Kaffeeschmuggel und eine Anklage

Mechthild Borrmann liest aus Grenzgänger

Am Samstag, 23. Februar 2019, las Mechthild Borrmann aus ihrem aktuellen historischen Roman Grenzgänger bei Thalia im Hamburger Tibarg. Auffällig war sofort die Aufstellung der Stühle. Man hatte von jedem Platz eine gute Sicht auf die Autorin. Auf die kurze Begrüßung durch die Filialleitung stiegen wir auch gleich in die Geschichte um Henni ein. Die Protagonistin aus Grenzgänger hat sich vor Gericht zu verantworten.

Erst nach der Einführung in diese Situation wurde das Publikum begrüßt. Das atemlose Schweigen zeugte bereits von einem Spannungsaufbau. Jeder wollte nun hören, was dem armen Mädchen zur Last gelegt wurde. Das erfuhren wir leider nicht. Stattdessen wurden andere Figuren vorgestellt, die nicht minder Aufregendes zu bieten hatten. Wir hörten von Thomas, der zögert, zum Gerichtstermin zu fahren. Er erinnert sich an seine Flucht mit Matthias, als sie auf dem Weg nach Italien von Aachen bis nach Nürnberg schaffen und dort in einer Lehrwerkstatt ein Zuhause finden. Es geht auch um den Kaffeeschmuggel an der Deutsch-Belgischen Grenze, der in den 50er Jahren begann und im Laufe der Zeit für einige Schmuggler und Zöllner tödlich endete.

Nach einem weiteren Abschnitt fanden wir uns in der Nachkriegszeit bei den Schönings zu Hause, in dem sich die Angeklagte fürsorglich um ihre drei jüngeren Geschwister kümmert. Sie hat nicht viel zur Verfügung, um alle zu versorgen. Es war ganz gewiss eine schwere Zeit. Das wird in der ausgewählten Lesestelle deutlich und bietet auch im Anschluss noch Diskussionspotential zur Recherche. Die Romanidee entstand durch ein zufällig auf dem Flohmarkt erstandenen Fotoalbum. Borrmann verriet, dass sie sich rund sechs Wochen vor Ort in der Gegend der Venn aufgehalten und mit Zeitzeugen gesprochen habe. So sammelten sich die Erlebnisse für Henni, der fiktiven Figur, die die wahre Geschichte verdeutlichte.

Etwas mehr als eine Stunde dauerte der Vortrag, bevor sich die Gelegenheit für Fragen bot. Deutlich war zu spüren, dass sich jeder Besucher mit den gehörten Erlebnissen auseinandersetzte. Der Vortrag war nicht nur vom Lesen perfekt. Die ausgewählten Stellen machten neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung. Ich werde nicht nur das Buch lesen, sondern auch ganz sicher noch eine weitere Gelegenheit zum Besuch einer Lesung nutzen. Ein Dank muss auch an die Organisation der Veranstaltung gehen. Alle Beteiligten haben dazu beigetragen, dass wir uns wohlfühlten.

Über ein nächstes Buch wurde uns noch nichts verraten. Es werden gerade Ideen gesammelt. Für mich war es ja schonmal beruhigend, dass es ein weiteres Buch geben wird.

Leseprobe

© Thomas Gebauer

Mechtild Borrmann, Jahrgang 1960, verbrachte ihre Kindheit und Jugend am Niederrhein. Bevor sie sich dem Schreiben von Kriminalromanen widmete, war sie u.a. als Tanz- und Theaterpädagogin und Gastronomin tätig. Mit „Wer das Schweigen bricht“ schrieb sie einen Bestseller, der mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde und wochenlang auf der KrimiZeit-Bestenliste zu finden war. Für den „Geiger“ wurde Mechtild Borrmann als erste deutsche Autorin mit dem renommierten französischen Publikumspreis „Grand Prix des Lectrices“ der Zeitschrift Elle ausgezeichnet. 2015 wurde sie mit „Die andere Hälfte der Hoffnung“ für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Mechtild Borrmann lebt als freie Schriftstellerin in Bielefeld. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)


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  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Droemer HC
  • erschienen am 1. Oktober 2018
  • ISBN-13: 978-3426281796

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