Intrigen, Mord und Eleganz in den goldenen Zwanzigern

Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen von Caren Benedikt

Binz, 1924. Freifrau Bernadette wusste schon als Kind, was sie wollte. Ihre Träume verwirklichte sie durch die Heirat mit Karl von Plesow und dem Umzug von Bad Harzburg nach Binz. Vor einigen Jahren und deutlich vor seiner Zeit kam der Hotelier ums Leben. Seitdem leitet Bernadette das Unternehmen mit eiserner Hand. Unterstützt wird sie von ihrem ältesten Sohn Alexander, der als Geschäftsführer des Grand Hotels die Geschicke leitet. Sein Bruder Constantin wohnt in Berlin und leitet dort das Hotel Astor und ein Varieté. Auch Tochter Josefine soll einmal eine Aufgabe übernehmen. Bislang interessiert sie sich aber mehr für Kunst und hat gerade ein Studium an der Sorbonne in Paris absolviert. Der Alltag des Hotellebens füllt die von Plesows aus und nicht immer sind sie einer Meinung. Als plötzlich eine Leiche am Stand angespült wird, gerät die Familie in Alarmbereitschaft.

Caren Benedikt führt ihre Leser mit diesem Roman in die schillernde Welt der 20-er Jahre des letzten Jahrhunderts. Nach dem großen Krieg sehnten sich die Menschen nach fröhlicher Ungezwungenheit. Das Grand Hotel bietet ihnen dabei Eleganz und Klasse im gediegenen Ostseebad Binz. Den Gegensatz dazu bildet das Berliner Hotel „Astor“, dem ein Varieté angeschlossen ist. Man taucht in die lebhafte Welt der „Roaring Twenties“ ein und lernt die Abläufe hinter einer derartigen Show kennen. Die Artisten nehmen auch gleich noch eine Rolle für die nicht immer legalen Machenschaften des Hoteliers ein. Der Auftakt zur Trilogie um das „Grand Hotel“ liest sich wie eine Mischung aus Downton Abbey und Babylon Berlin. Die wohlhabende Gesellschaft ist mit der Familie Plesow und ihren Bekannten vertreten. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Arbeiterklasse kommen ebenfalls zum Vorschein. Nach Kriegsende lösten sich die starren Grenzen auf und somit ist auch die Rolle des aufstrebenden Zimmermädchens Marie glaubhaft. Erpressung, Auftragsmord und Intrigen sind die Krimianteile dieses historischen Romans.

Als Ende des 19. Jahrhunderts das Baden im Meer in Mode kam, entstanden die ersten Hotels an der Rügener Küste. Elegante Häuser wie das fiktive Grand Hotel wurden zum Erholungsort für die bessere Gesellschaft. Im Kurbad wurde gebaut, damit die Besucher eine bequeme Anreise hatten. Zu dieser Zeit entstanden die Seebrücke, der Kleinbahnanschluss, das Kurhaus und die Strandpromenade. Diese Modernisationen prägen auch heute noch das Ortsbild. Beim Lesen fühlt man sich direkt an die Handlungsorte versetzt. Die Unterschiede zwischen einem energiespendenden Aufenthalt an der See und dem turbulenten Treiben in der Großstadt wird durch die Vernetzung beider Handlungsstränge deutlich. Passend dazu wurden die Figuren gewählt. Sie erzeugen die Atmosphäre der Epoche und decken gerade in Berlin die Allianzen zwischen den Mächtigen und der Unterwelt ab. Die Handlungsstränge sind so angelegt, dass sie neugierig auf die Fortsetzung machen.

Die Plesows greifen nicht allein zu den Sternen. Die Gesellschaft war im Wandel und lässt so sämtliche Entwicklungen der Figuren zu. Mit über 500 Seiten ist Das Grand Hotel ein unterhaltsamer Schmöker, der schnell für sich einnimmt. Der erste Band einer opulenten Familiensaga enthält alle Elemente für eine sehenswerte Verfilmung, die bereits geplant ist.


Leseprobe

Autorin Caren Benedict
© Sonja Inselmann


Caren Benedikt ist das Pseudonym der Autorin Petra Mattfeldt. Sie liebt den Norden, eine steife Brise und das Reisen an die Orte, über die sie schreibt. Nach einer eher nüchternen Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten arbeitete sie als freie Journalistin. Inzwischen ist die Schriftstellerei ihr Hauptberuf, und sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen. (Quelle: Randomhouse)


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  • Broschiert: 528 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • erschienen am 2. März 2020
  • ISBN-13: 978-3764507077

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Blanvalet Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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