Gewalt in allen Formen

Mörderische Provence von Pierre Lagrange

Albin Leclerc freut sich darauf, endlich mehr Zeit mit seiner Tochter Manon und deren Tochter Clara zu verbringen. Die beiden suchen bei ihm Zuflucht vor dem gewalttätigen Schwiegersohn, der Albin schon immer ein Dorn im Auge war. Doch bevor sich der ehemalige Commissaire um seine familiären Angelegenheiten kümmern kann, bittet ihn sein alter Freund und Lebensretter Lefebvre um Hilfe. Dessen Tochter ist nach der Arbeit nicht mehr nach Hause gekommen. Lediglich ihr Auto fand man abseits der Fahrbahn. In kurzer Zeit ist das schon die dritte Vermisstenanzeige. Gemeinsam mit Mops Tyson macht sich Leclerc auf die Suche und muss dabei zum Schein einen Kochkurs bei einem Sternekoch annehmen.

Pierre Lagrange stellt seinen Commissaire a. D. im dritten Fall vor eine knifflige Aufgabe. Einerseits weiß er, dass er sich endlich mehr um Tochter und Enkelin kümmern muss, andererseits muss er genau aus diesem Empfinden seinem alten Freund helfen, dessen Tochter zu finden. Ein Zeuge sagt aus, einen Unfall gesehen zu haben, der niemals angezeigt wurde. Die Spur führt in ein nobles Schlosshotel mit exquisiter Küche. Um verdeckt ermitteln zu können, belegt Albin kurzerhand einen Kochkurs. Seine Dauerfreundin Veronique freut das. Doch der spannende Krimi beinhaltet auch schwerverdauliche Themen.

In der ländlichen Idylle der Provence trifft sich zu der Zeit eine Gruppe gesellschaftlich angesehener Männer. Zunächst scheint es, dass die vermissten Mädchen nichts mit ihnen zu tun haben. Der Autor lässt die Leser allerdings an den Gedanken und Bedürfnissen eines Täters teilhaben. Die perfiden Absichten lassen schon bei der Vorstellung die Haare zu Berge stehen. Der Mensch dahinter ist aber nicht nur grausam, sondern erinnert sich auch an seine eigene Vergangenheit, in der er Kriegsgefangener in Afrika war. Er beschreibt die sich steigernde innere Unruhe und wie er hinterher wieder sein normales Leben aufnehmen will. Eine gequälte Seele entschuldigt zwar kein Verbrechen, aber weckt Verständnis. In diesem Buch werden die verschiedensten Arten von Gewalt beschrieben, über die es sich nachzudenken lohnt. Der scharfsinnige Leclerc kommt der Gruppe von Psychopathen so nahe, dass man ebenfalls um sein Leben fürchten muss.

Abgesehen von den unschönen Schilderungen empfand ich auch den dritten Kriminalfall als spannende Lektüre. Zartbesaitete Leser sollten unbedingt Vorkehrungen treffen. Da die Charaktere einer Serie sich mit jedem Band ein Stück weiter entwickeln, sollte man ihn auf keinen Fall auslassen. Auch ohne Kenntnis der beiden Vorgänger sind die Beziehungen der Figuren untereinander verständlich. Der Krimi hat eine komplexe Handlung, die vor allem durch das Tempo fesselt. Die Sympathien sind unter den Charakteren schnell verteilt und dann fiebert man mit, ob der raffinierte Protagonist das Unglück verhindern kann. Die literarische Zeichnung der provenzalischen Umgebung ist gelungen. Selbst beim Lesen fühlt man die brutzelnde Hitze des Sommers in den Bergen. Der Krimi hat trotz seiner schweren Kost einen hohen Unterhaltungswert.

Leseprobe

(c) Kerstin Schomburg


Pierre Lagrange ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Autors, der bereits zahlreiche Krimis und Thriller veröffentlicht hat. In der Gegend von Avignon führte seine Mutter ein kleines Hotel auf einem alten Landgut, das berühmt für seine provenzalische Küche war. Nach ›Tod in der Provence‹, ›Blutrote Provence‹ und ›Mörderische Provence‹ ist ›Schatten der Provence‹ der vierte Band der Erfolgsserie um den liebenswerten Commissaire Leclerc und seinen Mops Tyson. (Quelle: Fischer-Verlag



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  • Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch
  • erschienen am 26. Juni 2018
  • ISBN-13: 978-3596522484

Reihenfolge

  1. Tod in der Provence
  2. Blutrote Provence
  3. Mörderische Provence
  4. Schatten der Provence

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