Verlorene Engel - Cover

Nachts auf den Straßen Dresdens

Verlorene Engel von Frank Goldammer

Dresden, 1956. Unter einer Brücke an der Elbe wird eine Frauenleiche gefunden. Kommissar Max Heller scheint gar nicht zuständig zu sein, sondern eher die Kollegen von der Sitte. Für Frauen ist es nämlich auf den Straßen Dresdens gefährlich geworden. Zwei russische Soldaten stehen im Verdacht, Frauen zu vergewaltigen. Doch diese Frau wurde eindeutig ermordet. Die Spur führt Heller zu mehreren Verdächtigen. Je länger die Ermittlungen dauern, desto häufiger gibt es Hinweise auf neue Verbrechen. Eine engagierte Kollegin bietet sich als Lockvogel an und bringt dabei nicht nur sich in Gefahr.

Verlorene Engel ist bereits der sechste Fall für Kommissar Max Heller. Frank Goldammer lässt seinen Protagonisten erneut in der Sowjetisch besetzten Zone agieren. Elf Jahre nach Kriegsende sind immer noch Soldaten gegenwärtig, die die DDR-Bürger kontrollieren. Diese fühlen sich verständlicherweise bevormundet. Die politische Situation spitzt sich ebenfalls immer weiter zu. Es ist bekannt, dass die Staatssicherheit ihre Informanten bereits in der Bevölkerung untergebracht hat. Jedes Wort könnte eine Inhaftierung bedeuten. Die Spaltung der Gesellschaft zwischen denen, die davon überzeugt sind und denen, die sich nun nicht trauen, Widerstand zu leisten, ist zu spüren. Hellers Sohn Klaus ist ein sogenannter Linientreuer. Mit ihm muss sich der Kommissar immer wieder arrangieren. Die Gratwanderung zwischen familiärer Zugehörigkeit und Kritik an der Gesinnung ist schwierig. Die gesellschaftliche Situation ist damit allerdings auf den Punkt gebracht und durch die Figuren nachfühlbar.

Authentisches Bild des Wiederaufbaus

Familiär haben die Hellers noch weitere Probleme. Ihre Adoptivtochter Anni findet heraus, dass sie nicht ihre leiblichen Eltern sind. Auch hier wird die zwischenmenschliche Psychologie so weit wie nötig, aber nicht zu vertiefend eingeflochten. Im Vordergrund steht immer noch der beruflich unter Druck geratene Kommissar, der sich mit den Problemen der Nachkriegszeit auseinandersetzen muss. Das Handeln der Figuren ist stets nachvollziehbar und so facettenreich, dass der Ausgang der Geschichte nicht vorhersehbar ist. Natürlich bedeutet das auch Wendungen und Spannung im Verlauf, sodass man das Buch schon bald nur noch ungern aus der Hand legt. Wie schon aus den fünf Vorgängern gewohnt, ist die Stimmung dabei leicht düster.

Der fiktive historische Kriminalfall um das Team von Max Heller passt sich perfekt in die Historie der ehemaligen DDR ein. Die Ermittlungsarbeit scheint dabei realistisch und lässt sogar noch Platz für kritische Überlegungen am Regime. Auch der Erzählstil ist vorantreibend. Das Tempo wirkt sich leider auf die Lesegeschwindigkeit aus. 380 Seiten sind damit viel zu schnell gelesen. Das ist aber auch das einzige Manko. Der Kommissar wird im September seinen siebten und letzten Fall bearbeiten. Da die Ereignisse stark auf den Mauerbau zusteuern, bleibt es auch in dieser Hinsicht spannend.

Leseprobe

Weitere Besprechungen zur Serie findet ihr bei Manuela auf Lesenswertes aus dem Bücherhaus.

Das Buch war Teil der Veranstaltung zum Welttag des Buches 2021. Geplant war ein Interview mit Frank Goldammer, das aus Krankheitsgründen verschoben wurde. Zur Einstimmung auf das Buch haben wir stattdessen ein paar Fotos zusammengeschnitten.


Frank Goldammer - Autor
© dtv/Dieter Brumshagen

Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Handwerksmeister und kam, neben seinem Beruf, schon früh zum Schreiben. Bei dtv veröffentlicht er seine erfolgreiche Krimireihe, die im Dresden zur Zeit des geteilten Deutschlands spielt. Mit seinen Büchern landet er regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Der Autor lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt. (Quelle: dtv)


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Das Rezensionsexemplar wurde mir von der dtv Verlagsgesellschaft zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Reihenfolge

  1. Der Angstmann
  2. Tausend Teufel
  3. Vergessene Seelen
  4. Roter Rabe
  5. Juni 53
  6. Verlorene Engel
  7. Feind des Volkes

2 Gedanken zu “Nachts auf den Straßen Dresdens

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