Crime Day

Sonntag voller Mord und Totschlag

Crime Day in München

Am 9. Februar wurde es in München kriminell spannend. Der Crime Day, der die Woche vorher in Hamburg seine Premiere hatte, wurde in der Alten Kongresshalle in München veranstaltet. Lohnt sich ein zweiter Besuch so kurz hintereinander, wenn doch dasselbe Programm angekündigt ist? Absolut! Das Programm auf der Großen Bühne wird mit jeweils zwei Workshops begleitet, sodass auch noch ein dritter Besuch Neues bringen würde.

In München waren nicht dieselben Teilnehmer dabei, beziehungsweise traten in einer anderen Zusammenstellung auf. Die Trends im Kriminalroman wurden dieses Mal von Karsten Dusse, Marc Elsberg und Elisabeth Herrmann erörtert. So kamen andere Aspekte zum Tragen und das bereits gehörte Thema weckte erneut Interesse.

Ellen Sandberg, Felix Bringmann, Elisabeth Herrmann, Silke Müller (v.l.)

Bei der Frage, wie blutig ein Kriminalroman überhaupt sein darf, hatten Elisabeth Herrmann, Ellen Sandberg und Felix Bringmann (Crime Magazin) ihre eigenen Vorstellungen. Den großen Unterschied mache dabei, ob man sich etwas ausdenke oder über die Realität schreibe. Der Autor muss sich auch ständig fragen, was er seiner Leserschaft zumuten darf, um zwar zu informieren, aber nicht einfach nur ein Blutbad anzurichten.

Alex Beer brachte neue Anstöße zur Fragestellung, wer in einem Kriminalroman der wahre Held sei: Opfer, Täter oder Ermittler. Die österreichische Autorin war kurzfristig für die erkrankte Charlotte Link eingesprungen. Da ich ihre Serie um Kommissar Emmerich sehr schätze, musste ich mir die Diskussion unbedingt anhören. Meistens sind in Serien Opfer, oder allenfalls noch der Ermittler die Sympathieträger. Die Gefahr, diese Rolle auf den Täter zu übertragen, birgt immer auch eine Verharmlosung von Gewalt, bat Stalkingexpertin Sandra Cegla zu bedenken.

Crime Day "Die Leiche vom Tollensesee
Julia Kopatzki, Bernd Volland (v. l.)

Danach habe ich noch drei Workshops besucht, die weniger Fiktion, sondern die gnadenlose Realität schilderten. Julia Kopatzki berichtete über den Fall Die Frau vom Tollensesee. Der Leichenfund in der Neubrandenburgischen Idylle gab Rätsel auf. Die Bilder der Recherchen rufen auch beim Ansehen des Artikels Befremden hervor. Die Zeit verflog jedenfalls, weil alle Zuschauer den Ausführungen der jungen Journalistin lauschten. Sicher hätten wir noch weiter zuhören können, aber der Raum wurde für die nächste Veranstaltung gebraucht.

Auch das Thema Stalking sollte viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als bisher. Von daher hörte ich mir sehr gerne den Vortrag der Ex-Kriminalkommissarin und jetzigen Agenturinhaberin Sandra Cegla (www.sos-stalking.berlin) an. Bis vor wenigen Jahren gab es nicht einmal Gesetze zum Schutz vor diesen ungewollten Übergriffen. Damit konnte natürlich auch kein Täter abgeschreckt werden. Cegla definierte, was Stalking ist und sensibilisierte ihre Zuhörer, dieses schneller zu erkennen.

Beendet habe ich den Crime Day mit einem weiteren Einblick in die reale Krimiwelt. Bernd Volland (Crime Magazin) berichtete über Morde, die bereits vor 30 bis 50 Jahren verübt wurden. Kurt-Werner Wiechmann, der wegen illegalem Waffenbesitz mehr durch Zufall festgenommen wurde und sich in der Zelle erhängte, ist inzwischen als Göhrde-Mörder überführt. Man muss sich vergegenwärtigen, dass zu der Zeit in dieser ruhigen Gegend um Lüneburg die Polizeiarbeit nicht so funktionierte wie heute. Wohl darum wurden zu schnell Spuren nicht mehr weiterverfolgt und dem Serientäter die Möglichkeit gegeben, seinem Drang immer weiter nachzugeben. Heute vermutet man, dass von den 240 ungeklärten Mordfällen noch einige mehr auf sein Konto gehen.

Orkantief Sabine sei Dank, dass ich auch diesmal auf die inszenierte Lesung zum Abschluss eines wundervollen Tages verzichten musste. Ich habe gehört, Ulrich Tukur und Christian Redl seinen wundervoll gewesen. Für mich ging der letzte Zug gen Heimat allerdings schon viel früher, bevor der Bahnverkehr ganz eingestellt wurde. Ich hoffe also auf eine Wiederholung von derartigen Veranstaltungen. Gerade die Kombination aus Fiktion und realem Verbrechen ergab einen differenzierten Blick in die Welt der Verbrechen.

Der Erlebnisbericht vom Hamburger Crime Day ergänzt diesen Artikel zu einer Gesamtübersicht. Bei einem weiteren Besuch würde ich auf alle Fälle auch einen Autoren-Workshop besuchen, die nun komplett überbucht waren.

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