Die Frauen von Skagen

Skagen und die Kunst

Die Frauen von Skagen von Stina Lund

Vibeke will nichts mehr als Malen. Doch ihr Vater sähe sie lieber in seiner Farbenfabrik und will, dass sie ein betriebswirtschaftliches Studium abschließt. Gemeinsam mit dem Sohn seines besten Freundes soll sie später das Unternehmen weiterführen. Aber die junge Frau setzt sich durch und wird in einer Zeichenschule im dänischen Skagen aufgenommen. In einem Café entdeckt sie gemeinsam mit ihrer Mutter ein Bild von Marie Krøyer, die dort Anfang des 20. Jahrhunderts mit mehreren Künstlern gelebt hat. Vibeke lernt mehr über die Künstlerin und gleichzeitig auch ihre eigene Mutter kennen.

Stina Lund widmet sich in ihrem zweiten Roman den Skagener Künstlern, die vor mehr als einhundert Jahren bedeutende Werke schufen. Rund um den Impressionisten Peder Severin Krøyer beschreibt sie das damalige Leben und Wirken der Gruppe. Der auf zwei Zeitebenen handelnde Roman zeigt die Beziehung der Krøyers und deren Entwicklung als Künstler. Ehefrau Marie lernte der Maler kennen, als diese sich porträtieren ließ. Marie setzte es sich in den Kopf, den 16 Jahre Älteren zu heiraten. Gemeinsam mit ihrer Gesellschafterin Asta reist sie ihm nach Paris hinterher. Asta ist nicht nur die Bewahrerin des Anstands zu dieser Zeit, sondern bekommt als Tochter eines Arbeiters die Möglichkeit, gehobene Bildung zu erlangen. Asta will noch mehr, was sich aber erst im Verlauf der Handlung herausstellt.

Beide Handlungsstränge haben auf den ersten Blick lediglich die Malerei und die nördlichste Stadt Jütlands gemeinsam. Das Leben von Marie Krøyer wird anschaulich gezeichnet, sodass man beim Lesen nicht umhin kommt, auch deren Bilder zu googeln. Das besondere Licht, das viele Künstler inspirierte, findet sich in seiner Leichtigkeit auch im Schreibstil wieder. Leise und wie vorsichtig gezeichnet wird aus der Skizze ein deutliches Porträt der Malerin und Designerin. Ihre Ehe mit Krøyer verlief mit Höhen und Tiefen. Verlässlich an ihrer Seite blieb Asta, die im Roman auch einen Rundumblick ermöglicht. Der Leser verfolgt den Werdegang und vor allem auch das Scheitern.

Liest man den historischen Romananteil, vergisst man fast, dass es in der Gegenwart ebenfalls eine Schülerin gibt, die um ihren Platz im Leben kämpfen muss. Vibeke verdeutlicht die Wahlmöglichkeiten in unserer Gesellschaft. Sie hat genug Talent, um in der Schule aufgenommen zu werden und regelt schnell ihre Lebensumstände. In einem Café verdient sie sich ihren Lebensbedarf und lernt außerdem Thore kennen. Aber sie muss auch lernen, ihre eigenen Wünsche durchzusetzen. In dieser Hinsicht ist Vibeke eine interessante Figur, die während des Abnabelungsprozesses immer stärker wird und auch Parallelen zur Vergangenheit verdeutlicht. Der Roman ist nicht nur eine Erinnerung an eine der wichtigsten Künstler Dänemarks, sondern auch ein Entwicklungsroman, der Spuren hinterlässt. Wie man bei einem Aquarell auch erst nach dem letzten Pinselstrich das Gesamtwerk erkennt, entfaltet sich die Geschichte ebenfalls erst mit den letzten Seiten.

Leseprobe

Stina Lund wurde 1970 als Tochter einer deutschen Mutter und eines schwedischen Vaters in Vimmerby geboren. Sie wuchs in der Kleinstadt in Småland auf und verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit in der Buchhandlung der Eltern. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Buchbinderlehre und studierte anschließend Buchwissenschaften. Danach arbeitete sie als freiberufliche Restauratorin. Nach der Geburt ihrer Zwillinge gab sie diese Tätigkeit auf und widmete sich dem Schreiben. Heute lebt Stina Lund mit Mann, Kindern und Hund in der Nähe von Münster. (Quelle: Rowohlt Verlag)


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  • Broschiert: 336 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • erschienen am 19. November 2019
  • ISBN-13: 978-3499291883

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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