Die gruseligsten Orte in Hamburg - Titelbild

Die gruseligsten Orte in Hamburg

Schauergeschichten rund um die Hansestadt

Hamburg ist immer einen Besuch wert. Die Stadt an der Elbe verbindet man mit großen Schiffen im Hafen, dem Michel und Alsterschwänen. Schaut man auch in die Ecken, wo es weniger touristisch zugeht, entdeckt man düstere Orte und hört von seltsamen Vorfällen. Die Anthologie Die gruseligsten Orte in Hamburg zeigt gleich zwölf dieser Plätze, die Gänsehaut hervorrufen.

Die Sammlung von Kurzgeschichten beginnt mit einem Vorfall aus einer Zeit, in der Hamburg noch keine Stadt war. Im 9. Jahrhundert ließ Kaiser Karl der Große die Hammaburg errichten, die zum Ursprung  der Stadt zählt. Aus dem Jahr 845 erfährt man in der ersten Geschichte vom Untergang dieser Schutzburg. Die folgenden Geschichten decken weitere längst vergessene Ereignisse an heute noch bekannten Orten auf. So erklärt sich nun der Name einer U-Bahn-Station und wieso es die Teufelsbrück bei Flottbek gibt. Der Brand in der Deichstraße flammt nochmals auf und auch der Henker des Piraten Störtebekers kommt zu Wort. Die meisten der zwölf Geschichten sind historisch. Aber einige kann man auch heute noch erleben, was den Schauerfaktor nicht mindert.

Am Freitag, 9. Oktober 2020, fand im Speicherstadtmuseum Hamburg eine Benefiz-Lesung statt, wo fünf der Kurzgeschichten vorgelesen wurden. Die Veranstaltung fand in zwei Räumen statt: Gewohnt im Ausstellungsraum des Museums mit 43 Plätzen und weiteren 30 in der Werkstatt. Der Erlös kam dem Erhalt des Museums zugute. Es wird sorgfältig auf die Einhaltung des Abstands und der Hygienevorschriften geachtet, sodass man auch in der derzeitigen Situation die Kultur genießen kann.

Sechs Autoren im Speicherstadt Museum

Zu Beginn führte uns Anja Marschall literarisch auf einen Speicher für Kaffee. Dort wurde 1896 der Leichnam eines Mannes entdeckt. Die Geschichte vorgetragen zu bekommen und zu wissen, dass man nur drei Stockwerke unterm Schauplatz sitzt, trägt übrigens enorm zur Gänsehaut bei. Wir wurden also perfekt auf die damalige Zeit eingestimmt. Es folgte Carola Christiansen, die von einer blutigen Tat in Altona berichtete. Dieses Ereignis beruht auf Tatsachen, war also True Crime aus dem Jahre 1906. Thomas Rücker meuchelte in einem Zugabteil aus bis heute ungeklärten Gründen den Zahnarzt Dr. Claußen. Hergang bis zur Verhaftung wurde plausibel erklärt. Die dritte Geschichte vor der Pause trugen Kirsten Püttjer und Volker Bleeck vor. Sie verbinden Gegenwart und Vergangenheit im Eiskeller auf Sankt Pauli. Es geht um einen skrupellosen Fleischfabrikanten in der Zeit nach Ende des Ersten Weltkriegs. Die verdorbenen Fleischabfälle wurden seinerzeit übrigens mit „von größtem Nährwert und delikatem Geschmack“ angepriesen.

Nach der Pause ging es dann unter der Elbe entlang. 1911 wurde der alte Elbtunnel eröffnet; die Geschichte schildert allerdings die rücksichtslosen Anweisungen der Verantwortlichen beim Bau. Jürgen Ehlers versicherte, dass seine Ausführungen rein fiktiv seien und es ganz sicher niemals derartige Entscheidungen gegeben habe. Er verriet außerdem, dass sein Beitrag zum Elbtunnel seine ursprüngliche Kurzgeschichte ersetzte. Persönlich finde er das Haus am Bullenhuser Damm den gruseligsten Ort der Hansestadt. Die heutige Gedenkstätte ruft vermutlich ähnliche Beklemmungen hervor, wie sie Marthe in Regula Venske in Marthe Underground verarbeitet hat. Sie lässt eine junge Frau in einem Schutzbunker mutterseelenallein zurück, ohne die Gewissheit, dass sie jemals wieder befreit wird. Die Autorin wies ebenfalls darauf hin, dass diese Handlung allein ihrer Phantasie entsprungen ist und kein Verleger der Welt jemals solche Anweisungen gäbe.

Außergewöhnliches Sightseeing

Die gruseligsten Orte in Hamburg - Rundgang
Mein Sonntagsspaziergang

Die fünf Texte der Anthologie wurden wunderbar vorgetragen und machten auf die restlichen sieben neugierig. Hamburg wird von seiner schaurigen Seite vorgestellt und wer davon noch nicht genug hat, kann zu jeder Geschichte den Handlungsort aufsuchen. Eine Karte ist übrigens verfügbar, damit man seine Route quer durch die Stadt planen kann. Je nach Ausdauer sollte man sich zwischen einem Wochenende bis zu einer Woche Zeit lassen. Bei manchen Zielen gibt es schließlich noch mehr zu entdecken, wie die Fahrt mit der HVV-Fähre im Anschluss an den Gang durch den Elbtunnel. Das Buch bietet nicht nur Touristen eine ungewöhnliche Stadtführung, sondern auch für echte Hamburger noch viel Neues. Hinterher betrachtet man die gewohnten Stellen mit einem leicht schaurigen Gefühl.

Leseprobe

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  • Taschenbuch : 288 Seiten
  • Herausgeber : Gmeiner-Verlag
  • ISBN-13 : 978-3839227039
  • erschienen am 12. August 2020

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Gmeiner Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

2 Gedanken zu “Die gruseligsten Orte in Hamburg

  1. Anke schreibt:

    Interessant, so eine schaurige Stadtwanderung. Und eine großartige Initiative, Tourismus und Literatur zu verbinden. Ob ich selbst den Mut dazu hätte, daran teilzunehmen? Wahrscheinlich hätte ich Angst vor Albträumen. Aber es gibt ja viele Hartgesottene! 😉

    Gefällt 2 Personen

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