZOG VON AQUITANIEN und DER ENGLISCHE LÖWE. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)


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  • Herausgeber: Knaur TB
  • erschienen am 1. Dezember 2020
  • Broschiert: 608 Seiten
  • ISBN-13: 978-3426522769

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Droemer Knaur Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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