Der Tod der Mrs. Westaway

Ein vermeintliches Erbe

Der Tod der Mrs. Westaway von Ruth Ware

Hal lebt allein in einer in die Jahre heruntergekommenen Wohnung. Sie verdient wenig mit dem Legen von Tarotkarten am Pier von Brighton. Schon lange kann sie ihre Miete nicht mehr zahlen und hat Schulden, die sie nicht zurückzahlen kann. Seit einiger Zeit lauert ihr ein Geldeintreiber auf, der zu allem bereit ist. In dieser verzweifelten Lage erreicht sie der Brief eines Anwalts, der ihr mitgeteilt, dass sie ein Anwesen in Cornwall geerbt habe. Eigentlich muss es sich hier um ein Missverständnis handeln. Nicht nur, um sich für eine kurze Zeit in Sicherheit zu bringen, entschließt sich Hal, zur Testamentseröffnung nach Penzance zu fahren. Dort bekommt sie aber keine Gelegenheit, den Irrtum richtigzustellen. Sie lernt stattdessen die Familie näher kennen und macht eine ungewöhnliche Entdeckung auf einem mehr als zwanzig Jahre alten Foto.

Ruth Ware schreibt Thriller mit dunkler Atmosphäre und lässt dabei tief in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken. Der Tod der Mrs. Westaway bildet keine Ausnahme. Die Protagonistin steht in den Scherben ihrer Welt seit ihre Mutter vor einiger Zeit verstarb. Hal sieht keinen Ausweg aus ihrer Situation. Das vermeintliche Erbe wäre die Lösung für ihre sämtlichen Probleme. Aber die junge Frau ist auch ein ehrlicher Mensch. Sie will die Familie mit ihrer Trauer nicht auch noch um ein Vermögen betrügen. Leider kommt immer etwas dazwischen, sodass sie ihre Ansicht niemandem mitteilen kann und es irgendwann zu spät dafür ist. Allerdings hat sie nun die drei Brüder so gut kennengelernt, dass auch hier Fragen aufgeworfen werden. Der Umgang untereinander ist alles andere als familiär. Das Gefühl wird durch die Rolle der alten Haushälterin noch verstärkt. Der Leser befindet sich als Zuschauer in einer nebulösen Geschichte, in der keiner dem anderen über den Weg traut. Nur winzige Hinweise, die man leicht überliest, würden die Wahrheit aufdecken.

Die Figurenzeichnung ist gelungen. Niemand zeigt auf den ersten Blick seine wahren Absichten. Die Anzahl der Akteure ist übersichtlich, was in diesem Fall die Dramatik für die Handlung ansteigen lässt. Schnell wird deutlich, dass einer aus der Gruppe ein skrupelloser Mörder sein muss. Es werden Andeutungen gemacht, die den Leser immer wieder in die falsche Richtung lenken. Auf diese Weise gewinnt der Antagonist Zeit, seinen perfiden Plan umzusetzen. Die Spannung kann so bis zum Schluss gehalten werden. Das Ende gibt eine überraschende Einsicht in die Hergänge.

Der Thriller um ein Erbe im verwunschenen Teil von Cornwall fesselt schon von den ersten Kapiteln und weckt die Neugier des Lesers. Nach und nach werden die Schleier der Vergangenheit gelüftet. Darunter wurde eine ganz andere Geschichte vermutet. Von daher bekommt Wares dritter Roman eine unbedingte Leseempfehlung.

Leseprobe

Ruth Ware Autorin
© Gemma Day



Ruth Ware wuchs im südenglischen Lewes auf und lebte nach ihrem Studium an der Manchester University eine Zeit lang in Paris. Sie hat als Kellnerin, Buchhändlerin, Englischlehrerin und Pressereferentin für einen großen Verlag gearbeitet und wohnt jetzt mit ihrer Familie in der Nähe von Brighton. Ihre raffinierten, atmosphärischen Thriller werden regelmäßig zu internationalen Bestsellern. (Quelle: dtv)




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