Das kleine Friesencafé - Cover

Föhr als Glücksort

Das kleine Friesencafé von Janne Mommsen

Als Oma Anita ihrer Enkelin Julia das Notizbuch ihrer Mutter überreicht, beschließt sie, nach Föhr zu fahren. Dort will sie für acht Wochen den Spuren ihrer zu früh verstorbenen Mutter folgen. Aus jeder Skizze plant sie ein Gemälde anzufertigen und damit die Farben der Insel darzustellen. Die junge Frau malt den Strand, die Marsch und bald schon Portraits der Inselbewohner. Nach wenigen Tagen findet sie einen geeigneten Platz zum Wohnen in der ausgebauten Scheune von Kapitän Hark Paulsen. Der passionierte Kapitän muss sich gerade daran gewöhnen, in den Ruhestand zu treten und sucht eigentlich nur seine Ruhe. Da Julia im Atelier ihre Leidenschaften fürs Malen und Backen vereint, kommen aber immer mehr Leute vorbei, die gewünschte Stille stören. Allerdings ist eine davon auch Oma Anita, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Während sich die beiden wie im siebten Himmel fühlen, kämpft Julia mit den Bilanzen ihres Blumenladens in Gelsenkirchen und der Klage wegen Steuerhinterziehung auf Föhr. Der nette Bürgermeister von Oldsum kann ihr da wohl kaum helfen.

Janne Mommsen beginnt mit dem kleinen Friesencafé eine weitere Serie, die die Leser auf die Nordseeinsel Föhr führt. Seine Protagonistin hat mehrere Leidenschaften. Zum einen arbeitet sie erfolgreich mit ihrer Großmutter im familieneigenen Blumengeschäft. In ihrer Freizeit malt sie mehr als passabel und backt leckere Kuchen. Wenn sie den Teig rührt und anschließend die Küche duftet, ist das für Julia wie eine Meditation. Mit dieser Vorstellung um diesen Genuss überträgt sich das Wohlgefühl auch beim Lesen. Zudem ist es in der Geschichte gerade Hochsommer und mit den schriftlichen Bildern vermeint man, die salzige Luft einzuatmen und die Wellen ans Ufer rollen zu hören. Friesisches Flair vermitteln die eingefügten Dialoge, die auf der Insel vermutlich als ausschweifendes Gespräch angesehen werden. Trotz der regionalen Färbung, ist alles auch für Südländer verständlich. Die Beschreibungen der Umgebung fördern den Drang, selbst auf die Insel zu fahren.

Snupkroom zum Lesen

Der nur auf den ersten Blick locker-fluffige Roman entfaltet beim Lesen seine weitreichende Thematik. Kuchen und Hochsommer wirken zwar wie eine wunderbare Kulisse, aber Themen wie Insolvenz, Abwägen eines Neuanfangs, die Suche nach dem eigenen Ich und der Schritt in die Pensionierung wiegen schwer. Mommsens Figuren haben schon einiges im Leben erlebt und tragen ihr Päckchen. Sie müssen abwägen, wohin sie der nächste Lebensabschnitt führen soll. Allerdings haben sie auch den nötigen Humor, der sie diese Situationen ertragen lässt. Sie machen das Beste aus den Begebenheiten und vermitteln somit das richtige Gefühl für Hoffnung, die dieser Sommerroman benötigt. Ihre Handlungen werden beim näheren Kennenlernen verständlich und lassen sie mit ihren Ecken und Kanten lebendig werden. Buchhändler Bubu hat ein reales Vorbild, aber auch Hark und Postbotin Nina wirkten auf mich, als hätte ich sie schon einmal auf der Nordseeinsel getroffen.

Janne Mommsen beginnt mit Das kleine Friesencafé eine weitere Trilogie mit dem Schauplatz Föhr. Humorvolle Situationen wechseln sich mit dem Ernst des Lebens ab und lassen die Inselbewohner lebendig erscheinen. Die Handlung lässt trotz der Ereignisse ein Wohlgefühl aufkommen. Eine Zeitung bezeichnete den Autor als den „romantischsten Mann des Nordens“. Treffender hätte man es nicht formulieren können. Nordisches Flair kombiniert mit ein paar Schmetterlingen im Bauch macht den Sommerroman zum Lesetipp. Für Februar 2022 ist die Fortsetzung mit Julia und Hark angekündigt.

Leseprobe

Janne Mommsen Autor Porträt
© Manfred Witt



Janne Mommsen hat in seinem früheren Leben als Krankenpfleger, Werftarbeiter und Traumschiffpianist gearbeitet. Inzwischen schreibt er überwiegend Romane und Theaterstücke. Mommsen hat in Nordfriesland gewohnt und kehrt immer wieder dorthin zurück, um sich der Urkraft der Gezeiten auszusetzen. (Quelle: Rowohlt Verlag)


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  • Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch
  • erschienen am 16. Februar 2021
  • Broschiert: 272 Seiten
  • ISBN-13: 978-3499003950

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

4 Gedanken zu “Föhr als Glücksort

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