Influencer auf dem Buchmarkt

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Noch vor ein paar Jahren las man über neu erschienene Bücher ausschließlich im #Feuilleton der renommierten Tageszeitungen. Erfahrene Kritiker widmeten sich der Analyse des Werkes und wiesen die laienhaften Leser auf eventuelle Mankos hin. Als ich eine solche Buchkritik das erste Mal las, befürchtete ich, dass ich das Buch wohl nicht verstehen würde, wenn schon die Rezension so kompliziert formuliert sei. Eine Parallele zu den Bemerkungen in meiner Kladde, die ich nach jedem gelesenen Buch machte, zog ich dabei nicht. Das kam erst zwei Jahrzehnte später, als die ersten Online-Shops eine Plattform für Bewertungen boten. Inzwischen ist der Begriff Influencer in den verschiedensten Branchen zu finden.

Was ist überhaupt ein Influencer?

Laut Definition sind Influencer (to influence engl. beeinflussen) Meinungsmacher, die in sozialen Netzwerken aktiv sind und eine gewisse Anzahl an loyalen Follower haben. Durch sie soll mehr Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Produkt generiert werden. Ihre Reichweite und die Interaktionsrate machen dabei den Preis und den Wert des Posts aus. Sie sind also Botschafter für Produkte und Dienstleistungen.

Der Wandel von der herkömmlichen Printausgabe der Zeitungen und Magazine zur digitalen Welt, in der man online alles abrufen und mittels der sozialen Medien wie Facebook oder Instagram sofort über ein Thema kommunizieren kann, ermöglicht auch weitreichendere Marketing-Strategien. Zielgruppengenau und vor allem schnell lassen sich nun die Informationen platzieren, sei es nun der Erscheinungstermin für ein neues Buch oder gleich die neueste Rezension. Das alles kennen wir seit Jahren. Worin unterscheidet sind nun also ein Rezensent mit eigenem Blog von einem Influencer auf dem Buchmarkt?

Die Charaktereigenschaften des typischen Bloggers:

  • leidenschaftlicher Umgang mit seinem Thema
  • guter schriftlicher Ausdruck
  • Mehrwert vermitteln und Vergleiche anstellen
  • Neugier auf Neues und Spaß am Ausprobieren

Soweit unterscheiden sich also der Blogger nicht von Influencern. Das entscheidende Merkmal ist also die Reichweite.

Nur gut schreiben reicht nicht. Man muss auch sichtbar sein.

Je mehr Leser dem Blog folgen, desto eher hat der Influencer mit seinen Empfehlungen die Möglichkeit, auf den Markt Einfluss zu nehmen. Das ist natürlich für Verlage und Autoren interessant, die somit die Information über das Buch in kürzester Zeit zielgruppengenau anbieten können. Top-Rezensenten bekommen oft mehr Leseexemplare als sie lesen können. Hört sich toll an? Der Titel Influencer bringt aber auch Nachteile mit sich.

Leser lieben die regelmäßigen Nachrichten. Man muss also mehr Zeit investieren als beim privaten Posten. Im Fachjargon nennt man das Content produzieren. Doch wie kommt man an diesen nachrichtlichen Mehrwert, den die Leser nicht auch über das Abonnieren der Verlagsnewsletter erhalten? Da hat jeder seine eigenen Geheimnisse und der Umfang für dieses Thema ist auch einen eigenen Beitrag wert.

So viel vorweg: Schreibt man zu einseitig, zum Beispiel immer nur über Bücher eines einzigen Verlags, leidet schnell die Glaubwürdigkeit des Bloggers. Man unterstellt ihm dann, seine Berichte durch die Bezahlung wohlwollender zu formulieren als es der Inhalt hergeben würde. Nun haben Verlage aber auch ein Programm, das sie auf dem Markt etabliert hat. Mein favorisiertes Genre finde ich also auch häufig bei den üblichen Verdächtigen.

Vom Blogger zum Influencer

Wenn beim Buchblog der einzige Unterschied in der Anzahl der Follower auf den diversen Kanälen des Social Medias besteht, muss man sich also auf diesem Gebiet Gedanken machen, wie man das optimiert, um aus der Menge der Buchblogger zum gefragten Influencer zu werden.

