Licht und Schatten in der Weltraumforschung

Space Girls von Maiken Nielsen

Am 20. Juli 1969 betrat der erste Mensch den Mond. Diesen kleinen Schritt des Menschen, der einen so großen Schritt für die Menschheit bedeutet, wurde von 528 Millionen Zuschauern verfolgt. Maiken Nielsen hat sich in ihrem Roman einem anderen Projekt gewidmet. Sie erzählt darüber, dass es 13 Frauen gab, die geeigneter waren, die Belastung eines Weltraumflugs auszuhalten und dennoch übergangen wurden.

Martha ist jung und liebt das Zeichnen. Sie ist in den Schauspieler Paul verliebt. Als sie schwanger wird, zerbricht die Beziehung. Zudem fordert der ausbrechende Zweite Weltkrieg Veränderung. Immer mehr Juden müssen in Deutschland um ihr Leben fürchten und ziehen ins Ausland. Marthas Mutter ist Französin. Sie beschließt also, zu ihren Eltern nach Paris zu gehen. Doch auch dort wurden die ersten Familien bereits deportiert. Unter dem Mädchennamen ihrer Mutter flüchtet sie in den Lubéron, wo sie auf dem Hof einer Familie aufgenommen wird. Ihre Tochter Juni wächst unbeschwerte Jahre als Französin auf. Als 1942 auch der freie Süden von den Deutschen besetzt wird und nach Exilanten gesucht wird, organisiert Martha eine Überfahrt in die USA. Sie lernen Benjamin Leroy kennen, der die junge Mutter mit ihrer Tochter ein Heim in New Orleans gibt. Martha versucht erneut, mit ihrer Tochter ein Leben aufzubauen. Auch fern der Heimat hat sie Angst, als Deutsche entdeckt zu werden.

Ein Nebenstrang der Geschichte erzählt von der Zwangsarbeit im Deutschen Reich. Martha bekommt heraus, dass ihr Vater dabei sein Leben lassen musste. Der Ingenieur und Raketenbauer Wernher von Braun ließ die Menschen in unwürdigen Bedingungen für sich arbeiten. Ihre Wut auf den inzwischen in den USA gefeierten Wissenschaftler ist unbändig. In ihr wächst der Plan, sich an ihm zu rächen. Der Offizier Bill Sloane soll ihr mit einer Aussage vor Gericht dabei helfen.

„Das Böse existiert neben dem Guten.“

Währenddessen begeistert sich Juni fürs Fliegen. Das lebhafte Kind möchte ganz hoch hinaus. Als die NASA auch weibliche Astronauten sucht, stellt sie sich dem Mercurytest. Tatsächlich konnten die 13 teilnehmenden Frauen bessere Ergebnisse als die Männer erzielen. Was Juni nicht ahnt: Es schmerzt ihre Mutter, dass sich die eigene Tochter dem Raketenprojekt von Wernher von Braun anschließen will. Junis Träume sind der Alptraum ihrer Mutter. Zwischen den beiden herrscht Schweigen als Juni sich dem Projekt anschließt und an diversen Tests in den Laboren der NASA teilnimmt.

Die flugbegeisterte Autorin zeigt in ihrem aktuellen Roman die Ungerechtigkeit auf, die in den 60-er Jahren zwischen Männern und Frauen gerade im Bereich der Technik bestand. Sie zeichnet die damalige Auffassung der sozialen Strukturen nach, die in den USA fest in Traditionen verankert waren. Fähige Pilotinnen wie Jerry Cobb und Janey Hart mussten deutlich mehr leisten als ihre männlichen Kollegen und wurden dennoch nicht berücksichtigt. Nielsen zeigt diese Ungerechtigkeit auf und lässt die empfundene Diskriminierung spüren. Die Charaktere, die sich aus fiktiven und realen Personen zusammensetzen, sind lebendig dargestellt. Die kraftvolle Erzählweise zieht bereits nach den ersten Seiten in den Bann, sodass das Buch wieder viel zu schnell ausgelesen war. Wie schon in den früheren Romanen erzählt die Autorin einen relativ unbeachteten Teil Zeitgeschichte, der durch die verwebten Lebensläufe beim Leser Emotionen weckt. Dieser große Schritt der Menschheit, wie ihn Neil Armstrong bezeichnete, ist eben nicht nur Grund zum Jubeln. Er bedeutete für diese Frauen eine enorme körperliche und seelische Belastung. Die unendlichen Weiten des Weltraums hatten hier unpassierbare Schranken.

Leseprobe

Zu diesem Roman gibt es auch einen Lesungsbericht.


© Sabrina Adeline Nagel

Maiken Nielsen wurde 1965 in Hamburg geboren. Einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte sie auf Frachtschiffen und wurde dort von ihren Eltern unterrichtet. Sie absolvierte ihr Abitur in Hamburg und reiste danach ein Jahr lang per Anhalter durch Europa. Im Anschluss an diese Reise studierte sie unter anderem Linguistik in Aix-en-Provence. Sie liest und spricht sechs Sprachen. Seit 1996 arbeitet Maiken Nielsen als Autorin, Reporterin und Rundfunksprecherin für das NDR Fernsehen. Sie dreht TV-Dokumentationen („Als die Sturmflut nach Hamburg kam“, „Geraubte Leben- Europa im KZ Neuengamme“) und schreibt Romane. (Quelle: stories!)


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  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Wunderlich
  • erschienen am 21. Mai 2019
  • ISBN-13: 978-3805203319

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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