Auftakt der Inseldetektei

Nordseenebel von Heike Denzau

Raphael Freersen schafft es schon wieder nicht pünktlich zu einem wichtigen Termin mit seiner Familie. Die Testamentseröffnung seines Onkels fand ohne ihn statt. Seinem Vater, dem Kaffeekönig von Flensburg, reicht es: Er versagt seinem Sohn jede weitere finanzielle Unterstützung und schließt ihn auch aus dem Familienunternehmen aus. Raphael hat ein halbes Haus auf Föhr geerbt, wo er nun für seinen Lebensunterhalt selber sorgen soll. Widerwillig lässt er sich darauf ein und reist auf die Nordseeinsel. Überrascht stellt er fest, dass er obendrein eine Detektei geerbt hat und nun Chef von zwei Angestellten ist. Ein offener Fall um eine verschwundene Frau weckt sein Interesse.

Heike Denzau startet mit Nordseenebel die Serie um Privatdetektiv Raphael Freersen. Der Dreißigjährige war im bisherigen Leben einfach Sohn eines wohlhabenden Unternehmers. Sein Tagesablauf bestand daraus, sich in jeder Bar die hübschesten Mädchen zu angeln und sich regelmäßig beim Boxen zu verausgaben. Raphael wohnte in London, wo er im Familienunternehmen keine richtigen Erfolge vorweisen konnte. Den gehobenen Lebensstil finanzierte der Vater, bis ihm das Verhalten seines Sohnes reicht. Die Veränderungen, die der Umzug nach Föhr mit sich bringt und der Zwang, für sein Leben selber sorgen, drängen den Lebemann in eine andere Position. Um den Kontrast noch zu verstärken, hat Raphael einen Zwillingsbruder, der den Beruf des Pastors gewählt hat.

Der Fall um die verschwundene Asiatin wurde von der Polizei nicht mehr weiter verfolgt. Die junge Mutter ist seit einem Jahr verschwunden. In einer Akte findet Raphael Hinweise, die sein Onkel ermittelt hatte. Dieser ist auf demselben Golfplatz plötzlich verstorben, auf dem zwei Verdächtige die Bälle putten. Raphaels Interesse ist geweckt. Auf innovative Weise verschafft er sich Zugang zu Informationen und Wohnungen, immer schon am verkehrten Rand zur Legalität. Der ungeübte Detektiv muss einiges einstecken und nervt manchmal mit seiner blühenden Phantasie, die offensichtlich aus der Luft gegriffen ist. Nicht nur die Polizisten freuen sich, wenn er mal einen Denkzettel bekommt.

Wie es sich für einen Auftakt gehört, werden die Figuren angelegt und mit einem Geheimnis versehen. Das macht natürlich neugierig, wie es mit den Folgebänden weitergeht. Der Erzählstil ist rasant und hält sich nicht mit Beschreibungen der Umgebung auf. Föhr bekommt dennoch genügend Lokalkolorit, sodass man sich sofort auf die Insel versetzt fühlt. Ab und zu schnacken die Einheimischen auch Platt. Der Krimi ist daher ideal, wenn man seine Erinnerungen an den Urlaubsort auffrischen, oder sich einfach spannend unterhalten lassen will.

Leseprobe

Das erste Frauen Krimi Festival in Rendsburg (2.-4. August) nutze ich, um mit der Autorin ein Interview zu führen. Ein paar Minuten hört ihr hier:

Podcast

© Fotostudio Freiraum Glückstadt


Heike Denzau, Jahrgang 1963, ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in dem kleinen Störort Wewelsfleth in Schleswig-Holstein. Beim KrimiNordica Award 2015 erlangte sie den zweiten Platz in der Kategorie »Story«. Ihr Kriminalroman »Die Tote am Deich« war nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis 2012 in der Sparte Debüt. Es folgten zahlreiche Kriminalromane. Heike Denzau veröffentlicht außerdem humorvolle Liebesromane. (Quelle: Emons Verlag)


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  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag
  • erschienen am 23. Mai 2019
  • ISBN-13: 978-3740805012

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