Ben Kitto kehrt zurück

Nachts schweigt das Meer von Kate Penrose

Detective Inspector Benesek Kitto kehrt nach einigen Jahren, in denen er in London als Ermittler tätig war, auf seine Heimatinsel Bryher zurück. Eigentlich sucht er nach dem traumatischen Vorfall, bei dem seine Kollegin ums Leben kam, erholsame Ruhe. Sein Onkel Ray benötigt Hilfe beim Bootsbau, sodass er eigentlich über seine weitere berufliche Karriere nachdenken könnte. Aber seine Ankunft fällt mit dem Auffinden einer Leiche vor den Klippen der Scilly-Inseln zusammen. Die 16-jährige Laura wurde offenbar ermordet. Auf einer Insel, von der täglich nur wenige Boote übersetzen, sollte der Täter leicht zu finden sein. Der zuständige Ermittler hat aber weder Erfahrung noch genügend Kapazität, um in kurzer Zeit alle Verdächtigen zu befragen. Er bittet Ben um Hilfe.

In der Ich-Form lässt Kate Penrose ihren Protagonisten erzählen. Sie lässt dabei nicht im Unklaren, dass Ben ein Erlebnis in London hatte, bei dem etwas passierte, über das er erst hinwegkommen muss. Im Schlepptau hat er einen irischen Wolfshund, der vorher der verstorbenen Kollegin gehörte und um den er sich nun kümmern muss. Es fällt ihm schwer, eine Beziehung zu dem Tier aufzubauen. Die Insel kennt er wie seine Westentasche, was die Ermittlung zwar erleichtert, aber öfter ertappt man ihn doch dabei, dass er persönliche Erfahrungen in seine Rückschlüsse einfließen lässt. Ausgerechnet von seinem Jugendschwarm ist die Tochter getötet worden. Systematisch versucht er, die 48 Verdächtigen auszuschließen, bis zum Schluss nur noch eine Handvoll übrig bleibt. Trotz des Wettlaufs mit der Zeit, den Mörder zu stellen, bevor er mit der nächsten Fähre untertauchen kann, liest sich der Krimi eher gemächlich.

Die Nebenfiguren wurden so angelegt, dass sie durchaus in den Folgebänden eine Rolle bekommen könnten. Ray als Onkel und Bootsbauer ist nicht uninteressant und ebenso Zoe, Bens beste Freundin aus Schulzeiten, die sich irgendwie nie richtig in die Inselgemeinschaft angepasst hat. Als Nebenhandlung lernt Ben die attraktive Nina kennen und lieben. Ihre Zeit als Paar ist allerdings begrenzt, da beide seelischen Ballast mit sich herumtragen. Ein weiteres Treffen ist durchaus vorstellbar. Da es auf den Inseln aber nur eine überschaubare Anzahl an Bewohnern gibt, ist es schwierig, einen hohen Spannungsbogen zu ziehen. Der Krimi ist daher etwas für Leser, denen weniger Action genug ist.

Die Scilli-Inseln liegen 45 Kilometer westlich von Cornwall und sind per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Die Umgebung zeichnet die britische Autorin farbig, sodass man sich beim Lesen die schroffen Klippen, die weißen Strände und das wogende Meer vorstellen kann. Im beschriebenen Wintermonat wirkt es nicht gerade einladend. Allerdings ist es die richtige Kulisse, um ein junges Mädchen tot auffinden zu lassen. Der wortkarge Menschenschlag trägt ebenfalls zu dieser düsteren Stimmung bei. Der Schreibstil ist überwiegend der unaufgeregten Handlung angepasst, bevor sich die Ereignisse zum Ende hin überstürzen. Plötzlich fallen alle Hinweise zu einem deutlichen Bild zusammen und es geht um Minuten. Die Serie wird im Januar 2020 mit dem Fall Dunkel leuchten die Klippen fortgesetzt, auf den ich mich jetzt schon freue.

Leseprobe

Kate Penrose kennt die Scilly-Inseln vor der Küste Cornwalls wie ihre Westentasche. Seit Kindertagen verbringt sie fast jeden Sommer dort und ist jedes Mal aufs Neue fasziniert von dem atemberaubenden Naturparadies. Die Idee für eine Krimiserie mit diesem einzigartigen Schauplatz kam ihr spontan bei einem Restaurantbesuch, und aus ein paar hastig hingekritzelten Stichworten auf der Speisekarte wurde einige Monate später der erste Insel-Krimi. Kate Penrose, die auch unter dem Namen Kate Rhodes schreibt, lebt mit ihrem Mann, dem Autor David Pescod, in Cambridge am Ufer des River Cam. (Quelle: Fischer Verlage)


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  • Broschiert: 464 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch
  • erschienen am 22. Mai 2019
  • ISBN-13: 978-3596703494
  • Originaltitel: Hell Bay (by Kate Rhodes)

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Fischer Verlag über #NetgalleyDE zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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