Die richtige Nase für Krimis

Die Schnüfflerin von Anne von Vaszary

Im Leben von Nina läuft gerade einiges schief. Sie hat keinen Schulabschluss, teilt sich mit ihrer Freundin die Wohnung, jobbt in einem Imbiss und nun ist sie nach einem One-Night-Stand auch noch schwanger. Der Vater des Kindes ist als Frauenheld verschrien und Nina hat so gar keine Lust, mit ihm ein Kind aufzuziehen. Dennoch trifft sie sich mit ihm in einem Restaurant. Gerade als die Neuigkeit ausgesprochen wurde, fangen alle Besucher an, nach Luft zu schnappen. Schnell sind Rettungskräfte vor Ort und Ricky und die anderen werden ins nächste Krankenhaus gebracht. Nur Nina bleibt übrig. Dass die Suppe mit Zyankali vergiftet war, kann eigentlich nur der Täter wissen. Nina ist somit die Hauptverdächtige. Aber da war doch noch eine Frau auf dem WC. Diese scheint spurlos verschwunden zu sein. Der polnische Koch, der seine Muttersprache nicht beherrscht, ist ebenfalls verdächtig. Hauptkommissar Koller muss nun scharfsinnig die Lügen von der Wahrheit trennen. Hilfreich erscheint ihm dabei Ninas ausgeprägter Geruchssinn.

Anne von Vaszary legt mit ihrem Debüt einen witzigen Handlungsverlauf mit trickreichen Wendungen vor. Ihre Protagonistin Nina, die mit vollem Namen Ninella-Pritilata Buck heißt, wurde von ihrer Großmutter aufgezogen, weil ihre Mutter lieber um den Erdball reiste. Auch heute haben sie nur sporadischen Kontakt. Nina ist 23 Jahre alt, hat keinen Schulabschluss, keine eigene Wohnung, aber bald ein Kind von einem Mann, der ihr gar nicht so gefällt. Obendrein brent auch noch ihre Matratze ab, sodass sie nicht einmal mehr einen bewohnbaren Rückzugsort hat. Man lernt die junge Frau im Scherbenhaufen ihrer Welt stehend kennen. Die weiteren Figuren haben ebenfalls charakteristische Merkmale. So scheint Fanny als Mitbewohnerin auch ein Geheimnis zu verbergen und Ricky kaschiert unter seiner sorglosen Art einen verletzlichen Kern. Die Eigenarten sind zwar nicht facettenreich angelegt, aber reichen aus, um dieser Handlung immer wieder eine unvorhergesehene Wendung zu geben.

Die Aufklärung des Mordes ist der Dreh- und Angelpunkt des Buches. Es gibt eine Handvoll Leichen und ebenso viele Verdächtige. Das Motiv wird ebenfalls nicht zu früh verraten. Die platzierten Figuren sind ungewöhnlich und bei jedem könnte man einen Verdacht hegen. Der Leser wird durch teilweise skurrile Fakten von der direkten Spur abgelenkt. Das sorgt für einige Lacher, aber auch für Empathie. Wie im realen Leben, ist auch hier nicht alles so, wie es scheint. Die Polizei muss in alle Richtungen ermitteln. Der Schreibstil der Autorin ist dabei angenehm temporeich und lässt selbst Gerüche zwischen den Zeilen wabern. Aber möglicherweise liegt das auch in der Erfahrung mit einem Buttersäureexperiment im Chemieunterricht begründet. Ninas feine Nase leitet sie so durch ganz Berlin.

Die Schnüfflerin ist der Auftakt zu einer Krimiserie um eine Frau mit ausgeprägtem Geruchssinn und einem gehandikapten Kommissar. Beide ergänzen sich zu einem Dreamteam. Der Krimi ist großartiges Kino und leider viel zu schnell ausgelesen. Auf alle Fälle bekommt der schräge Plot mit seinen verschrobenen Figuren eine Leseempfehlung.

Leseprobe

Anne von Vaszary Autorin
© Laszlo von Vaszary

Anne von Vaszary, 1975 geboren und aufgewachsen in Sachsen, studierte Dramaturgie und Drehbuchschreiben an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und schlug den damals ungewöhnlichen Weg ins interactive Storytelling ein. Ihre Werke erhielten mehrere Preise, u.a. den Lara Kino Award für die Beste Kinoadaption 2009 sowie den Deutschen Entwicklerpreis für das Beste Adventure 2009 und die Beste Story 2016. 2016 gewann sie auch das Arbeitsstipendium der Mörderischen Schwestern, das den Weg zu ihrem ersten Kriminalroman »Die Schnüfflerin« ebnete. Ein weiterer Band ist für 2021 bereits in Arbeit. Anne von Vaszary lebt mit ihrer Familie in Berlin und schreibt in Sachsen und auf Sylt. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)


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  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Knaur TB
  • erschienen am 13. Januar 2020
  • ISBN-13: 978-3426523827

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Droemer Knaur Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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