Unentdeckte Morde und der Wert der Liebe

Der Alte muss weg von Carla Beiling

Steffi Herren ist seit 30 Jahren mit Tom verheiratet. Sie bewohnen ein Reihenhaus in Köln-Rodenkirchen, wo sich seit einiger Zeit die Langeweile zwischen dem Ehepaar ausbreitet. Das Haus ist bezahlt, der Sohn gründet eine eigene Familie und Tom schaut lieber den Fernsehgarten an als seine Frau. Zufällig sieht sich Steffi eine Sendung an, in dem ein Professor erläutert, dass circa ein Drittel der Todesfälle unbemerkte Morde seien. Als sie kurz darauf mit ihren Freundinnen beim wöchentlichen Treffen über Ehe und Singleleben philosophiert, entsteht ein mörderischer Plan. Man könnte so glücklich leben, wenn die Männer nicht mehr da wären. Wer würde die wenigen Rizinussamen im Müsli schon bemerken? Leider sind auch Hunde verfressen und vertragen die giftige Beilage nicht besser. Ein neuer Plan muss her. Und dann noch einer. Zeit genug, um mal genau zu überlegen, warum man mit diesem Mann schon so lange zusammen ist.

Carla Berling lässt ihre Figuren in diesem humorvollen Roman ordentlich leiden. Durch die geplanten Morde hat er einen hohen Krimianteil. Die Frauen sind die perfekten Spiegelbilder ihrer Generation. Sie haben die 50 überschritten, sich mit ihren Männern ein angenehmes Leben aufgebaut und vermissen nun das gewisse Etwas in ihrem Leben. Nur Zita ist unverheiratet und hat offenbar das, was sich die anderen vier wünschen: Sie lebt ein selbstbestimmtes Leben. Steffi fühlt sich von ihrem Umfeld viel zu sehr bevormundet, allen voran von ihrer Chefin. Den ungeliebten Job könnte sie aber nur kündigen, wenn sie bei einer Scheidung nicht teilen müsste. Die Gedankengänge haben trotz ihrer Skurrilität eine Logik. Mein häufigster Gedanke beim Lesen war: „Sie wird doch nicht …“

Der Roman lebt ebenfalls durch den Kölner Lokalkolorit. Wie Zita ganz richtig sagt, jibbet im Kölschen kein jeh. So kommen die Dialoge in Mundart genau so an wie sie gemeint sind. Für Außenstehende sind sie dennoch verständlich. Man merkt auch schnell, dass die Frauen sich eigentlich nicht von ihren Männern trennen wollen, sondern lediglich eine Veränderung herbei wünschen. Als Tom ebenfalls anderes im Sinn hat, wird der Druck bei Steffi erhöht. Man ahnt nicht, was er beabsichtigt und lässt sich nur zu gerne auf den Gedanken einer Affäre ein. Das wäre natürlich für Steffis Situation fatal. Trotz der verwerflichen Absicht, ihren Mann zu beseitigen, hat die Ich-Erzählerin doch so viel Charme, dass man ihr nichts Schlechtes wünscht.

Der Roman hat einen hohen Unterhaltungswert durch den schwarzen Humor, der temporeich vorgetragen wird. Man darf ihn keinesfalls zu ernst nehmen, um ihn genießen zu können. Um die Belastungen der fünf Freundinnen nachzufühlen, sollte man schon ein gewisses Alter erreicht haben. Genau diese Gruppe an Lesern wird sich trotz der allzu frühen Vorhersehbarkeit köstlich amüsieren.

Leseprobe

© Random House/Philippe Ramakers

Carla Berling, unverbesserliche Ostwestfälin mit rheinländischem Temperament, lebt in Köln, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Mit der Krimi-Reihe um Ira Wittekind landete sie auf Anhieb einen Erfolg als Selfpublisherin. Bevor sie Bücher schrieb, arbeitete Carla Berling jahrelang als Lokalreporterin und Pressefotografin. Sie tourt außerdem regelmäßig mit ihrer Comedyreihe Jesses Maria durch große und kleine Städte. (Quelle: Randomhouse)


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  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • erschienen am 8. Juli 2019
  • ISBN-13: 978-3453423152

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