Adel verpflichtet

Schund & Sühne von Anne Basener

Kat gewinnt ein Literaturstipendium. Als Autorin von Groschenromanen, die wöchentlich das Liebesleben der Fürsten beschreibt, darf sie sich nun einige Monate auf Schloss Rosenbrunn dem Schreiben widmen. Sie wohnt daher im Kavaliershaus und lernt nach und nach die blaublütige Familie kennen. Auf dem Prinzen Valu lastet die Sorge für die Erbfolge. Falls er keine Nachkommen zeugt, endet die Linie der Schell zu Ohlen bei ihm. Aber Valu interessiert sich einfach nicht für Frauen. Seine Schwester hingegen scheint sich wieder einmal in den falschen Mann verliebt zu haben. Nachdem schon aus der Heirat mit Prinz Harry nichts geworden ist, hat es ihr nun der Biologe Moritz mit der genialen Geschäftsidee zur Rosenzucht angetan. Als es mit der Liebe nicht so richtig klappen will, flüchtet sie sich in ihre zweite Leidenschaft: dem Jagen von Rotwild.

Die Sorgen der Familienmitglieder werden nach und nach durch humorvolle Dialoge und Beschreibungen der teilweise bizarren Eigenheiten näher gebracht. Anna Basener, der bereits für den ersten Roman der Putlitzer Preis verliehen wurde, lässt durch ihre Protagonistin einen Einblick in den Alltag des Adels zu. Man muss sich allerdings vergegenwärtigen, dass es in Deutschland nach der Abdankung des Kaisers im Jahre 1918 keinen derartigen Stand mehr gibt. Wie verbringen die Nachfahren also ihre Zeit? Kat erfährt so einiges über Familienunternehmen, Träume und dem Festigen alter Bindungen. Allzu fern hat sie in ihren Romanen über Fürstenhäuser nicht gelegen. Es ist nicht verwunderlich, dass manche Mitglieder nach eifrigem Erdulden ihres Schicksals depressiv werden. Die Verstrickungen untereinander sind natürlich nicht frei von Klischees, die keinen gewohnten Fingerzeig darstellen, sondern vielmehr den Humor unterstreichen. Fürstin Follie zeichnet sich dabei durch Pragmatismus und Lebenserfahrung aus. Die Figuren sind trotz ihrer Überzeichnung sympathisch und wirken lebendig.

In der Nacht ist alles Gold grau

Der zweite Roman der Autorin ist kurzweilige Unterhaltung. Witzige Dialoge und bildhafte Beschreibungen lassen einen ungewöhnlichen Einblick in den Schlossalltag zu. Die Familie hat eigentlich dieselben Probleme, wie jeder andere auch, wobei die Schwerpunkte eindeutig anders belegt sind. Nach der Lektüre dieses Romans werde ich nie wieder unbefangen ein einschlägiges Wochenmagazin durchblättern können. Die knapp 240 Seiten beschreiben eine viel zu kurze Zeit und sind durch den gefälligen Schreibstil schnell gelesen. Man muss sich allerdings auf dieses Außergewöhnliche einlassen können, um das Buch zu genießen.

Leseprobe

© Jens Oellermann

Anna Basener hat ihr Studium in Hildesheim mit Romanheften finanziert. Sie hat Dutzende Fürstenheftchen geschrieben und war laut ZEIT die »erfolgreichste deutsche Groschenroman-autorin«. Sie ist die Adelsexpertin der Podcast-Welt und Moderatorin der GALA Royals. Ihr Debütroman ALS DIE OMMA MIT DEN HUREN NOCH TAUBENSUPPE KOCHTE gewann den Putlitzer Preis, ist im Schauspiel Dortmund auf der Bühne zu sehen und wird fürs Kino verfilmt. (Quelle: Bastei Lübbe Verlag)


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  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Eichborn
  • erschienen am 31. Januar 2019
  • ISBN-13: 978-3847906537

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Eichborn Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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