Winter der Hoffnung - Cover

Klirrende Kälte vor den wunderbaren Jahren

Winter der Hoffnung von Peter Prange

Der Winter 1946 zählt zu den kältesten des 20. Jahrhunderts. In Altena, einer Kleinstadt im Sauerland, sind die Auswirkungen des Krieges noch zu spüren. Die Menschen müssen eine wahrhaft schwierige Situation meistern, um zu überleben. Der nach dem Zweiten Weltkrieg britischen Besatzungszone mangelt es an Nahrung und vor allem Heizmitteln. Immer öfter kehren Soldaten aus der Gefangenschaft heim. Körperlich und psychisch ausgezehrt versuchen sie sich wieder in die Familien einzufinden. Die Siegermächte kontrollieren die Unternehmen, die nun mit ihren Maschinen die Reparationsleistungen übernehmen. Die Familie Wolf mit ihren drei Töchtern steht in diesem Roman stellvertretend für ein ganzes Volk.

Peter Prange hatte nach eigenen Angaben nur eine kurze Weihnachtsgeschichte geplant. Sein Roman um die Geschichte der D-Mark sollte eine Vorgeschichte bekommen. Im Buchjournal ist ein ausführliches Interview zu lesen. Unsere wunderbaren Jahre erzählt von Ulla, Ruth und Gundel, die 1949 zuversichtlich in die Zukunft schauen. Aber wie sind die Paare zusammengekommen? Die Geschichten von Tommy, Benno und Bernd werden dargestellt und mit welchen Problemen sie sich in jungen Jahren konfrontiert sahen. Dabei bekommt jeder eigene Züge und wird lebendig. Der Erzählstil Pranges ist gewohnt umfangreich und seine Worte illustrieren die Szenen. Wie nebenbei wird ein Stück Deutsche Geschichte erzählt, wie sie von vielen aus der Zeit erlebt wurde. Es wird für die knappen Lebensmittelrationen angestanden und aus der Not das Mobiliar in den Ofen geschoben.

Emotionale Aufbruchstimmung

Winter der Hoffnung ist eine Erzählung, die zur dunklen Jahreszeit passt. Die klirrende Kälte von 1946 benötigt man zwar nicht, um Empathie für die Figuren aufzubauen, aber eben auch keinen Hochsommer. Wer den seit vier Jahren im Buchhandel verfügbaren Vorgänger kennt, wird natürlich auch nicht mehr von den Ereignissen überrascht. Die Vorgeschichte zum seitenstarken Roman Unsere wunderbaren Jahre lässt sich daher optimal als Einstieg lesen. Die Liebesgeschichten drängen sich diesmal mehr in den Vordergrund, wie wir es von den anderen Romanen kennen, was bei einer Wintergeschichte aber nicht verwerflich ist. Die Lücke zwischen Kriegsende und Gründung der BRD wird gefüllt. Lesenswert ist sowohl die positive Stimmung, als auch das Aufatmen, das zwischen den Zeilen spürbar wird. Die Hoffnung, die diese Generation hatte, ist die Grundlage für das folgende Wirtschaftswunder. Nach dem Lesen bekommt man eine Ahnung, welche Leistungen sie in Altena und im übrigen Land vollbracht haben.

Leseprobe

Foto: Gaby Gerster

Peter Prange ist als Autor international erfolgreich. Seine Werke haben eine Gesamtauflage von über drei Millionen erreicht und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Zuletzt stand sein großer Roman in zwei Bänden, über die Zeit der Naziherrschaft, ›Eine Familie in Deutschland‹, auf den Bestsellerlisten. Mehrere Bücher, etwa sein Bestseller ›Das Bernstein-Amulett‹, wurden verfilmt. Im Frühjahr begeisterte der TV-Mehrteiler nach seinem Erfolgsroman ›Unsere wunderbaren Jahre‹ das Publikum. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen. (Quelle: Fischer Verlag)


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  • Herausgeber: FISCHER Scherz
  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • ISBN-13: 978-3651000919
  • erschienen am 23. September 2020

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