Lisa Sanders löst ihren fünften Fall

Küstenzorn von Angelika Svensson

Katharina ist aus Angst vor ihrem Ex-Freund von Eutin nach Heiligenhafen gezogen. Offiziell behauptet sie, sie wollte näher bei ihrem demenzkranken Vater wohnen. Nur ihre Freundin Uta kennt den wahren Grund. Ihrer Nachbarin hat sie nichts von der Gefahr erzählt, die von Thorben Fenske ausgeht. Von daher dachte diese sich nichts dabei als sie den Heizungsmonteur in Katharinas Abwesenheit in die Wohnung ließ. Er hinterlässt ihr deutliche Zeichen, dass sie ihm nicht so einfach entkommen könne. Gemeinsam mit Ute stellt sie ihn zur Rede. Als Ute ein paar Tage später verschwunden ist, bittet Katharina die Polizei um Hilfe. Diese sind aber gerade mit der Ermittlung in einem Mordfall beschäftigt. Der Tote ist Thorben Fenske.

In diesem fünften Band um die Kieler Kriminalpolizistin Lisa Sanders geht es um nicht nur um die Aufklärung eines Mordes, sondern auch um das Delikt Nachstellung. Erst im Jahr 2007 wurde das Gesetz eingeführt und bot so den Opfern die Möglichkeit, sich der Willkür der Täter unter gewissen Bedingungen zu schützen. Katharina wechselte sowohl den Wohnort als auch die Arbeitsstelle und entzog sich zumindest zeitweise dem Einfluss ihres Ex-Partners. Ihre latent immer vorhandene Angst ist für den Leser spürbar. Ihre Handlungen sind nicht immer besonnen, aber durch die emotionale Belastung durchaus plausibel. Ebenso werden die weiteren Nebenfiguren beschrieben, wie Anna, die in einer unglücklichen Ehe lebt und ihr Ehemann Harald, der sich gedemütigt fühlt und einen Groll hegt. Die scheinbar unabhängigen Handlungsstränge fügen sich zum Schluss zu einem abgerundeten Gesamtbild.

Der fünfte Teil einer Krimiserie bedeutet in den meisten Fällen, dass die Entwicklung der Protagonisten schon weiter vorangeschritten ist. Lisa ist kein einfacher Charakter, sondern sorgt mit ihrem Eigensinn öfter für Überraschungen. Die junge Frau hat auch berufliche Ziele, die sie verfolgt. Von daher ist der Disput mit ihrer neuen Kollegin vorprogrammiert. Diese macht ihr nämlich schon am ersten Tag den ausgeschriebenen Chefposten streitig. Lisa ist aber nicht nur Kommissarin, sondern auch Frau. Gemeinsam mit dem Staatsanwalt Fehrbach tastet sie sich langsam an eine feste Beziehung heran. Beide brauchen Freiraum, sodass auch hier spannungshebende Missverständnisse entstehen.

Die Gegend um Kiel bietet einige Schauplätze, in denen man Menschen verstecken könnte. Ein Fan von diesen sogenannten Lost Places wie ein Gehöft an der Geltinger Bucht oder der Grenzturm Schlutup an der ehemaligen innerdeutschen Grenze würde hier genügend Spielraum finden. Für das Opfer bedeutet das die größtmögliche Abhängigkeit vom Täter in der Versorgung. In diesem Fall wird der Stress erhöht, weil der Täter selber ein Mordopfer geworden ist. Angelika Svensson versetzt ihre Figuren in Ausnahmesituationen und steigert dabei stetig das Erzähltempo. Außerdem wählt sie die eigentlich besinnliche Weihnachtswoche für ihre Handlung. So stellt sie sicher, dass die Menschen lieber zu Hause bei ihrer Familie sein wollen und eben nicht zufällig über die Straftaten stolpern. Es herrscht ein frostiges Klima, das ausgezeichnet zur beschriebenen Situation passt.

Küstenzorn ist ohne jegliche Kenntnis der vier Vorgänger zu lesen. Die Handlungsstränge werden am Ende überraschend und glaubhaft aufgelöst und wecken das Bedürfnis, nun die gesamte Serie nachzuholen, bevor der sechste Teil im nächsten Jahr erscheint.

Leseprobe

Beim 1. Frauen Krimi Festival in Rendsburg hatte ich Gelegenheit, mit der Autorin über das Schreiben und einige andere Dinge zu sprechen. Ihr hört einen Teil davon im

Podcast

© Maya Meiners Photographie

Angelika Svensson ist das Pseudonym der Krimiautorin Angelika Waitschies. Die Autorin wurde in Hamburg geboren und lebt heute in Schleswig-Holstein. Nach der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin begann sie 1972 ihre berufliche Tätigkeit beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Ihre Stationen innerhalb des NDR führten sie in unterschiedliche Bereiche, so auch in die Abteilung Unterhaltung/Fernsehspiel, wo sie auf Produktionsseite an der Entstehung vieler Shows und Krimis mitgewirkt hat. Mittlerweile ist die Autorin freiberuflich tätig. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)

Angelika Svensson ist Mitglied im »Syndikat« und bei den »Mörderischen Schwestern«.


Reihenfolge der Serie:

  1. Kiellinie
  2. Kielgang
  3. Wassersarg
  4. Küstentod
  5. Küstenzorn

#Anzeige#

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Knaur TB
  • erschienen am 1. März 2019
  • ISBN-13: 978-3426523360

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Droemer Knaur Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Ein Gedanke zu “Lisa Sanders löst ihren fünften Fall

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.