Schwimmen als Balsam

Der Club der Schwimmerinnen von Katie May

Deb ist nach über 30 Jahren Ehe plötzlich wieder Single. Ihr Ehemann Derek hat sie unerwartet darüber informiert, dass er noch etwas anderes im Leben machen will und sich von ihr trennt. Ihre drei Kinder sind erwachsen und aus dem Haus und zugegebenermaßen läuft die Ehe schon lange nicht mehr zu ihrer Zufriedenheit. Dennoch kann sie sich nur schlecht mit den vollendeten Tatsachen abfinden. Am Strand von Whitstable entdeckt Deb für sich das Schwimmen im Meer. Es wird zu ihrem täglichen Höhepunkt. Dort trifft sie auf Maisie, die ihren Ehemann vor drei Monaten verlassen hat. Die ehemalige Anwältin wird trotz der Unterschiede schnell zu ihrer besten Freundin. Nach und nach treffen die beiden auf immer mehr Schwimmerinnen, die weit mehr zu sagen haben, als es auf den ersten Blick scheint. Der Club der Schwimmerinnen ist gegründet.

Katie May stellt in ihrem Roman eine ungewöhnliche Gruppe an Frauen zusammen, die sämtliche Charaktereigenschaften abdecken. Zu den beiden gesellen sich noch Ann, Julie und Chloe. Die fünf sind sowohl von ihrem Alter als auch in ihrer Rolle im Leben unterschiedlich. Immer mehr Schwimmerinnen schließen sich ihnen an, sodass es bald ein tägliches Ritual wird. Allerdings hat die Stadt beschlossen, ein Freizeitcenter zu bauen und diesen Strand für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich zu machen. Schnell zeigt sich, dass die Frauen gemeinsam etwas bewegen können. Sie bilden einen Widerstand und wollen ihren Strand behalten. Damit ziehen sie Aufmerksamkeit auf sich, die jede einzelne eher vermieden hätte. Es zeigt sich, wie viel Kraft in jeder einzelnen steckt, die sich auch in ihrem Privatleben einsetzen lässt.

Die britische Autorin, die selber gerne in Whitstable schwimmt, zeichnet ihre Charaktere liebevoll mit Ecken und Kanten, sodass jeder für sich Sympathien weckt. Auch die Umgebung dieses Strandabschnitts wird mit Worten bunt ausgemalt. Der realistisch erscheinenden Gruppe möchte man sich beim Lesen am liebsten anschließen. Es entwickeln sich clevere Dialoge, die oft mit humorvollen Pointen enden. Die Schicksale der Figuren berühren, da man sich in die Ereignisse einfühlen kann. Das Auf und Ab bei Wellengang ist auf den Alltag der Figuren übertragbar. Der Roman zeigt dabei auf, dass es in jedem Alter und jeder Lebenslage auch eine Lösung zur zweiten Chance geben kann. Man muss eben nur selber aktiv werden und manchmal auch ins kalte Wasser springen. Nach dem Schockmoment ist das nämlich auch wunderbar erfrischend.

Katie May beschreibt in Der Club der Schwimmerinnen fünf unterschiedliche Charaktere, die sich durch das gemeinsame Schwimmen zu einer Gemeinschaft formen. Die Frauen gewinnen an Stärke und widersetzen sich sogar den Beschlüssen der Stadt, um ihren Strand zu behalten. Der Schreibstil ist kraftvoll und weckt Empathie. Der Roman ist ein Lesetipp für den Sommer.

Leseprobe



Katie May schreibt Romane und Memoirs und lehrt Kreatives Schreiben an der Canterbury Christ Church University. Zusammen mit ihrem Mann, ihrem Sohn und zwei Katzen lebt sie in Whitstable. Dort findet man sie meist am Strand oder – wie sollte es anders sein – beim Schwimmen im Meer. In ihrer Freizeit liest und kocht sie gern und trinkt Martini, gerührt, nicht geschüttelt. (Quelle: Harper Collins Germany)


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  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: HarperCollins
  • erschienen am 3. Juni 2019
  • ISBN-13: 978-3959672870
  • Originaltitel: The Whitstable High Tide Swimming Club

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom HarperCollins Verlag über Netgalley.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Das Foto im Titelbild stammt von Paul Wilkinson. Ebenfalls vielen Dank für die freie Nutzung über Flickr.

6 Gedanken zu “Schwimmen als Balsam

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