Hope Street - Cover

Zwischen Punk und Premier League

Hope Street von Campino

Campino begleitet mich mit seiner Musik seit meiner Jugend. Regelmäßig retten mich die Roten Rosen vor dem Überschuss an fluffigen Engelsgesängen in der Weihnachtszeit. Da ich ansonsten sehr viel mehr lese als Musik höre, war diese Biografie eine Pflichtlektüre. Beim Piper Verlag hatte man ein Einsehen und schickte mir ein signiertes Exemplar. Trotz der Jubelstimmung hat das meine Meinung nicht beeinflusst.

Campino als Fußballfan
Campino in Anfield

Die Ansicht von Andreas Frege auf sein eigenes Leben beginnt mit einer Szene in der Britischen Botschaft in Berlin. Dort nahm er im letzten Jahr die englische Staatsbürgerschaft an. Für den passionierten Inselfan war das die Erfüllung seiner Wünsche. Die Frage, wieso man das in der heutigen Zeit anstrebe, wo man doch seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat, beantwortet sich im weiteren Lesen. Die andere Hälfte erzählt von den Spielen des Liverpool FC. Die Mannschaft mit dem roten Trikot wurde gerade in der letzten Saison Meister. Seit 2015 wird sie von Jürgen Klopp trainiert, der nun Campino als engen Freund bezeichnen darf. Das Emblem des Fußballclubs und das Buchcover zieren übrigens ein zum Verwechseln ähnliches Logo. Dass der Frontman der Toten Hosen einer der größten Fans des Rasensports ist, dürfte nicht überraschen. Die Band ist seit langem Ehrenmitglied von Fortuna Düsseldorf und das Schlusslied eines jeden Konzerts ist die Hymne der Reds: You’ll never walk alone.

Als Brite nach Anfield

Campino erzählt in seinem Buch, wie alles zusammenhängt, was ihn ausmacht und wie er zu dem wurde, der er heute ist. Das fünfte Kind in einer achtköpfigen Familie zu sein, fordert bestimmt Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen. Mit einer Engländerin als Mutter verwundert es nicht, dass der heute 58-jährige dermaßen anglophil ist. Bereits mit seiner Musik setzt er dahingehend ein Zeichen, da auch der Punk seinen Ursprung im Vereinten Königreich hat. Eben diese Bewegung macht den Menschen Frege aus. „Einer für alle, alle für einen“, brüllte er uns bereits im Jahr 1996 entgegen und hat das auch gelebt. Die Bandmitglieder kennen sich seit ihrer Jugend und sind durch Höhen und Tiefen der Entwicklungen gegangen. Das Prinzip hat sich bewährt: Es gibt sie immer noch.

Hope Street ist keine klassische Biografie einer Person, die beruflich erfolgreich ist. Es wird von einer Handvoll Verwandtschaft erzählt, den unvergesslichen Sommerferien in Dorset und einigen schulischen Schwierigkeiten und ein kleines bisschen aus dem Privatleben. Der Fokus liegt eindeutig beim Liverpool FC. Man liest sich häufig durch Spielstände und wenn man so rein gar keine Ahnung davon hat, sagen einem die Namen und Torverhältnisse nichts. Dann muss man sich an die leider viel selteneren Ausführungen über den Werdegang einer Musikgruppe halten. Hier gibt es keine Lobhudeleien, sondern es wird ein ganz normales Tourleben mit angenehmen und unschönen Vorfällen präsentiert. Wobei man sich fast nicht vorstellen kann, dass die Hosen ihre Auftritte nach dem Spielplan der Premier League ausrichten. Ihr Sänger hat nämlich den Anspruch, bei den Heimspielen vor Ort zu sein. Auch hier kann beim unbeteiligten Leser die Frage nach der Umweltbelastung auftauchen. Aber ein Punk lässt ja auch den anderen machen, wenn der das braucht.

Insgesamt ist der Einblick in das Leben von Campino nicht nur für Fans lesenswert. Es ist auch ein Highlight, wenn man als Fußballinteressierter des Liverpool FC den Weg zur zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte nachlesen will. Der Autor zeigt sich, wie man sich einem guten Freund ebenfalls zeigen würde. Mit dieser offenen Haltung kann Campino viele Sympathiepunkte sammeln, auch wenn man nicht immer seiner Meinung ist. Er teilt seine Ansichten über Medien und Politik ungeschönt mit. Der Spaß und die Leidenschaft für sein Tun ist ihm deutlich anzumerken. Noch persönlicher wird es, wenn man das vom Autor selbst eingelesene Hörbuch hört. Die Lesereise hätte ebenfalls ein paar Lieder der neuen CD Learning English Lesson 3: MERSEY BEAT! The Sound Of Liverpool beinhaltet. Dank des WDR2 kann man allerdings einem Vortrag von knapp einer Stunde aus dem Varieté Bonn anschauen. Hoffentlich kann sie bald fortgesetzt werden.

Leseprobe

Campino - Autor
© Paul Ripke

Campino, der mit bürgerlichem Namen Andreas Frege heißt, wurde 1962 in Düsseldorf geboren. Er ist der Frontmann der Düsseldorfer Band Die Toten Hosen, zu deren Gründungsmitgliedern er auch gehört. Als Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter wuchs er in Düsseldorf auf, verbrachte aber viel Zeit bei seiner Verwandtschaft in England und ist seit Jahrzehnten glühender Fan des Liverpool FC, deren Spiele er regelmäßig live verfolgt. (Quelle: Piper Verlag)


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  • Herausgeber: Piper
  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3492070508
  • erschienen am 5. Oktober 2020

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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