  • Die sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram gehören zum Standard, um die Beiträge des Blogs sichtbar zu machen. Die Kanäle sind kostenlos und man lernt in Gruppen andere Rezensenten kennen, mit denen man sich vernetzen kann. Gemeinsame Berichte bereichern nicht nur die eigene Seite, sondern vermeiden auch den ewigen „Einheitsbrei“ der eigenen Schreibweise.
  • Wer sich traut, beschäftigt sich mit Youtube. Bewegtbilder haben in der letzten Zeit an Attraktivität zugelegt, sodass man in kurzer Zeit viele Abonnenten gewinnt.
  • Ist das Bild nicht das richtige, wäre vielleicht ein Podcast die Alternative. Da müssen die Follower auch nicht selber lesen, sondern können mal eben schnell die Beiträge unterwegs auf dem Smartphone abhören. Wollen sie einen Kommentar hinterlassen, geht es zur Zeit allerdings doch nur wieder schriftlich unterm Post.

Deutlich ist zu erkennen, dass einfach nur ein paar geschriebene Artikel nicht mehr  ausreichen, um sich aus der Masse der Blogger abzuheben. Selbst stilistisch einwandfreie Texte finden oft nicht annähernd so viel Beachtung, wie sie es verdient hätten. Somit nimmt nicht mal jeder gutgeschriebene Blog so viel Einfluss, dass er für die Verlage interessant wirkt. Betrachtet man mal die Liste der Literaturblogs, die in Deutschland als Influencer anerkannt sind, fällt sofort auf, dass hier die Millionen Follower, wie in der Modebranche üblich, fehlen. Dennoch sind sie bei allen, die sich mit Büchern beschäftigen so bekannt, dass man ungefähr eine Ahnung bekommt, wieviel Zeit und Herzblut in einem solchen Blog stecken.

Welche Erwartungen werden gestellt?

Wie oft soll ich über Bücher berichten, dass es nicht als Spam eingestuft wird? Täglich? Das glaubt mir keiner. Nur sonntags? Dann verschwinde ich in der Masse der Veröffentlichungen. Schon vor dem Erscheinungstermin des Buches? Auf keinen Fall!

Was und wieviel schreibe ich, wenn mir das Buch nicht gefällt? Auch darüber sollte man sich Gedanken machen, wenn man eine große Anzahl an Follower hat. Ist meine Meinung tatsächlich das Maß aller Dinge, auch wenn mir ein paar Tausend Leser folgen? Oder ist bei einer negativen Äußerung die objektive Betrachtung umso wichtiger?

Wieviel darf ich überhaupt verraten, damit ich einen Mehrwert biete? Keiner würde einen Krimi lesen, dessen Mörder bereits bekannt ist. Manche Antworten liegen auf der Hand, auf andere kommt man sicher nach intensivem Nachdenken. Von Buch zu Buch kann das ebenfalls differieren. Manche Themen drängen sich förmlich auf, dafür eine außergewöhnliche Aktion zu machen. Genau dieses Außergewöhnliche lockt dann die Leser an und vergrößert den Kreis der Follower. Ist man deswegen aber gleich ein Influencer? Na, vielleicht für ein paar Leser, die sonst nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden wären.

Spätestens jetzt sollte jedem aufgefallen sein, dass man bei Büchern einen anderen Maßstab an den Influencer anlegen muss als in der Mode- oder Kosmetikindustrie. Allein das Beschäftigen mit dem Produkt Buch erfordert mehr Zeit als beispielsweise für eine Sonnenbrille oder einen Lippenstift. Wir lesen das Buch und schreiben unsere Meinung auf. Einige stellen auf kreative Weise eine Visualisierung zusammen, damit die Leser auf einen Blick sehen, welche Themen behandelt werden. Anschließend bereiten wir die Beiträge für die verschiedenen Formate des sozialen Netzwerkes auf. Bei diesem Zeitaufwand reduziert sich die Zahl der Veröffentlichungen von ganz allein. Das muss zwar keinen Einfluss auf die Präsenz haben, stellt aber auf alle Fälle eine Hürde dar, die clever überwunden werden muss, zumal eine Umfrage ergab, dass lediglich 19 % aller Follower einem Blog für Kunst und Kultur folgen.

Fazit

Die Eingangsfrage kann also bezogen auf einen Literaturblog nur individuell beantwortet werden. Jeder muss selber für sich entscheiden, wie viele Leser er mit seinem Blog auf bestimmte Veröffentlichungen auf dem Buchmarkt lenken will. Für mich steht Qualität vor Quantität und eine gewisse Unabhängigkeit möchte ich mir auch erhalten.

