Der Papst, Gianna Nannini und der Tod

Tante Poldi und die schwarze Madonna von Mario Giordano

Isolde Oberreiter, auch als Tante Poldi bekannt, bekommt es erneut mit der Polizei zu tun. Dieses mal wird sie allerdings nicht um Hilfe gebeten, sondern gerät vielmehr selber unter Verdacht. In Rom ist eine junge Ordensschwester von einem Dach gestürzt und während eines Exorzismus sprach sogar der Dämon ein astreines bayerisch. Für Poldi ist das Grund genug, selbst nach Rom zu reisen und die Hintergründe herauszufinden. Kommissar Vito Montana hält das für keine gute Idee, weiß er doch um die Gefährlichkeit der Madonna Nera. Auch in der Via Baronessa scheint es einige zu geben, die sich keine Einmischung in die Machenschaften wünschen. Aber Poldi beeindrucken eben keine Drohbriefe, die im maroden Deutsch verfasst sind. Selbstbewusst klärt sie den Fall auf, wobei die Formel für Glück (Realität minus Erwartung) ganz schön beansprucht werden muss.

Mario Giordano schickt seine urbayerische Ermittlerin erneut in einen verzwickten Fall, den sie nur mit trickreichem Um-die-Ecke-Denken lösen kann. Das bedeutet natürlich auch, dass die perücketragende Noch-Sechzigjährige auch genügend Gelegenheit bekommt, in ihrer Muttersprache zu fluchen. In diesem vierten Band bekommt es Poldi aber gleich mit zwei mächtigen Institutionen zu tun: dem Vatikan und der Mafia. Da die Geschichte dem Neffen als Rückblick erzählt wird, braucht man wohl keine Angst zu haben, dass es Poldi erwischt. Dennoch reizt sie den P.O.L.D.I., den Progressiven-Oberreiter-Lügen-und-Drama-Index, voll aus. Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, damit Montana sich keine Sorgen macht und Drama gibt es ja immer. Nur der Tod scheint mit seiner Liste auf dem Klemmbrett die Ruhe weg zu haben.

Gleichzeitig wird die Atmosphäre Siziliens verbreitet. Die Kulisse ist in diesem Krimi nicht nur schmückendes Hintergrundbild, sondern verkörpert das dortige Lebensgefühl. Poldi hat die Kultur und die Gewohnheiten perfekt übernommen. Ihre Ausbrüche in bayerischer Mundart stören das Lokalkolorit keineswegs, sondern erhöhen das Tempo in den Dialogen. Der humorvolle Schreibstil passt dazu perfekt. Poldi ist eine sympathische Protagonistin, der Gianna Nannini ihren Song Latin Lover gewidmet hat. Mit dieser Melodie im Ohr kann man sich die Poldi übrigens noch besser vorstellen. Die Nebenfiguren haben ebenfalls alle ihre Eigenarten, die sie liebenswert machen. Im vierten Band einer Serie trifft man natürlich ein paar Bekannte aus den Vorgängern, was aber nicht unbedingt die Kenntnis derer voraussetzt. Die Handlungen sind in sich abgeschlossen.

Die Mischung dieses unblutigen Krimis zwischen Spannung, Memoiren und einer großen Portion Lebenshunger macht Tante Poldi zu einer lesenswerten Ermittlerin. Man kann sich von der Handlung einfach einwickeln lassen. Manche Aktionen sind nämlich so bizarr, dass sie in der Realität hoffentlich niemals vorkommen. Aber genau das macht diese Serie aus. Wie Poldi schon sagt: „Dezenz ist Schwäche.“ Namaste.

Leseprobe

© FinePic


Mario Giordano ist am 30.5.1963 in München geboren. Studierte Psychologie in Düsseldorf. Lebt in Berlin. Schreibt seit 1992 Romane, Drehbücher, Kinder- und Jugendbücher. (Quelle: Homepage des Autors)


#Anzeige#

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Ehrenwirth
  • erschienen am 29. März 2019
  • ISBN-13: 978-3431041156
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

2 Gedanken zu “Der Papst, Gianna Nannini und der Tod

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.