Schwestern fürs Leben - Cover

Leben zwischen den Weltkriegen

Schwestern fürs Leben von Sybille Schrödter

Flensburg, 1919. Ole und Ida Danneberg haben fünf Kinder. Nachdem der einzige Sohn und Nachfolger der Rumdestillerie im Großen Krieg gefallen ist, steht der Patriarch vor dem Problem, wer sein Lebenswerk fortführen soll. Als die älteste seiner vier Töchter an der Spanischen Grippe stirbt, bleiben nur noch Lene, Lizzie und Jette. Lene wünscht sich nichts mehr, als zwischen den alten Fässern die Spirituosen zu verschneiden. Als Frau hat sie 1919 leider nicht das Recht dazu und muss sich dem Wunsch des Vaters beugen, Herrmann zu heiraten und mit ihm gemeinsam die Dynastie fortzuführen. Herrmann liebt allerdings Lizzie, die sich nun von ihrer Schwester verraten fühlt. Sie nimmt die Chance wahr, in Berlin Medizin zu studieren. Wenig später folgt ihr ihre kleine Schwester Jette, die allerdings mehr der Schauspielerei zugetan ist. Sie lernt den charismatischen Georg kennen und ahnt nicht, dass ihr diese Verbindung nicht guttut.

Sybille Schrödter legt in diesem ersten Band der Trilogie eine komplexe Handlung mit zunächst unübersichtlicher Anzahl an Figuren an. Der abgebildete Stammbaum hilft enorm beim Zuordnen der Namen und Beziehungen. Nicht nur die Familie agiert, sondern zusätzlich Nachbarn und Angestellte. Die Familie Danneberg hat mit sechs Personen schon eine Menge Meinungen und Wünsche zu bieten. Dazu kommt aber noch das Gut Runohr, das zur Verwandtschaft von Ida Danneberg gehört. Cousine Freya ist im Alter der Schwestern und bildet zusammen mit Lizzie und Lene ein Kleeblatt. Sie haben schon früh das Ideal eines selbstbestimmten Lebens und fühlen sich auch im Laufe der Jahre an diesen Schwur gebunden. Mit diesem Familienzweig kann außerdem die politische Situation zwischen Dänemark und Deutschland abgebildet werden, sodass auch hier wieder viele Dialoge und Meinungen auseinandergehalten werden müssen. Allerdings spiegelt dieser Teil auch eine wichtige, wenn auch wenig kommunizierte Historie. Die Volksabstimmung von 1920 schlug Wellen, brachte jedoch eine bis heute gültige Landesgrenze hervor.

Die Autorin hat anhand der großen Familie Danneberg die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen abgebildet. Zwanzig Jahre erlebten die Menschen persönliche, finanzielle und politische Katastrophen. Von daher ist die Anzahl der Figuren gerechtfertigt. Durch den Perspektivenwechsel erlebt man die Goldenen Zwanziger mit den gängigen Auffassungen der Bevölkerung. Die jeweiligen Partner bringen dabei weitere Hürden ein. Die wirtschaftlichen Nöte prägen dabei die Meinungen und geben gleichzeitig eine Erklärung, wie es zum Zweiten Weltkrieg kommen konnte. Je weiter die Zeit voranschreitet, desto mehr ahnt der Leser, wie beklemmend es für die Menschen gewesen sein muss. Man leidet mit den Figuren und kann sie sich in der jeweiligen Umgebung gut vorstellen.

Sybille Schrödter beschreibt am Beispiel der Familie Danneberg die Entwicklung in Deutschland zwischen 1919 und 1939. Jedes Familienmitglied hat einen eigenen Standpunkt und verdeutlicht ebenso seine Schwächen im System. Berücksichtigt wurden das gesellschaftliche Umdenken nach der Kriegszeit und der Verlust dieser Stärke durch ein neugebildetes Regime. Die komplexe Handlung ist der Auftakt einer Trilogie. Die belegte Geschichte der Zeit sorgt dabei für Drama und Spannung.

Leseprobe

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© christina kloodt fotografie

Sybille Schrödter verbrachte Kindheit und Jugend in Flensburg, verteidigte nach dem Studium in Hamburg schwere Jungs und Atomkraftgegner und tingelte als Kabarettistin und Sängerin mit ihren Soloprogrammen wie „ Beim dritten Mann wird alles anders“ über deutsche Kleinkunstbühnen, bevor sie Autorin wurde. Nach einer ganzen Reihe von neuseeländischen und australischen Sagas (unter Pseudonym), historischen Romanen wie „Die Lebküchnerin“ und Krimis, verwirklichte sie nun ihr persönliches Herzensprojekt mit der norddeutschen Familiengeschichte „Schwestern fürs Leben“. Sie lebt abwechselnd in ihrer Wahlheimat Hamburg und auf dem Land. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)


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  • Herausgeber: Droemer TB
  • erschienen am 1. Oktober 2020
  • Broschiert: 496 Seiten
  • ISBN-13: 978-3426308165

3 Gedanken zu “Leben zwischen den Weltkriegen

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