Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal

Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal von Anja Marschall

Der gerade fertiggestellte Kaiser-Wilhelm-Kanal wird 1896 zum Tatort für Kommissar Hauke Sötje. Eine Frauenleiche wird gefunden, die einige Rätsel aufgibt: Sie trägt die kostspielige Spitze einer vornehmen Dame, hat aber Schwielen an den Händen wie ein Dienstmädchen. Gleichzeitig bekommt Söntje den Auftrag, einen russischen Spion zu überwachen, dem man nach dem Leben trachtet. Der ehemalige Kapitän erkennt in ihm den Mörder seiner Mannschaft. Für Hauke beginnt eine schwierige Zeit, in der er sich zwischen Dienst und Emotion entscheiden muss.

Anja Marschall stellt ihren Protagonisten im dritten Fall der Krimiserie vor eine schwierige Aufgabe. Im Fall der toten Frau entscheidet sein Chef, dass dies ein Suizid war und beachtet Sötjes Einwände nicht. Stattdessen wird er mit dem Personenschutz des russischen Agenten beauftragt. Die scheinbar unabhängigen Fälle bringen den Kommissar im Schleswig-Holsteinischen  jedoch auf eine ganz andere Spur: Er entdeckt die Auftraggeber, die für das Sinken seines Schiffes und dem Tod seiner Mannschaft verantwortlich sind. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und Hauke weiß sich keinen besseren Rat, als seinen Schreiber Levi Bloch mit einigen Recherchen zu betrauen. Da sich auch Sophie für das tote Dienstmädchen interessiert, bringen sich die beiden Laienermittler in Gefahr. Der Spannungsbogen wird nun hoch angesetzt und mit dem Erzähltempo zu einer atemlosen Jagd werden. Die fehlende Technik der Nachrichtenübermittlung im ausgehenden 19. Jahrhundert lässt beim Lesen mitfiebern, ob es ein Happy End für die liebgewordenen Figuren geben wird.

Brücke am Nord-Ostsee-Kanal

Die historische Kulisse am Kaiser-Wilhelm-Kanal, der seit 1948 als Nord-Ostsee-Kanal bekannt ist, wird knapp aber ausreichend geschildert. Die düstere Stimmung passt ebenfalls zum Ermittlungsstand und den verdeckten Einsätzen der kaiserlichen und russischen Geheimdienste. Die Bildung einer Kriminalpolizei in Kiel nach englischem Vorbild steht noch ganz am Anfang. Die seinerzeit üblichen Methoden werden ebenfalls vorstellbar. Ein historischer Krimi kommt keinesfalls ohne ein Mindestmaß an Beschreibung der gesellschaftlichen Gepflogenheiten aus. Die Klassen zwischen Arbeitern, Mittelstand und höherer Gesellschaft wurden mit entsprechenden Figuren besetzt und geben Einblick in den damaligen Usus. Die einleitenden Auszüge aus den Kieler Zeitungen vermitteln ebenfalls Authentizität. Es wird deutlich, dass sich die Sprache im Laufe der Zeit enorm verändert hat.

Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal setzt die Krimireihe um Hauke Sötje nach Tod am Nord-Ostsee-Kanal fort. Ab Oktober kann man ihm bei seinem Fall in Tod in der Speicherstadt über die Schulter schauen. Beim Zählen ist mir nicht etwa ein Fehler unterlaufen, sondern Band 1 ist derzeit nicht lieferbar. Aber auch ohne diesen Auftakt ist die historische Krimiserie unbedingt lesenswert.

Leseprobe

Vor dem 1. Frauen Krimi Festival in Rendsburg habe ich mit Anja Marschall ein Interview geführt, in dem sie über die Entstehung der Krimiserie und ihren Recherchen plaudert. Welche Ideen sie für weitere Fortsetzungen hat, hört ihr im

Podcast


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© Frauke Ibs

Die gebürtige Hamburgerin Anja Marschall lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie im Westen Schleswig-Holsteins, wo sie als Journalistin und Autorin arbeitet. Sie initiierte den ersten Krimipreis für Schleswig-Holstein, ist Mitglied im Syndikat sowie Vizepräsidentin der Mörderischen Schwestern. (Quelle: Emons Verlag)


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  • Historischer Kriminalroman
  • Broschur, 304 Seiten
  • Verlag: Emons
  • ISBN 978-3-7408-0296-7
  • erschienen am 15. März 2018

Reihenfolge Serie Hauke Sötje

  • Fortunas Schatten
  • Tod am Nord-Ostsee-Kanal
  • Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal
  • Tod in der Speicherstadt

Ein Gedanke zu “Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal

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