Mit dem Mut des Herzens - Cover

Eine Norwegerin in Deutschland

Mit dem Mut des Herzens von Sofie Berg

Hamburg, 1945. Ingrid und Georg Reimers mussten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das norwegische Trondheim verlassen. Der Hass auf die ehemaligen Besatzer war so deutlich spürbar, dass Ingrid ihrem Ehemann in dessen Heimat Hamburg folgte. Die gemeinsame Tochter Eva verbindet die beiden, schafft es jedoch nicht, dass auch Georgs Familie Ingrid als neues Familienmitglied aufnimmt. Nach dem Bombenhagel haben die Eltern mit Georgs Schwester Erika in Rahlstedt eine kleine Bleibe gefunden. Sie können unmöglich noch drei Personen mehr aufnehmen. Die Not ist groß und als Ausländerin spürt Ingrid die Ablehnung bald überall. Die Flucht vor den eigenen Landsleuten hat ihr keine Erleichterung gebracht. Zwischen Lebensmittelkarten und immer niedrigeren Temperaturen muss die junge Frau eine Entscheidung treffen.

Sofie Berg wurde zu dieser Trilogie vom Leben ihrer Großmutter inspiriert. Nach der deutschen Besatzungszeit in Norwegen entschloss sie sich, dem Vater ihres Kindes in seine Heimat zu folgen. In der Heimat wurde sie abgelehnt, weil sie sich mit dem Feind eingelassen hatte und in Deutschland musste sie ums Überleben kämpfen, weil der Bedarf des Lebens nicht gedeckt war. Die Lebensmittelzuteilungen deckten kaum den größten Hunger ab. Kleidung und andere Notwendigkeiten tauschte man auf dem Schwarzmarkt. Für die einheimische Bevölkerung war diese Organisation schon schwer genug, aber mit rudimentären Deutschkenntnissen war Ingrid auf die Unterstützung der anderen angewiesen. Auch die Beziehung zu Georg wird zur Zerreißprobe. Zwar werden Handwerker überall gesucht, aber für den Tischler ist es dennoch schwer, eine dauerhafte Arbeit zu finden. Die Autorin lässt in ihrem Roman keine Belastung aus, um ihren Charakteren die grausige Notlage durchleben zu lassen. Der Winter 1946 war einer der kältesten seit der Temperaturaufzeichnung. Dennoch ist die Zusammenstellung der Hindernisse authentisch und gleicht den Erzählungen meiner Großeltern.

Die Autorin mit den norwegischen Wurzeln erzählt die Familiengeschichte der Reimers vor der Kulisse der beginnenden Nachkriegszeit. Der Winter 1946 setzt der Bevölkerung mit seiner Kälte zu. Die Menschen mussten sich etwas einfallen lassen, um ab und zu eine warme Stube zu haben. Die Lebensmittelkarten reichten kaum zum Leben. Der Schwarzmarkt bot lukrative Chancen für diejenigen, die seinem Verbot trotzten. Mit Wochenendausflügen wurden die Hamsterfahrten getarnt, auf denen man auf den Feldern nach Kartoffeln oder Rüben grub. An Georgs Beispiel wird bildhaft beschrieben, wie sich der Handel in den militarisierten Zonen abgespielt hat. Seiner Schwester Erika wird ebenfalls genügend Raum gelassen, um die junge Generation zu Wort kommen zu lassen. Auch sie muss sich im Handlungsverlauf für oder gegen ihre Heimat entscheiden. Emotional folgt man allerdings primär Ingrid, die sich in ihrer neuen Welt erst zurechtfinden muss. Sie hält Kontakt zu ihrer Mutter in Trondheim und lässt die Leser so miterleben, wie es in Europa nach dem Krieg ausgesehen haben muss.

Sofie Berg vermittelt im zweiten Band um Ingrid Bakken das Leben einer Norwegerin, die sich aus Liebe zu ihrem Mann auf das Abenteuer Auswandern einlässt und welche Schwierigkeiten einhergehen. Als Deutschenliebchen bei den eigenen Landsleuten geächtet, wird sie auch in Deutschland als Ausländerin gemieden. Um ihre Motivation und gleichzeitige Verzweiflung zu verstehen, sollten die Romane in der richtigen Reihenfolge gelesen werden. Ingrids Wille, in der neuen Heimat Fuß zu fassen, ist trotz unzähliger Hürden ungebrochen und verhilft so zu einem positiven Leseerlebnis. Ihre Geschichte fordert allerdings noch einen letzten Teil der Trilogie.

Leseprobe

Sofie Berg - Autorin
© privat

Die Autorin Sofie Berg wurde in Hamburg geboren. Besuche beim norwegischen Teil der Familie weckten bereits früh ihre Liebe für das skandinavische Land. Nach dem Studium der Soziologie, Politik und Skandinavistik in Hamburg und Bergen (Norwegen) ging sie verschiedenen Tätigkeiten nach, unter anderem als Museumsguide in Norwegen und Stadtführerin in Hamburg. Mit dem Schreiben von »Schicksalstage am Fjord« hat sie sich einen langgehegten Traum erfüllt, der ihre familiäre Verbundenheit mit Norwegen und ihre Begeisterung für Familiengeschichte(n) miteinander verknüpft. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet Sofie Berg als freiberufliche Gedenkstättenpädagogin. Sie lebt mit Ehemann und Sohn in ihrer Geburtsstadt. (Quelle: Gmeiner Verlag)


  • Herausgeber: Gmeiner-Verlag
  • erschienen am 9. September 2020
  • Taschenbuch: 412 Seiten
  • ISBN-13: 978-3839227367

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