Mord im historischen Freiburg

Die Tote in der Henkersgasse von Astrid Fritz

Die ehemalige Begine Serafina bekam am Ende des vorigen Bandes Tod im Höllental die Genehmigung vom Stadtrat, ihre Apotheke für die Bedürftigen zu führen. Kaum eröffnet, klagt der Apotheker, dass ein Fenster zur Gasse nicht rechtens sei. Doch bevor sich Serafina und ihr Mann Achaz darum kümmern können, wird eine Tote in der Henkersgasse gefunden. Wie es sich herausstellt, ist sie eine wohlhabende Kaufmannsgattin aus Waldkirch. Plötzlich treibt sich auch Serafinas Bruder Peter in der Stadt herum. Das letzte Treffen der Geschwister ist lange her und wenig erfreulich. Auch diesmal zeigt sich, dass die beiden unterschiedliche Auffassungen vom Geben und Nehmen haben.

Astrid Fritz lässt ihre Protagonistin bereits zum fünften Mal im historischen Freiburg ermitteln. Die Kräuterkundige mit der bewegten Vergangenheit fasst in ihrem Leben langsam Fuß. Sie ist mit dem Stadtmedikus verheiratet und darf ihre Tinkturen an die Bedürftigen weitergeben. Der ansässige Apotheker fürchtet nun natürlich um seine Einkünfte und findet mit dem Fenster zur Gasse auch gleich einen Anklagepunkt. Damit werden die im 15. Jahrhundert üblichen Anordnungen eingebunden. Die Macht der Ratsherren und auch die Achtung von der Gesellschaft wird anschaulich. Rund um Heilung spielen natürlich wieder die Christoffelschwestern und die Kräuterfrau Gisela eine Rolle. Sie kümmern sich um diejenigen, die sich den Besuch beim Medikus nicht leisten können.

Authentische Historie

Der Fall um die Tote in der Henkersgasse wird nach klassischem Muster angelegt. Die Leiche der jungen Frau wird gefunden und aus den sichtbaren Hinweisen werden die ersten Schlüsse gezogen. Schon bald hat man einen Verdacht, der sich aber nach einer unerwarteten Wendung wieder verflüchtigt. Gleichzeitig kommt ein Beobachter im dunklen Mantel ins Spiel, der alles Mögliche für den Verlauf der Handlung bedeuten kann. Die Neugier beim Lesen wird somit schon früh geweckt. Ein zügiger Erzählstil treibt die Geschichte voran. Sprachlich wurden die Dialoge so angepasst, dass sie zwar einige heute nicht mehr übliche Ausdrücke enthalten, aber dennoch verständlich sind. Der Lesefluss wird dadurch nicht gebremst. Im anhängenden Glossar kann man nachlesen, was die Redewendungen und Bezeichnungen zu bedeuten hatten. Auch die große Anzahl an inzwischen bekannten Figuren wurde berücksichtigt und in einem vorangestellten Personenverzeichnis gelistet.

Das historische Freiburg sowie die authentisch dargestellten Charaktere vermitteln einen Eindruck von der beginnenden Neuzeit im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Zeiteinheit werden häufig in Vater-Unser gemessen, was den Menschen eine geläufige Dauer war. Am Beispiel der Geschwister Serafina und Peter wird deutlich, wie früher das Hab und Gut vererbt wurde. Das Buch selbst hat eine abgeschlossene Handlung, sodass es auch gut einzeln gelesen werden kann. Jeder für sich ist eine kurzweilige Unterhaltung. Da am Ende ein Wiedersehen Serafinas mit ihrem Sohn Vitus in Aussicht gestellt wird, freue ich mich bereits auf den sechsten Band.

Leseprobe

© Wioletta Neiss


Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen „Die Hexe von Freiburg“, „Die Tochter der Hexe“ und „Die Vagabundin“. Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart. (Quelle: Rowohlt Verlag)



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  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • erschienen am 17. September 2019
  • ISBN-13: 978-3499276545

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.


Reihenfolge:

  1. Das Aschenkreuz
  2. Hostienfrevel
  3. Das Siechenhaus
  4. Tod im Höllental
  5. Die Tote in der Henkersgasse

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