Titelbild Das Blut von London

Englands blutige Vergangenheit

Das Blut von London von Laura Robinson

London, 1781. Im Hafen von Deptford wird ein Leichnam gefunden. Ein paar Tage später erhält der Advokat Captain Henry Corsham Besuch von einer alten Bekannten. Die Schwester seines ehemals guten Freundes bittet ihn um Hilfe, den vermissten Bruder zu finden. Corsham macht sich auf den Weg nach Deptford, um bei den Ermittlungen anwesend zu sein. Schnell wird deutlich, dass die Verantwortlichen nicht dasselbe Interesse an der Klärung des Falls haben wie er selber. Die Spur führt auf die Dark Angel, ein Schiff, das Sklaven zwischen Afrika und den neuen Kolonien transportiert. Je näher er den Drahtziehern kommt, desto lebensgefährlicher werden die Ermittlungen.

Laura Robinson greift in ihrem Debütroman ein unangenehmes Thema auf: Den Sklavenhandel im Britischen Empire. Seit 1771 unternahm die Gesellschaft für die Abschaffung der Sklaverei alles, um die Gefangenen zu befreien. Der Menschenhandel ist mit der Magna Carta nicht vereinbar. Auch das Mordopfer engagierte sich, misshandelte Sklaven vor Gericht zu vertreten. Er deckt dabei einen Betrug auf, der 300 Menschen das Leben gekostet hat. Offenbar scheinen die Mächtigen der Stadt daran kein Interesse zu haben. Deptford war zu der Zeit ein wichtiger Handelshafen. Die Autorin trägt diese Fakten zusammen und bildet damit die Kulisse für den historischen Kriminalroman. Die Ich-Erzählung trägt dazu bei, dass man sich schnell in diese düstere Gegend einfindet. Allerdings muss man auch warten, bis Corsham selbst auf die Lösung kommt.

Das Ende der Sklavenhaltung

Das Thema ist überaus spannend und sollte wie so viele historische Begebenheiten, nicht in Vergessenheit geraten. Umfassend werden die Zusammenhänge beschrieben, wieso zwischen dem Präzedenzfall 1771 bis zum Verbot 1807 so viel Zeit verging. Trotz Verbots vergingen weitere 26 Jahre, bis der letzte Unfreie seine Freiheit bekam. Man erhält aus den verschiedenen Perspektiven eine Ahnung von der Denkweise und dem Selbstverständnis der einflussreichen Bürger. Der Protagonist befragt die verschiedenen Stände, von denen manche aus Angst vor Strafe, andere aus eigenem Interesse die Motive verschleiern. Leider geht das zu Lasten der Spannung, weil man als Leser ebenfalls im Dunkeln tappt und man einiges an Geduld aufbringen muss.

Der historische Roman um den Sklavenhandel im späten 18. Jahrhundert ist detailliert ausgearbeitet. Die Figuren agieren glaubhaft und sind undurchschaubar. Allein diese Schilderungen machen den Roman lesenswert. Der Kriminalfall verträgt temporeichere Aktionen, um eine Empfehlung zu bekommen. Bei der Seitenstärke hätten die Schlussfolgerungen nachvollziehbar hergeleitet werden können.

Leseprobe

Laura Robinson studierte an der Bristol University Politikwissenschaften und politische Philosophie. 15 Jahre arbeitete sie als Politikerin, bevor sie sich entschloss, das Schreiben in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen. »Das Blut von London« ist ihr Romandebüt. (Quelle: Randomhouse)


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  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • erschienen am 8. Juli 2019
  • ISBN-13: 978-3453439375
  • Originaltitel: Blood and Sugar

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