Dithmarschen ist uneins

Der stille Koog von Ilka Dick

Marlene Louven kann erst seit kurzem wieder die Klänge ihrer Umwelt wahrnehmen. Dank einer Operation helfen ihr nun Cochlea Implantate, am Leben teilzunehmen. Sie beschließt einige Zeit bei ihrer Schwester und deren Familie in der idyllischen Gegend in Schleswig-Holstein zu verbringen. Als ein Nachbar tot aufgefunden wird, gerät Marlene unversehens in die Ermittlungen. Für die Kriminalhauptkommissarin ist das eigentlich ein gewohntes Terrain. Schnell muss sie erkennen, wo ihre Grenzen liegen.

Ilka Dick präsentiert mit Der stille Koog einen leisen Kriminalroman, in dem die Protagonistin eigentlich nicht für die Ermittlung zuständig ist. Die 46-jährige hat sich kurz vorher einer schweren Operation unterzogen, um ihr Gehör wieder zu erhalten. Durch eine Krankheit wurde sie taub, was in ihrem Beruf lebensgefährlich sein kann. Die Kommissarin wird unbeabsichtigt in die Ermittlungen hineingezogen, da ihr Schwager zum Kreis der Verdächtigen gehört. Ihre Schwierigkeiten, sich an die Implantate zu gewöhnen und zu improvisieren, wenn nicht alle Töne empfangen werden konnten und damit entscheidende Silben fehlen, werden nachfühlbar geschildert. Marlene muss sich in diese neue Situation eingewöhnen. Ihr starker Wille, aber auch ihre Verletzlichkeit lassen ihre Figur lebendig erscheinen.

Das Marschland um Büsum wird mit seiner Einsamkeit und Vegetation ebenfalls bildhaft geschildert. Dort, wo oft ein kräftiger Wind weht, wird natürlich auch über erneuerbare Energien nachgedacht. Nicht überall finden die großen Rotormaschinen Anklang, vor allem wenn Uneinigkeit über den Bebauungsplan herrscht. Der Zwist zwischen den Bewohnern ist schon nach wenigen Kapiteln spürbar und damit steigt auch die Anzahl an Verdächtigen. Der getötete Bürgermeister hat in mehreren Bereichen bei seinen Mitmenschen angeeckt, sodass es mehrere Motive für den Mord gibt. Der Spannungsbogen steigt in der komplexer werdenden Handlung an. Genügend Wendungen erschweren das vorzeitige Entlarve des Täters durch den Leser.

Der zweite Kriminalroman der norddeutschen Autorin kann mit einem cleveren Plot und einem angenehmen Erzählstil überzeugen. Der Krimi sensibilisiert nicht nur das Thema Gehörlosigkeit, sondern auch die regionalen Belange eines bevölkerungsarmen Dorfes.

Leseprobe

Auf dem 1. Frauen Krimi Festival in Rendsburg war ich mit Ilka Dick verabredet. Einen Teil der Unterhaltung könnt ihr mit anhören:

Podcast



Ilka Dick, 1972 in Lüneburg geboren, studierte Lehramt für Sonderschulen in Hamburg und Bremen. Nach Stationen in Lübeck und Berlin zog es sie auf die Nordseeinsel Amrum. Heute lebt die Autorin mit ihrer fünfköpfigen Familie in einem Dorf im Herzen Schleswig-Holsteins und ist seit vielen Jahren als Sonderschullehrerin für Hörgeschädigte tätig. (Quelle: Emons Verlag)


#Anzeige#

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag
  • erschienen am 21. März 2019
  • ISBN-13:978-3740805036

Ein Gedanke zu “Dithmarschen ist uneins

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.