Gangster in der Idylle

Mathilda – Irgendwer stirbt immer von Dora Heldt

Dettebüll ist eine ruhige Ortschaft nördlich von Husum. Mathilda liebt ihr beschauliches Leben dort. Meistens jedenfalls. Gerne hätte sie ihre Kinder Max und Nele mehr um sich. Außerdem machen ihr die Ansichten ihrer stets schlecht gelaunten und impertinenten Mutter das Leben schwer. Ihr Mann Gunnar erträgt seine Schwiegermutter mit einer stoischen Gelassenheit, die man nur bewundern kann. Ihr Bruder Pit vermeidet den Kontakt mit seiner Mutter. Er betreibt in Hamburg eine Bar mit dubioser Kundschaft. Als er im Hinterhof seiner Gaststätte ein Päckchen mit weißem Pulver findet, bringt er es bei seinem Kumpel Eddie in Dettebüll in Sicherheit. Plötzlich passieren dort aber merkwürdige Dinge und die Anzahl an Leichen rund um Mathilda steigt rasant an.

Dora Heldt hat in diesem Roman Familiengeschichte, kriminelle Handlungen und Gesellschaftsroman verwoben. Im Mittelpunkt steht die 60-jährige Mathilda, die mit Mann und Mutter an ihrem Geburtsort lebt. Sie kennt jeden Grashalm in ihrer Umgebung und nennt ihre Hunde nach den britischen Prinzen. Ihr Leben wirkt geordnet und da sie zu jedem freundlich und hilfsbereit ist, kommt auch niemand auf die Idee, dass ihr etwas fehlt. Ihre Mutter Ilse hingegen kritisiert alles und ist von einer einmal gefassten Meinung nicht mehr abzubringen. Sie kommandiert alle herum und dennoch kann man es ihr nicht recht machen. Als sie im Gartenstuhl tot aufgefunden wird, zweifelt niemand an einer natürlichen Ursache, weil nur Mathilda alle Einzelheiten kennt. Ihr Ableben schreckt aber auch den Bürgermeister und einen Großbauern auf. Sie sind plötzlich an einer Wiese interessiert. Pit kommt natürlich auch zur Beerdigung seiner Mutter. Aber auch er scheint etwas zu verbergen. Männer mit dunklen Sonnenbrillen beobachten das Haus und jeden seiner Schritte. Bei so viel Bewegung müssen wirklich alle Zahnräder ineinander greifen, damit eine glaubhafte Geschichte entsteht. Das tun sie auch.

Die Figuren haben Eigenschaften, die sie wiedererkennbar machen. Einige von ihnen sind überzeichnet, was den Humor ausmacht. Andere scheint man aus dem eigenen Leben zu kennen. Die abgeschiedene Landschaft lässt eine derartig hohe Sterberate eigentlich nicht zu. Jeder einzelne hat aber eine plausible Erklärung, die teils tragisch, teils mit einer Slapstickkomödie zu vergleichen ist. Der Erzählstil ist dazu passend gewählt. Die Sprache orientiert sich an der Umgangssprache und den lokalen Ausdrücken, die zusätzlich friesisches Flair vermitteln. Ohne es wirklich auszudrücken, steckt Mathilda mitten in Drogendelikten, Wirtschaftskriminalität und genau genommen auch Totschlag. Sie hat ungewollt Kontakt zu schweren Jungs und will doch eigentlich eine harmonische Umgebung. Sie findet für jede ihrer Handlungen Verständnis und man leidet schon bald mit ihr mit.

Mit Mathilda ist Dora Heldt ein lesenswerter Unterhaltungsroman mit einer gehörigen Prise schwarzem Humor gelungen. Die Charaktere spiegeln die typischen Dorfbewohner, wie sie überall zu finden sind. Das Miteinander in der Handlung ist überzeugend. Alle Faktoren zusammen ergeben eine abgerundete Geschichte.

Leseprobe

Dora Heldt Autorin Porträt
© Gunter Glücklich



Dora Heldt, 1961 auf Sylt geboren, ist gelernte Buchhändlerin und lebt heute in Hamburg. Mit ihren Romanen führt sie seit Jahren die Bestsellerlisten an, die Bücher werden regelmäßig verfilmt. (Quelle: dtv)



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Das Rezensionsexemplar wurde mir von dtv zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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