Titelbild Die Zeit der Mohnblueten

Vereint an den Kriegsgräbern

Die Zeit der Mohnblüten von Liz Trenow

England ist in den Großen Krieg eingetreten und mobilisiert seine Soldaten. Kurz bevor Bertie an die Front aufs Festland zieht, heiratet er seine Verlobte Ruby. Die beiden verleben eine gemeinsame Woche. Nach der Schlacht von Passendale wird er jedoch vermisst. Als 1919 ein Reiseveranstalter Touren zu den Schlachtfeldern in Belgien anbietet, überreden sie ihre Schwiegereltern, Berties Grab zu suchen. Viele Angehörige spüren den Verlust ihrer Männer und Söhne, sodass ein wahrer Tourismus zu den letzten Ruhestätten der jungen Soldaten entsteht. Verzweiflung und Hoffnung prägen die Szenen gleichermaßen. Ruby trifft im kleinen Ort Poperinge im Bezirk Ypern auf die patente Amerikanerin Alice und auf die schweigsame Martha mit ihrem Sohn Otto. Die drei charakterlich so verschiedenen Frauen finden in ihrer Trauer etwas Gemeinsames, das sie verbindet.

Der Erste Weltkrieg forderte 17 Millionen Opfer. Die Schlachten im belgischen Flandern zählten zu den bedeutendsten in Bezug auf die Anzahl der Gefallenen. Bei Poperinge verlief die Front. Liz Trenow lässt ihre Figuren dorthin reisen und beschreibt damit den aufkommenden Schlachtfeldtourismus der Zeit. Ihre drei Hauptfiguren kommen aus unterschiedlichen Beweggründen, jedoch mit demselben Ziel: Sie wollen wissen, wo ihr Angehöriger sein Leben gelassen hat. Ruby macht sich widerwillig auf den Weg. Ihr behagt es gar nicht, dass sie zwischen unzähligen Kreuzen den Namen ihres Mannes suchen soll. Ihren Schwiegereltern ist es wichtig, allerdings können sie die Reise nicht selber auf sich nehmen. Alice sucht aus freien Stücken das Grab ihres Bruders. Beide gehören in angesehene Länder. Martha hat ihren ältesten Sohn verloren und sucht verzweifelt nach einem Ort, wo sie trauern kann. Sie ist Deutsche, gibt sich aber als Schweizerin aus. Die Ablehnung gegen die Auslöser der Katastrophe ist in der Bevölkerung deutlich zu spüren. Der Handlung werden zu den fiktiven noch zwei historisch belegte Charaktere hinzugefügt. Alle Seiten werden somit erwähnt und ihre Empfindungen verständlich geschildert. Der leise Erzählstil versetzt den Leser in die passende Stimmung.

Die düstere Umgebung wird ebenfalls fühlbar. Auf den Schlachtfeldern herrscht eine eigentümliche Stille. Organisationen sortieren seit über einem Jahr Fundstücke und identifizieren sie. Das Rote Kreuz ist bemüht, alle Angehörigen über den Verbleib der Soldaten zu informieren. Nicht immer gelingt das. Durch den Roman erhält man eine Ahnung, was in den Menschen vorgegangen sein muss. Bewegend werden die Schicksale mit der Epoche verwoben und lassen sämtliche Figuren glaubhaft agieren. Der historische Roman trägt zur Aufarbeitung der Geschichte bei und vermittelt Verständnis für beide Seiten. Er bekommt eine unbedingte Leseempfehlung.

Leseprobe

Liz Trenow Autorin
© Privat

Liz Trenow wuchs in der Nähe einer Seidenspinnerei auf, die auch heute noch in Betrieb ist und sie zu ihrem ersten Roman »Das Kastanienhaus« inspirierte. Obwohl ihre Vorfahren seit über dreihundert Jahren im Seidengeschäft tätig sind, entschied Liz Trenow sich für einen anderen Beruf. Sie arbeitete viele Jahre als Journalistin für nationale und internationale Zeitungen sowie für den Hörfunk und das Fernsehen, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. (Quelle: Randomhouse)


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  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • erschienen am 17. Februar 2020
  • ISBN-13: 978-3734107207
  • Originaltitel: In Love and War

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