Der Hexenhammer

Der Hexenjäger von Astrid Fritz

Susanna Mittnacht lebt mit ihren Eltern und den beiden Brüdern Martin und Georg in Schlettstadt. Sie ist im heiratsfähigen Alter und der Vater hat sogar schon einen Bräutigam für sie ausgewählt. Die junge Frau möchte diesen um einige Jahre älteren Witwer aber nicht zum Mann, zumal sie dann zu ihm nach Straßburg ziehen müsste. Ihre Mutter ist häufig krank und Susanna kann ihren Vater davon überzeugen, dass sie als Hilfe vor Ort bleiben muss. Als die Mutter stirbt, verändert sich alles. In ihrer Not bittet sie Prior Heinrich um Rat. Er schlägt vor, dass Susanna als Nonne in das Kloster der Dominikanerinnen von Sylo zu gehen. Er steht der Abtei dort vor und sie wäre sicher. Aber Susanna hadert mit sich, ob sie tatsächlich das Leben außerhalb der Klostermauern aufgeben möchte und wählt schließlich doch die Heirat. Dabei ahnt sie nicht, welche Konsequenzen ihre Entscheidung hat.

In Schlettstadt wird immer wieder gemunkelt, dass die Mutter den Freitod gewählt habe und somit kein Recht auf ein Begräbnis in geheiligter Erde hat. Wahrscheinlich hat sie ein Dämon sie zum Sprung aus dem Fenster veranlasst. Heinrich wollte diese Gerüchte zwar eindämmen, muss allerdings auch seinen Schmerz bekämpfen, nachdem Susanna sich nun doch vermählen ließ. Damit beginnt ein ungleiches Kräftemessen, bei dem es keine Gewinner geben kann.

Astrid Fritz behandelt in diesem historischen Roman das Thema Hexenverfolgung. Heinrich Kramer ist zunächst als väterlicher Freund im Umfeld der Familie Mittnacht. Er hört sich die Sorgen von Susanna und Martin an und lenkt ihre Wege. Die Kinder vertrauen ihm. Als Mann der Kirche repräsentiert er Fürsorge und Nächstenliebe. Allerdings hat auch er weltliche Gefühle. Susanna ist für ihn mehr als nur ein Mädchen aus dem Heimatdorf. Sein langsam steigendes Begehren, auf ihr Leben Einfluss zu nehmen und zu besitzen, wird von Kapitel zu Kapitel deutlicher. Der Hang zum Fanatismus ist sogar so weit ausgeprägt, dass er sich vehement der Hexenverfolgung verschreibt. Der Auslöser durch Susannas Mutter ist dabei plausibel erläutert. Sein Buch Malleus Maleficarum war noch Jahrhunderte später das Standardwerk, um Hexen zu identifizieren, mit welchen Mitteln man sie bei der peinlichen Befragung quälen sollte und welche Strafen sich als wirksam erachteten. Kramer ging dabei sogar so weit, dass er renommierte Co-Autoren auf den Titel schrieb, damit sein Buch mehr Achtung erfuhr.

Diese historisch belegten Begebenheiten werden durch die fiktiven Ereignisse um die Familie Mittnacht eingerahmt. Sämtliche Charaktere wurden glaubhaft in die Historie eingefügt und die Handlung mit einem Spannungsbogen versehen. Jeder von ihnen hat seine Berechtigung für den Handlungsverlauf. Als Leser erfährt man so mehr über die dunkle Geschichte der Hexenverfolgung im 16. Jahrhundert und kann gleichzeitig an Susannas Werdegang mitverfolgen, welche gesellschaftlichen Erwartungen seinerzeit an Frauen gestellt wurden. Die gängigen Handelswege bleiben ebenfalls nicht unerwähnt. Der Roman berichtet mit leiser Stimme über heute fast unvorstellbare Grausamkeiten. Die Frauen mussten leiden, weil Männer wie Heinrich Kramer die Bibel deuteten und sich in eigene Vorstellungen verirrten. Die Vergangenheit kann man zwar nicht mehr ändern, jedoch helfen Romane wie dieser, dass diese Historie nicht vergessen wird.

Eine ausführliche Beschreibung von der Zeit und vor allem Heinrich Kramer findet ihr auf der Homepage der Autorin.

Leseprobe

© Wioletta Neiss



Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen „Die Hexe von Freiburg“, „Die Tochter der Hexe“ und „Die Vagabundin“. Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart. (Quelle: Rowohlt-Verlag)


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  • Taschenbuch: 446 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • erschienen am 20. November 2018
  • ISBN-13: 978-3499274671

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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