Alles beginnt am Ende der Welt

Die Wolkenfischerin von Claudia Winter

Der Tod des Mannes wirft Gwenaelles Mutter komplett aus der Bahn. Sie trauert und kann sich kaum noch um ihre beiden Töchter kümmern. Die jüngere von beiden ist zudem noch gehörlos. Als Gwenaelle 13 Jahre alt ist, machen die drei Urlaub bei ihrer Tante in Paris. Nach vier aufregenden Wochen beschließt Gwenaelle, nicht mehr in die Bretagne zurück zu kehren. Ihre Tante unterstützt sie dabei.

18 Jahre später lernt der Leser Claire Durant kennen. Sie ist Redakteurin von einem Magazin in Berlin und ihr Chef Sebastian bietet ihr einen Job als Chefredakteurin eines neuen Magazins an. Sie bekommt den Auftrag, über eine Vernissage in Paris einen Artikel zu schreiben. Als Pariserin sei sie optimal für diesen Job geeignet. Gleichzeitig bekommt Claire aber den Anruf, dass ihre Mutter nach einem Sturz im Krankenhaus liegt und Hilfe bei der Versorgung ihrer gehörlosen Schwester braucht. Claire fährt also in den kleinen Küstenort Moguériec und bittet ihre Tante, in die Ausstellung zu gehen. Allerdings wird diese nach einem Vorfall nicht mehr in das Gebäude hineingelassen. Es kommt sogar noch schlimmer. Plötzlich taucht ein deutscher Urlauber auf, den Claire dort ganz bestimmt nicht treffen will.

Claudia Winter kombiniert in ihrem dritten Roman erneut eine Liebesgeschichte mit einigem Trubel und Missverständnissen. Sie legt Spuren, denen man vertrauensvoll folgen kann, oder lieber nochmal aufmerksamer liest. Wenn man denkt, dass das nette Mädchen den netten Mann aus Kapitel zwei einfach nochmal treffen sollte, bringt die Autorin garantiert eine Hürde ins Spiel, die dann erst noch überwunden werden muss. Während man weiter liest, verdeutlichen sich dann auf beide Seiten weitere Charaktereigenschaften, dass der Ausgang dieser Tändelei offen bleibt. Gespickt wird die Handlung mit humorvollen Dialogen und Situationskomik. Auch wenn es manchmal unglaublich ist, welche Zufälle aufeinander folgen, so sind sie nie aus der Luft gegriffen und bilden am Ende ein Gesamtbild. Warum sollte der Chef nicht in dem Ort Urlaub machen, den seine Mitarbeiterin vorher so lebendig empfohlen hat? Um die Lüge nicht zu aufzudecken, müssen Maßnahmen zur Abreise getroffen werden und Freunde aus Kindertagen halten doch zusammen, oder?

Die Autorin beschreibt aber außer den Menschen, die in der Region leben auch deren kulinarischen Spezialitäten. In diesem vorliegenden Buch läuft dem Leser immer wieder das Wasser im Mund zusammen, wenn typisch bretonische Gerichte aufgetischt werden. Die Rezepte befinden sich im Anhang. Dort wird auch verraten, was Fiktion auf der Landkarte ist, und was nicht. In jedem Fall wird die Bretagne mit ihrer schroffen Küste authentisch beschrieben. Das entsprechende Flair wird durch ein paar französische Sprachwendungen vermittelt, sodass man sich wie nach Finistère versetzt fühlen kann. Was die Franzosen als Ende der Welt bezeichnen, wird allerdings für Gwenaelle zur Heimat. Der Roman dient also an kalten Wintertagen wie eine warme Decke und animiert zur Reiseplanung für den nächsten Sommer.

Leseprobe

Weitere Meinungen zum Roman könnt ihr bei Ullas Leseecke und Tiiundanaskleinebcherwelt lesen.


© Claudia Toman, Traumstoff

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Als Tochter gehörloser Eltern lernte sie bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben, gefördert von ihrem Vater. Neben ihren bisher im Goldmann Verlag erschienenen Büchern hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann und dem Labrador Luka in einem kleinen Dorf nahe Limburg an der Lahn. (Quelle: Randomhouse)


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  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag
  • erschienen am 18. Dezember 2017
  • ISBN-13: 978-3442485734

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