Tudor Verwandtschaft I - Buchcover

Das Leben am Hof der Tudors

Tudor-Serie von Elizabeth Fremantle

Die Tudors regierten England mit sechs Monarchen zwischen 1485 bis 1603. Der erste Tudor-König Heinrich VII. führte seinen Thronanspruch als Sohn von Margaret Beaufort zurück. Er besiegte in der Schlacht von Bosworth 1485 den Lancaster-König Richard III. Er heiratete Elizabeth von York und begründete so die Tudor-Dynastie, deren schillerndster König Heinrich VIII. war. Seine beiden Töchter schrieben ebenfalls Geschichte. Eine trug den Beinamen „die Blutige“, die andere war „die Jungfräuliche“. Seine Nichte behielt man wegen der neun Tage Regierungszeit in Erinnerung. Schon daran kann man erkennen, dass das Leben am Königshof auch für die Verwandten von Heinrich und Co. nicht immer leicht war. Als Berater stand man praktisch immer mit einem Bein auf dem Schafott.

In diesem Beitrag geht es um die Schwestern der Neun-Tage-Königin Jane Grey und der letzten Ehefrau von Heinrich VIII., Katherine Parr. Die britische Autorin Elizabeth Fremantle hat mit Das Spiel der Königin und Im Schatten der Königin zwei Romanbiografien geschrieben, die uns rund 500 Jahre später immer noch ein konkretes Bild von den damaligen Geschehnissen geben.

Das Spiel der Königin

Heinrichs sechste Ehefrau

Die 31-jährige Frau ist verliebt. Sie soll bald heiraten und Königin werden. Beides ist die Wahrheit und doch kommen die beiden Aussagen nicht in Einklang. Kathrine Parr, verwitwete Lady Latimer, heiratet am 12. Juli 1543 den berüchtigten Tudorkönig Henry VIII. Als seine sechste Ehefrau tritt sie ein schweres Erbe an, zumal zwei ihrer Vorgängerinnen wegen Ehebruch bereits enthauptet wurden. Ihr Herz gehört dennoch Thomas Seymour, dem Schwager des Königs und Bruder von seiner dritten Ehefrau Jane. Die außergewöhnliche Frau gab Prinzessin Elizabeth ein Zuhause, war klug und eine Verfechterin des neuen Glaubens. Sie selbst hat ein Buch geschrieben, in dem sie sich für die Lehren Calvins ausspricht. Das alles machte sie für den König attraktiv, was in der damaligen Zeit ebenfalls lebensbedrohlich war.

Elizabeth Fremantle schildert aus Sicht von Kathrine Parr das Leben am Königshof im 16. Jahrhundert. Liebe, Betrug, Intrigen und Leidenschaft stellen nicht nur die Freuden, sondern vor allem auch die Gefahren dar. Die durch zwei vorhergehende Ehen gutsituierte Lady Latimer fiel dem König durch ihr zurückhaltendes Wesen auf. Traf er die Entscheidung, konnte sie sie nicht mehr zurückweisen. Henry VIII. war bereits gesundheitlich angeschlagen, als er sie um diese Ehe bat. Statt einer Mutter für einen Sohn und Thronfolger suchte er vielmehr eine Partnerin, die ebenfalls die schönen Künste liebte und außerdem der reformierten Glaubensrichtung anhing. Seinen Nebenbuhler Thomas Seymour sandte er in die Niederlande, damit der Hochzeit nichts im Wege stand. Die Autorin schreibt aber auch von der Wankelmütigkeit des Königs, die Kathrine in Gefahr brachte. Man erhält einen intensiven Einblick in die keineswegs so glückliche Ehe des Herrschers, die auf eine akribische Recherche fußt. Auch das Verhältnis zu ihren Stiefkindern Mary, Elisabeth und Edward bekommt Raum.

Fremantles Schreibstil lässt vergessen, dass es bei diesem historischen Roman um eine Romanbiografie handelt. Sie beginnt beim Werben des Königs und erzählt die relevanten Eckdaten des vorherigen Lebens der sechsten Ehefrau in Rückblicken. Es ist ein Mix aus historisch belegten und wenigen fiktiven Figuren. Man lernt die gebildete und bedacht handelnde Nachfahrin Elizabeth Woodvilles näher kennen. Das nur 35 Jahre andauernde Leben enthielt einige Ereignisse, über die es sich zu schreiben lohnt. Die ausführliche Recherche und Fähigkeit, dem Leser die Persönlichkeit Kathrines nahe zu bringen lässt die Biografie wie einen historischen Roman wirken. Lücken in den Aufzeichnungen wurden mit plausiblen Handlungen gefüllt. 1548 stirbt Kathrine im Kindbett.

„Das Spiel der Königin“ ist der erste von vier Bänden um Personen, die in der Tudorzeit nicht immer im Rampenlicht standen. Es folgen die Romane um die Grey Schwestern, Penelope Devereux und Arabella Stuart. Sie haben alle gemein, dass sich ihr Leben durch die Königsfamilie veränderte. Lesenswert ist die Serie in jedem Fall.

