Wilde Jahre - Titelbild

Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben

Wilde Jahre von Astrid Ruppert

Paula ist es in ihrem Heimatdorf zu eng. Ihre Eltern Charlotte und Fritz wünschen sich, dass sie etwas Handfestes lernt und dann einen Bauern mit Hof heiratet. Als sie die Handelsschule in Marburg besucht, schwänzt sie immer häufiger den Unterricht, um in der Stadt Plattenläden aufzusuchen. Es gelingt ihr, heimlich Gesangsunterricht zu nehmen und als Sängerin in einer Band aufzutreten. Als sie dabei den Engländer Henry kennenlernt, folgt sie ihm in seine Heimat. Es folgt ein Sommer, in dem das junge Paar seine Freiheit genießt. Doch bald stellt sich heraus, dass beide unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben. Schwanger und ohne Perspektive kehrt Paula nach Deutschland zurück.

Astrid Ruppert nimmt in diesem zweiten Band um die Winter-Frauen die Familiengeschichte wieder auf. Der Fokus liegt dieses Mal auf Paula, der Enkeltochter von Lisette aus „Leuchtende Tage“. Sie beschreibt damit die 70-er Jahre. Die Jugend liebte die Beatles und wollte ihre Freiheit. Die Haare wurden länger, die Röcke dagegen kürzer. Gegen die Konventionen der Eltern lehnte man sich im Allgemeinen auf. Die lebenslustige Paula ist definitiv ein Kind ihrer Zeit. Sie will die Welt verändern und lebt unangepasst in diversen Unterkünften. Mit ihr wird die turbulente Zeit des Rock’n-Roll in bunten Schlaghosen lebendig. Die Playlist zum Buch erleichtert das Einfühlen zusätzlich. Allerdings wird auch aufgezeigt, wie diese Generation erwachsen wird und andere Werte für ihren Lebensstil als wichtig empfinden.

Die Autorin beschreibt ebenfalls zum zweiten Mal das Verhältnis zwischen Müttern und Töchter. Paula zeigt die wilden 70-er Jahre und Maya forscht im Jahr 2006, wie das Leben ihrer Mutter wohl ausgesehen hat. Die Jahre in England verschweigt Paula nämlich vehement. Das macht nicht nur Maya neugierig, was in der Zeit passierte. Als Paula ahnt, dass Maya dicht an der Entdeckung des Geheimnisses ist, reist sie ebenfalls zurück in ihre beste Zeit. Im Küstenort Whitstable nähern sich die beiden Frauen an. Paulas Verhalten wird nachvollziehbar und schafft Empathie für beide Seiten. Wie bereits im ersten Band werden auch hier wieder die Hauptfiguren detailliert ausgearbeitet, sodass sie mit ihren Eigenarten in der jeweiligen Umgebung wie aus dem Leben gegriffen scheinen. Zudem gibt es einen Überblick über die Entwicklung unserer Gesellschaft, weil jede Generation ihren Lebensstil verteidigt und die bestehenden Konventionen hinterfragt.

Wilde Jahre setzt zum zweiten Mal die Frauen der Familie Winter in Szene. Nachdem Lisette sich durch die schwere Kriegszeit mit zwei kleinen Kindern brachte, hatte Paula andere Hürden bis zu einem selbstbestimmten Leben zu überwinden. Gerade in den 70-er Jahren wurde der Wandel der Zeit spürbar, sodass die Beweggründe der Frauen durch Paula verkörpert werden. Der Abschluss, der Charlottes Geheimnis preisgibt, erscheint im Oktober 2021. Die Trilogie liest man dann am besten in einem Rutsch.

Leseprobe

© Peter Porst



Astrid Ruppert studierte Literaturwissenschaft und arbeitete mehrere Jahre als Fernsehredakteurin, bevor sie zu schreiben anfing. Astrid Ruppert, selbst Tochter, Mutter und Großmutter, geht in ihrer mitreißenden Trilogie der Frage nach, welches Band die Frauen einer Familie eigentlich zusammenhält. Wie man sich davon loslösen kann und wie man selbst diese Beziehungen sein Leben lang prägt. (Quelle: dtv)


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Reihenfolge

  1. Leuchtende Tage
  2. Wilde Jahre
  3. Ein Ort, der sich Zuhause nennt

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