Süßes und Bitteres bei den Rothmanns

Die Schokoladenvilla: Die goldenen Jahre von Maria Nikolai

Stuttgart, 1926. Serafina Rheinberger zieht nach dem Tod ihres Vaters zur Familie ihres Halbbruders Victor. Sie ist noch nicht großjährig, sodass er sich um die Waise kümmert. Seine Frau Judith und seine Tochter Viktoria freuen sich, dass sie Gesellschaft bekommen. Die Villa des Schokoladenherstellers Rothmann ist von nun an Serafinas Zuhause, in dem sie sich schnell einlebt. Victor überträgt ihr schon bald einige Aufgaben. Aber es erreichen Serafina auch Fotos aus ihrer alten Heimat Berlin. Diese zeugen von einem freizügigen Leben, an das sie sich aber gar nicht erinnern kann. Gemeinsam mit der befreundeten Lilou, die als Assistentin von Josephine Baker schon ganz andere Dinge gesehen hat, begibt sie sich in die Hauptstadt, um den Erpresser zu stellen. Zwischenzeitlich kommt es zu einem Sabotageakt in der Fabrik. Viktoria und ihre Freundin Mathilda schweben in Lebensgefahr.

Maria Nikolai setzt mit diesem Band die Geschichte um die Rothmannsche Schokoladenvilla fort. Man trifft dort einige Bekannte wieder, lernt aber auch neue Figuren kennen. Die Mischung aus realen und fiktiven Personen ist dabei gelungen und wird glaubhaft geschildert. Sie leben in einer Zeit nach dem großen Krieg, in der der Aufschwung zu spüren war. Die Menschen wollten sich bei Varieté und Jazz amüsieren. Vor allem aber gönnten sie sich wieder Erlesenes wie Schokolade. Denkt man an die goldenen Zwanziger, entsteht sofort ein Bild von Berlin. Aber auch in anderen Städten wurde getanzt und neuartige Musik eroberte die Clubs. Das Flair der Zeit ist im Buch spürbar. Die Gesinnung der Kaiserzeit wird abgestreift und die Menschen nutzen diese neugewonnene Freiheit. Auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft ändert sich spürbar und wird mit entsprechenden Figuren besetzt. Auch die ärmlichen Verhältnisse fließen mit ein.

Die Schokoladenfabrik ermöglicht auch einen Einblick in die damalige Entwicklung von Besonderheiten. Während es im ersten Band um Automaten ging, die die Süßigkeit in der richtigen Temperatur lagern, wird nun eifrig an einer Schallplatte aus dem zarten Schmelz gearbeitet. Der Erzählstil ist dabei so bildgewaltig, dass man sich die Masse beim Conchieren und Formen mühelos vorstellen kann. Das Rezept der erwähnten Himbeerpralinen befindet sich gleich auf dem Einband, sodass man gut gerüstet zum Lesen übergehen kann. Ein weiteres Thema greift Nikolai mit dem Klavierbauer Anton Rothmann auf. Er basiert zwar auf keiner realen Person, verkörpert aber ebenfalls einen aufstrebenden Wirtschaftszweig.

Die Familiengeschichte wird in den Goldenen Jahren fortgesetzt. Neueinsteiger finden im Anschluss an den Roman ein ausführliches Personenregister. Ein angehängtes Nachwort gibt weitere Erklärungen zur gewählten Epoche. Spannung erzeugt das Auftreten eines Widersachers, der sich grausame Dinge einfallen lässt, um den Rothmanns zu schaden. Der historische Roman variiert somit Wissenswertes, Familiengeschichte und Spannungselemente. Mit über 700 Seiten füllt er einige Lesestunden, die man sich am besten im Zusammenhang reserviert. Der Roman erhält von mir eine Leseempfehlung.

Leseprobe

© Sebastian Berger


Maria Nikolai liebt historische Stoffe, zarte Liebesgeschichten und Schokolade. Mit ihrem Debüt »Die Schokoladenvilla« schrieb sie sich in die Herzen ihrer Leserinnen und stand monatelang auf der Bestsellerliste. »Die Schokoladenvilla: Goldene Jahre« ist der zweite Teil der großen Bestsellertrilogie rund um die Stuttgarter Fabrikantenfamilie Rothmann. (Quelle: Randomhouse)


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  • Taschenbuch: 720 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag
  • erschienen am 14. Oktober 2019
  • ISBN-13: 978-3328104063

Reihenfolge der Trilogie

  1. Die Schokoladenvilla
  2. Die Schokoladenvilla – Goldene Jahre

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