Die von mir nur kurz angerissenen Themen bieten noch weit mehr Aspekte, die intensiver betrachtet werden könnten. Das Buch Influencer Relations von Annika Schach und Timo Lommatzsch (2018 erschienen bei Springer Gabler) gibt einen guten Überblick und enthält sämtliche Grundlagen für diejenigen, die mit Influencern zusammenarbeiten wollen sowie derer, die das Ziel haben, selbst diese Bezeichnung tragen zu wollen. Ich nehme es immer wieder gerne zur Hand.

Ein paar Dinge muss man übrigens beim Plaudern über Produkte beachten.

Anzeige: Dieser redaktionell aufbereitete Artikel enthält Werbung und ist im Rahmen der Kampagne Experts-Programm von News Republic über trusted Blogs entstanden. Daher bin ich verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen. Der Inhalt und meine Meinung wurden dadurch nicht beeinflusst.
Weitere Infos:
www.trusted-blogs.com/werbekennzeichnung

8 Gedanken zu “Influencer auf dem Buchmarkt

  1. Manuela Hahn schreibt:

    Influencer haben viel mehr Stress, als der einfache Blogger und sie stehen sehr im Rampenlicht. Ein kleiner Fehler kann verheerende Folgen haben, bis hin zum Ruin des Blogs.
    Da behalte ich meinen Blog lieber als das was er ist, ein Hobby.

    Gefällt 1 Person

    • frauGoetheliest schreibt:

      Das ist sicher auch ein wichtiger Aspekt, wenn Stress auch individuell wahrgenommen wird. Manch einer kommt schon ins Schwitzen, wenn er seinen wöchentlichen Beitrag am Abend zuvor noch nicht fertig hat, der andere benötigt genau diesen Druck, um produktiv zu werden.

      Als Influencer hat man natürlich mehr Verantwortung, was man schreibt. Bei der Recherche sind mir vor allem im Bereich Reiseblog einige Fehler aufgefallen, die allerdings für Literatur überhaupt nicht gelten. Von daher habe ich das Thema „Blog vom Netz nehmen“ ausgesparrt. Manche Punkte sind ein Loch ohne Boden.

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  2. Mikka Liest schreibt:

    Hallo,

    ich kann mich auch noch gut an eine Zeit erinnern, in der mir die Bücher, die im Feuilleton besprochen wurden, fast unerreichbar schienen – Literatur in so schwindelerregender Höhe, dass ich auch als gelernte Buchhändlerin kaum eine Chance hatte.

    Ins Bloggen bin ich 2012 eher zufällig gestolpert. Mir war erst gar nicht bewusst, dass es Buchblogs gibt. Ich schrieb anfangs nur Kurzmeinungen auf meiner damaligen Website, ohne mich in irgendeiner Form zu vernetzen, das kam erst später.

    Als „Influencer“ sehe ich mich immer noch ungerne. Ich will den Markt gar nicht beeinflussen und auch kein Botschafter für das PRODUKT Buch sein, sondern ein Botschafter für die Liebe zur Literatur. Klingt abgedroschen, aber so empfinde ich das.

    Dennoch bin ich auch auf Facebook, Twitter und Instagram unterwegs, weil ich dort eben Gleichgesinnte erreichen kann – die Leseratten und Bücherwürmer, für die Bücher ein wichtiger Teil ihres Lebens sind.

    LG,
    Mikka

    Gefällt 1 Person

    • frauGoetheliest schreibt:

      Hallo Mikka,
      danke für die ausführliche Antwort.
      In der Tat schreiben viele ihre Meinungen über Bücher, ohne Ambition, als Influencer die Messen beeinflussen zu wollen. Die breite Masse der Blogger erreicht auch gar nicht so viele Leser, dass die Auflage des Buches signifikant steigt. Als Buchhändlerin hast du vermutlich viel mehr Einfluss.
      Ich glaube außerdem, dass genau da der Unterschied zu anderen Produktbereichen zu finden ist. Es gibt sehr viel mehr Leute, die in der Hoffnung ihre neuen Turnschuhe posten, mit dem Foto Geld zu verdienen. Ein Buchblogger sieht in den allermeisten Fällen den Austausch mit anderen Lesern im Vordergrund. Das Produkt Buch haben sie ja oft schon kostenlos bekommen. Es ist also ein ganz anderer Aspekt im Vordergrund.

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  3. Der Büchernarr schreibt:

    Ich denke ebenso wie Mikka, dass Buchblogger eher keine Influencer sind – so wie viele andere Blogger, die eher in der Nische agieren. Den sozialen Medien habe ich nun schon seit geraumer Zeit den Rücken gekehrt, denn kostenlos ist es nicht, wenn man dort unterwegs ist.

    Gefällt 1 Person

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