Leseprobe


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  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag
  • erschienen am 19. Mai 2014
  • ISBN-13: 978-3570101773
  • Originaltitel: Queen’s Gambit

Im Schatten der Königin

Die Grey-Schwestern nach Janes Tod

Nach „Das Spiel der Königin“, in dem es um das Leben von Katherine Parr am Hofe Heinrichs VIII. geht, beschreibt Elizabeth Fremantle nun das Leben von Katherine und Mary Grey. Die Schwestern der als Neun-Tage-Königin bekannten Jane Grey waren nicht nur Hofdamen, sondern vor alle auch die Cousinen von Mary I. und Elizabeth I. Was im 16. Jahrhundert normalerweise eine gute Verbindung darstellte, wird für die beiden zur Gefahr.

Seit der Abwendung von der Katholischen Kirche durch Heinrich VIII. sollte das Land protestantisch sein. Doch Mary I. war streng katholisch erzogen und duldete nur den wahren Glauben, was alle Protestanten der Gefahr aussetzte, auf dem Scheiterhaufen oder am Fallbeil ihr Leben zu lassen. Mary Grey war kleinwüchsig mit einer deformierten Wirbelsäule, was sie vermutlich vor den Launen der kinderlosen Königin schützte. Sie nahm eine besondere Stellung unter den Zofen ein. Die Autorin schafft hier eine anschauliche Perspektive, wie der Hofstaat sich fügen musste und seine eigenen Empfindungen zurückstellte. Mary dient der Unterhaltung, obwohl sie durch den Befehl der Königin ihre Schwester und ihren Vater verlor. Auf ihre Gefühle wird weiter nicht geachtet.

Für Katherine Grey wurde zu Janes Lebzeiten noch eine Ehe arrangiert mit dem adeligen Henry Herbert. Als die Greys die Gunst der Königin verloren, zogen sich auch die Herberts zurück. Aus Katherines Sicht lernen die Leser das Leben der Hofdamen kennen, die auf den Moment warten, bis sie verheiratet werden. In ständiger Erwartung auf die Erlaubnis der Monarchin, einen Verehrer heiraten zu dürfen, vertreiben sie sich die Zeit. Katherine gibt bereits vorzeitig dem Werben von Edward Seymour nach und wird schwanger. Die ebenfalls kinderlose Elizabeth I. sieht es als persönliche Beleidigung an, als ihre Cousine schließlich einen Sohn bekommt. Katherine wird im Tower inhaftiert, wo sie noch einen weiteren Sohn bekommt. Elizabeth hatte ihre eigenen Vorstellungen von der Thronfolge, in der sie die Kinder ihrer nächsten Cousine nicht beachtete.

Die Lebensgeschichte der beiden Schwestern wird durch Levina Teerlinc, einer Malerin aus den Niederlanden, verbunden. Sie hat mehrere Miniaturen angefertigt und war offensichtlich sehr nah am Geschehen. Fremantle lässt Katherine und Levina so manches Gespräch führen, durch das die allgemeine Meinung der Bevölkerung wiedergegeben wird. Zwar war Elizabeth I. bei ihrem Volk beliebt, jedoch sorgte man sich auch um ihre Beziehung zu Robert Dudley, der durch den Tod seiner Frau den Makel des Mordverdachts trug, und vor allem um die Thronfolge. Diese Problematik ist zwar allgegenwärtig, drängt sich jedoch niemals übermäßig in den Vordergrund. Vielmehr regt die Handlung zum weiteren Spekulieren an, wie anders die Historie hätte sein können, wenn Jane nicht abgesetzt worden wäre. Katherine war eindeutig eine Schachfigur im Spiel um die Macht. Alles hing von der Gunst der regierenden Königin ab.

Diese Situation wird von der Autorin in einer farbenprächtigen Schilderung wiedergegeben. Schon nach den ersten Seiten versetzt sie ihre Leser an den Tudor-Hof und zeigt nicht nur die schillernde Welt, sondern eben auch das Ranken um die Macht um jeden Preis. Oft nutzt sie die gängigen Ausdrücke in französischer Sprache, wie sie seinerzeit im Adel weit verbreitet war. Durch die spanischen Gesandten kommt eine weitere Sprache hinzu, deren Ausrufe manchmal nicht übersetzt werden. Dieses Vorgehen vermittelt obendrein einen authentischen Umgang der ausnahmslos historisch belegten Personen untereinander. Im Schatten der Königin ist ein ausgefeilter Roman um einen Nebenschauplatz im Goldenen Zeitalter Englands. Er ist gleichzeitig der zweite Teil einer Serie um den Tudor-Hof, die jedoch auch alle für sich allein gelesen werden können. In meinem Regal haben sie sich jedenfalls einen festen Platz gesichert.

Leseprobe


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  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag
  • Erschienen am 9. Mai 2016
  • ISBN-13: 978-3570101780
  • Originaltitel: Sisters of Treason

Elizabeth Fremantle - Autorin
© C. Bertelsmann Verlag



Elizabeth Fremantle hat als Journalistin für Magazine wie Elle, Vogue und Vanity Fair gearbeitet. „Spiel der Königin“ ist ihr erster Roman, der zweite Roman wird in Großbritannien im Frühjahr 2014 erscheinen. Elizabeth Fremantle lebt in London. (Quelle: Randomhouse)

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